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Des Adventsrätsels vierter Teil: Wo schläft der tapfere Indianerjunge?

Andreas LechnerCopyright: Andreas Lechner
Diesem Indianerjungen verdanken wir eine Frucht, die vor Dämonen schützt (Illustration: Andreas Lechner)

24. Dezember 2012

Es weihnachtet, Zeit für das vierte Märchenrätsel: Ein Indianerjunge verirrt sich im Wald, wo ihn ein Dämon heimsucht. Das Erbe des Jungen ist eine besondere Frucht. Wenn Sie erraten, in welchem Land man davon weiß, erhalten Sie einen Neujahrsgruß von ebendort.

Wie Guarana ein Getränk zum Wachhalten wurde

Aguiry war der fröhlichste Knabe in seinem Stamm. Er ernährte sich ausschließlich von Früchten, und das, so vermuteten die Indianer, war der Grund, warum er stets guter Dinge war. Jeden Tag ging Aguiry in den Wald und kehrte mit einem Korb voller Früchte zurück, die er an seine Freunde verteilte, auf dass diese ebenfalls fröhlich gestimmt würden.

Eines Tages entfernte sich Aguiry zu weit von seinem Dorf und verirrte sich im Wald. Als die Nacht hereinbrach, blieb dem Jungen nichts anderes übrig, als sich ein Lager aus Laub zu bereiten und den Tag abzuwarten. Er tröstete sich, dass ihn sein voller Korb mit Früchten vor dem Verdursten und Verhungern bewahren würde. Doch er hatte nicht mit Jurupari gerechnet, dem Dämon der Finsternis, der in Vogelgestalt erscheint und süße Früchte über alles liebt.

Jurupari griff den Knaben mit seinen scharfen Krallen und seinem mächtigen Eulenschnabel an und tötete ihn, um an die Früchte zu gelangen. Unterdessen waren Aguirys Verwandte und Freunde in großer Sorge, weil der Junge nicht nach Hause gekommen war. Sie machten sich am nächsten Morgen auf und fanden ihn nach banger Suche tot neben dem leeren Früchtekorb.

Auf Geheiß ihres guten Gottes Tupã begruben die Indianer Aguirys Augen unter einem Baum, der schon seit vielen Jahren vertrocknet war. Jeden Tag kam eine Abordnung des Stammes zu dem Baum, um den Jungen zu beweinen. Und siehe da: Bald schlug der trockene Baum aus, als hätten ihm die Tränen neue Kraft gegeben. Und im nächsten Frühling trug der Baum Früchte von einer den Indianern unbekannten Art: Sie waren rot und verbargen einen dunklen Kern, der an Aguirys Augen erinnerte.

Nun verriet ihnen Tupã, dass die Frucht Guarana heiße und dass man sie essen könne. Man müsse sie trocknen, raspeln und mit Wasser mischen, dann sei sie zu jeder Jahreszeit verfügbar. Bald merkten die Indianer, dass Guarana, in Maßen genossen, allerlei Krankheiten heilte und müde Leute wach hielt. Seither hat jeder Indianer Guarana dabei, wenn er im Wald übernachten muss. So hat der Dämon keine Chance mehr, einen müden Menschen im Schlaf zu überraschen.

Die Auflösung erfahren Sie in der nächsten Woche. Bis dahin können Sie Ihren Tipp abgeben. Das Land, aus dem unser tapferer Indianerjunge stammt, hat zwar keine Augen, die an Früchte erinnern – dafür aber einen Namen, der aus der Botanik entlehnt ist.

Das Märchen zum dritten Advent stammt übrigens aus Kenia.

Doch zurück zu unserer heutigen Geschichte: Können Sie uns verraten, in welchem Land der Junge seinen Stamm von der Bedrohung nächtlicher Dämonenangriffe befreite?

Dieses Rätsel ist bereits beendet. Die richtige Antwort lautete: Brasilien. Das Land ist nach dem Brasilholz-Baum benannt, der früher in den Wäldern an der Küste weit verbreitet war. Die Geschichte entstammt dem Buch Märchen und Mythen der brasilianischen Indianer, erschienen 1988 im Kohlhammer & Wallishauser Verlag.


-lm-

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