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Deutsche und afrikanische Clubkultur: Rauer, punkiger Energiefluss

Rita SoaresCopyright: Rita Soares
DJ Satelite und Marco Messina „legen auf“ (Foto: Rita Soares)

11. Dezember 2012

Musik, das ist eine der ältesten Weisheiten, verbindet. Längst schon geben auch afrikanische Rhythmen in Europas Clubs mit den Ton an. Bei dem Projekt Ten Cities wollen nun Dutzende von DJs, Musikern und Produzenten die Clubkulturen der beiden Kontinente noch weiter zusammenbringen. Von Vanja Budde

Wummernde Bässe und harter Sprechgesang dringen aus dem improvisierten Tonstudio: Drinnen rappt MC Sacer.(dot) von den sozialen Missständen in seinem Musseque Sambizanga, Andi Teichmann aus Berlin, Marco Messina sowie Lucio Aquilina aus Neapel steuern die elektronischen Effekte bei. Der Fahrer hat sich eine Schaumstoffmatratze hinters Mischpult gelegt, denn die Nächte werden derzeit lang im Goethe-Institut Angola.

Ten Cities heißt das Projekt, das in den kommenden zwei Jahren die Clubkulturen aus Afrika und Europa zusammenbringen soll. Dutzende DJs, Produzenten und Musiker aus Berlin, Bristol, Johannesburg, Kairo, Kiew, Lagos, Lissabon, Luanda, Nairobi und Neapel werden gemeinsam neue elektronische Tanzmusik schaffen und versuchen, die Clubszene ihrer jeweiligen Stadt aufzuwirbeln.

Den Anfang macht Angola. Sein Kuduro, diese dynamische Mischung aus traditionellem Kazukuta und House, HipHop, Rap und Techno hat sich vor 20 Jahren in den Armenvierteln Luandas entwickelt.

Erst war es ein Tanzstil, mittlerweile beeinflusst der eindringliche Rhythmus des Kuduro DJs in ganz Europa und den USA. Die hätten sich auf der Suche nach Erneuerung schon immer in Afrika umgesehen, erklärt Andi Teichmann. „Was mich persönlich an Kuduro begeistert: Es transportiert eine raue, fast schon punkige Energie“, erklärt der Produzent und DJ. „Es ist eine sehr rhythmische, sehr schnelle Musik. Dadurch, dass kaum Harmonien vorkommen, hat es eine unglaubliche Power.“

Besuch bei MC Sacer.(dot) in seinem kleinen Haus in Sambizanga, das er mit seiner Mutter, vier Schwestern, zwei Brüdern und vielen Kleinkindern teilt. Im ersten Stock, über eine schmale Eisenleiter zu erklettern, befindet sich sein Tonstudio und Refugium mit Blick auf die Wellblechdächer von Sambizanga. Der Arbeitsplatz des Kudurista besteht aus einem Laptop, Boxen und einem Mikrofon. Hier hocken sie zusammen, lauschen den Tracks der Kollegen und diskutieren die weitere Projektarbeit.

„Reisen ist existenziell“

Gegenseitiger Respekt und Sympathie. Nicht nur die musikalische Verständigung klappt bei diesem Auftakt zu Ten Cities. So zieht denn auch Marco Messina eine fast uneingeschränkt positive Zwischenbilanz: „Für mich ist es eine tolle Erfahrung, mit den angolanischen Musikern zusammenzuarbeiten“, erzählt der Neapolitaner. „Reisen und kultureller Austausch ist für alle Menschen wichtig, für Künstler aber existenziell.“

Für Angolas Beitrag zu Ten Cities greifen die Musiker auf traditionelle Rhythmen zurück. Die gemeinsamen Klänge werden von einer Semba-Trommlergruppe bereichert, die auch beim Eröffnungskonzert im Teatro Elinga in der Innenstadt von Luanda auftritt.

Traditionelle Trommler und Tänzerinnen, MC Sacer.(dot) am Mikro, Andi, Marco und Lucio an den Mischpulten, gemeinsam mit den Kuduro- und Afrohouse DJs Satelite und Djeff aus Luanda: Die Auftaktfusion aus Afrika und Europa rockt bis in die frühen Morgenstunden.

Im Januar geht es in Lagos weiter; Johannesburg, Kairo und Nairobi werden folgen. Zum Abschluss des Projekts wird es die neu entstandenen Stücke auf CD geben, ein Buch soll zum ersten Mal die Geschichte der Clubmusik in den zehn Städten erzählen und alle treffen sich 2014 wieder in Berlin – zum gemeinsamen Abschlusskonzert der Ten Cities.

Unter dem Titel Ten Cities kommen rund 50 DJs, Musikproduzenten und Instrumentalisten aus Berlin, Bristol, Johannesburg, Kairo, Kiew, Lagos, Lissabon, Luanda, Nairobi und Neapel in Afrika und Europa zusammen, um gemeinsam Musik zu produzieren und sich über die Clubszenen ihrer Länder auszutauschen. Organisiert wir das Projekt der Goethe-Institute in Subsahara-Afrika vom Institut in Kenia, unterstützt von den Partnern Adaptr.Org, C/O Berlin und der Universität Neapel. Dabei soll aus der Perspektive der Clubkultur das Thema Öffentlichkeit erkundet werden – musikalisch, fotografisch und wissenschaftlich.
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