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Fünf Jahre PASCH: „Die Zukunft beginnt jetzt“

Bernhard Ludewig Copyright: Bernhard Ludewig
PASCH-Schülerin Amina: „Die neue Generation in Marokko will das Land verändern, so wie ich“ (Foto: Bernhard Ludewig)

30. November 2012

PASCH steht für Schulen: Partner der Zukunft. Fünf Jahre nach der Gründung der Initiative zeigt ein Workshop in Berlin, wie die deutsche Sprache Schüler aus aller Welt verbindet. Und welche Visionen die Jugendlichen vom Lernen und vom Leben in der Zukunft haben.



Es ist still. Santiago aus Mexiko betritt die Bühne. Minuten vergehen. Das Publikum wird unruhig. Der 18-Jährige beginnt zu sprechen – auf Deutsch. Seine Stimme ist fest, seine Gestik groß: „Weißt du, was die Zukunft bringt? Wissen Sie es? Nein, wir alle wissen es nicht. Doch eins wissen wir: Die Zukunft beginnt genau jetzt!“

Santiago, geboren im mexikanischen Guadalajara, ist einer von 20 Jugendlichen, die Ende Oktober im Rahmen der Initiative Schulen: Partner der Zukunft (PASCH) für eine Zukunftswerkstatt nach Berlin gereist sind. Die Teilnehmer des Workshops kommen aus Russland, der Türkei, Marokko, Chile, den USA, Polen, Argentinien, Mexiko, Usbekistan, Indien, Irland, Rumänien, Spanien, Kamerun und Deutschland. An vier Tagen diskutierten sie in der Berliner Akademie der Künste über gemeinsam entwickelte Visionen vom Lernen in der Zukunft. Die Grundlage dafür bildete eine gemeinsame Sprache – Deutsch haben die Jugendlichen an den Schulen in ihrer Heimat gelernt.

„Begeisterung für das moderne Deutschland“

„Seit Februar 2008 stärkt und verbindet die Initiative PASCH ein weltumspannendes Netz von rund 1.500 Partnerschulen mit besonderer Deutschlandbindung“, sagt Ina Hoischen, die ebenfalls zur Zukunftswerkstatt angereist ist. Eigentlich arbeitet die PASCH-Referentin in der Münchener Zentrale des Goethe-Instituts. Was Deutschlandbindung bedeutet? Genau das werde bei den Workshop-Tagen in Berlin deutlich, freut sich Hoischen: „Hier erlebt man eindrucksvoll, dass die Initiative bei jungen Menschen Begeisterung für die deutsche Sprache geweckt hat.“

Vier Partner arbeiten im PASCH-Projekt zusammen: die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, das Goethe-Institut, der Deutsche Akademische Austauschdienst und der Pädagogische Austauschdienst der Kultusministerkonferenz. Die Internetplattform PASCH-net ist die zentrale Kommunikations- und Lernplattform des PASCH-Netzwerks. „Zum Erfolg von PASCH haben alle Beteiligten ihre Kompetenzen eingebracht“, so Hoischen. Das Goethe-Institut betreue in derzeit über 110 Ländern 520 Schulen, die an der Förderung des Deutschunterrichts und einer Partnerschaft mit Deutschland besonders interessiert seien.

Neben der Unterstützung von PASCH-Schulen durch multimedial verwendbare Lehr-, Lern- und Landeskundematerialien sowie Fortbildungen von Lehrkräften umfasst das Angebot des Goethe-Instituts auch Besucherreisen, Schuldirektorenkonferenzen, Jugendkurse in Deutschland und regionale Sprachcamps. „Uns geht es dabei immer auch darum, gezielte Freiräume der Begegnung zu schaffen“, sagt Hoischen: „Wie hier in Berlin.“


Fotos: © Jens Sauerbrey



Vor seinem Auftritt war Santiago nicht sonderlich nervös. Durch vorherige PASCH-Projekte hat er auch gelernt, vor einem Publikum zu sprechen. In Berlin traf er nun auf PASCH-Schüler aus anderen Ländern. Zum Beispiel auf die 17-jährige Navruza aus Usbekistan, die seit neun Jahren Deutsch lernt. Später möchte sie Politikerin werden. „Fremdsprachen sind Brücken zwischen den Ländern“, erklärt Navruza: „Wenn ich kein Deutsch könnte, wäre ich nicht hier. Doch wir brauchen Sprachen, damit wir zusammenarbeiten können.“

Amina aus Marokko ist zum zweiten Mal in Berlin und fühlt sich in Deutschland wie in einer anderen Welt: „Die Menschen hier sind freier und können machen, was sie wollen. Die neue Generation in Marokko hat aber auch neue Gedanken für die Zukunft. Sie will das Land verändern, so wie ich. PASCH und die deutsche Sprache helfen mir dabei.“ Die Welt sehen, mithilfe der deutschen Sprache – das ist der Traum von Dhruv aus New Delhi, der sich schon in der fünften Klasse für Deutsch als Fremdsprache entschieden hat. „In Delhi gibt es viele Menschen aus verschiedenen Staaten“, erzählt er. „In Berlin sind viele Menschen aus verschiedenen Ländern.“ Nach der Schulzeit will Dhruv nach Deutschland kommen, um zu studieren.

Doch ganz unabhängig davon, ob Santiago, Navruza, Amina oder Dhruv weiter Deutsch lernen oder ihre Begeisterung für andere Sprachen irgendwann größer wird. Über eins sind sich die PASCH-Schüler einig: Die Tage in der Berliner Zukunftswerkstatt waren ein spannender Austausch über Ländergrenzen hinweg. Dass diese Diskussionen weit über die Zukunft des Sprachenlernens hinaus gingen, hat auch Ina Hoischen vom Goethe-Institut überrascht. Die Schüler haben viele Träume. „Vor allem aber wollen sie einen eigenen Beitrag zur Verbesserung der Welt leisten“, so Hoischen: „Ob als Politiker, Journalist oder Umweltschützer.“ Santiagos Satz klingt nach: Die Zukunft beginnt jetzt.

-meu/mb-

Schulen: Partner der Zukunft (PASCH) ist eine Initiative des Auswärtigen Amtes in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, dem Goethe-Institut, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und dem Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz. Das Goethe-Institut betreut im Rahmen der Initiative weltweit Schulen, die in den nationalen Bildungssystemen der Länder verankert sind und an denen Deutsch als Fremdsprache einen besonders hohen Stellenwert hat.
Navruza aus Usbekistan
„Ich interessiere mich sehr für Fremdsprachen und Politik. In der Zukunft will ich an einer Hochschule in Deutschland studieren.“

Navruza ist 17 Jahre alt. Sie ist Schülerin einer PASCH-Schule in Usbekistan und hat im Rahmen von PASCH u.a. an einem interkulturellen Filmprojekt teilgenommen.

Vor der PASCH-Zukunftswerkstatt:
„Bei solchen Projekten lernt man mit spannenden und ungewöhnlichen Lehrmitteln.“

Nach der PASCH-Zukunftswerkstatt:
„Am meisten beeindruckt haben mich die Teilnehmer. Ich werde die Lieder, die wir geschrieben und gesungen haben, weitergeben. Ich bin jetzt noch mehr entschlossen, nach Deutschland zu kommen.“
Dhruv aus Indien
„Meine Interessen: Artikel und Geschichten schreiben, Theater, Bücher lesen, Musik hören, Deutsch lernen und Deutsch unterrichten, Deutsche Kultur kennen lernen, an Diskussionen teilnehmen. Meine Zukunftspläne: Ich möchte Berater oder Psychologe werden.“

Dhruv ist 17 Jahre alt. Er ist Schüler einer PASCH-Schule in Indien und hat im Rahmen von PASCH u.a. an einem Umweltprojekt teilgenommen, das von der UNESCO ausgezeichnet wurde.

Vor der PASCH-Zukunftswerkstatt:
„Ich möchte an der Zukunftswerkstatt teilnehmen, damit ich die Meinung der verschieden Leute der Welt über Kulturaustausch und Perspektive der deutschen Sprache, Kultur und gleichzeitig über Deutschland in der Tiefe kennen lernen kann. Ich möchte auch meine Meinung teilen. Außerdem interessiere ich mich für die deutsche Kultur und verschiedene Themen, die unsere Zukunft betreffen. Für mich hat diese Sprache auch mehrere Bedeutungen, die ich gern teilen möchte.“

Nach der PASCH-Zukunftswerkstatt:
„Am meisten beeindruckt hat mich die Idee der Zukunftswerkstatt und die Art, wie sie organisiert war. Die Zukunftswerkstatt war super, eine tolle Erfahrung. Ich kann jetzt frei sprechen. Das wird viel in meiner Zukunft helfen.“
Santiago aus Mexiko
„Meine Interessen: Neuen Technologien im Bereich alternativer Energien und Design von ökologischen Verkehrsmitteln. Meine Zukunftspläne: Bei Siemens als Forscher und Techniker arbeiten im Ausland.“

Santiago ist 18 Jahre alt. Er war Schüler einer PASCH-Schule in Mexiko und hat im Rahmen von PASCH unter anderem am Jugendkurs in Rossleben teilgenommen. Seit August 2012 studiert er Ingenieurwissenschaften Elektrotechnik/Mechatronik.

Vor der PASCH-Zukunftswerkstatt:
„Meine Motivation: Internationaler Austausch mit interessierten Jugendlichen anderer Länder.“

Nach der PASCH-Zukunftswerkstatt:
„Am meisten beeindruckt hat mich die Herzlichkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ich werde zu Hause von unserer Performance sprechen. Diese Erfahrung hat komplett meine Weise verändert, die Welt zu sehen.“

„Ich wünsche mir, dass im Rahmen von PASCH noch viel mehr Veranstaltungen zum Thema Zukunft gemacht werden.“
Amina aus Marokko
„Ich möchte Journalismus studieren.“

Amina ist 17 Jahre alt. Sie ist Schülerin einer PASCH-Schule in Marokko und hat im Rahmen von PASCH an einem Jugendkurs zum Thema „Schülerzeitungen“ teilgenommen.

Vor der PASCH-Zukunftswerkstatt
„Ich möchte etwas Neues entdecken. Ich möchte mich entscheiden, ob ich in Deutschland oder Frankreich studieren will.“

Nach der PASCH-Zukunftswerkstatt:
„Die schöne Atmosphäre und die Hilfe, die wir bekommen haben, haben mich am meisten beindruckt. Die Erlebnisse und die Erfahrungen aus der Zukunftswerkstatt haben mir sehr gefallen. Ich möchte Werbung dafür machen. Die Zukunftswerkstatt wird mich beeinflussen, weil ich mein Deutsch verbessert habe. Außerdem sind wir trotz Unterschieden die gleichen Personen. Ich bin auch überrascht über unser Projekt. Wir haben alle keine Fehler gemacht und wir hatten viel Spaß.“
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