Deutsch in Tschechien: Die Enkel

Ines aus Böhmen: „Das sind einfach unsere Wurzeln“ (Foto: Marc Bader)
13. Februar 2013
Migrationshintergrund? Genau den haben Sandra, Ines, Hana und Ondřej nicht. Und doch gehören sie zu einer Minderheit im eigenen Land. Sie sind in Tschechien aufgewachsen – mit deutschen Wurzeln. Das Projekt Schaufenster Enkelgeneration stellt sie in Videoporträts vor.
Wenn von Sudetendeutschen die Sprache ist, denkt man in Deutschland meist an Vertriebene und ihre Verbände. Im deutsch-tschechischen Verhältnis war das Thema Vertreibung in den vergangenen Jahrzehnten immer ein heikler Punkt. Selbst bei der Stichwahl zum tschechischen Präsidenten im vorigen Monat war das Thema nach Ansicht vieler Beobachter wahlentscheidend: Kandidat Milos Zeman hatte seinem Gegner Karel Schwarzenberg vorgeworfen, er wolle tschechischen Besitz an Sudetendeutsche geben.
Dabei gerät oft in Vergessenheit, dass es noch heute in Tschechien viele Deutsche gibt, Deutsche ohne Migrationshintergrund wohlgemerkt. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2011 gaben 18.722 Tschechen an, der deutschsprachigen Minderheit anzugehören. Das Goethe-Institut unterstützt diese Menschen mit Mitteln der Bundesregierung in verschiedenen Initiativen. Im Fokus des jüngsten Projekts stehen die jungen Angehörigen der deutschen Minderheit – die Enkel. Vier von ihnen hat der in Prag lebende Filmemacher Marc Bader dafür besucht und porträtiert.
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Ines beispielsweise. Sie wurde 1987 in Kadaň (Kaaden) geboren und wuchs mit einer deutschsprachigen Mutter und Großmutter in Chomutov (Komotau) auf. Mit Mutter und Großmutter spricht sie in böhmischer Mundart. Ines versteht sich als Deutsche aus Böhmen. Heute lebt und arbeitet sie als Krankenpflegerin in Bayern.
Auch der fünf Jahre ältere Ondřej aus Karlsbad ist mit einer deutschsprachigen Mutter und Großmutter aufgewachsen. Anders als Ines spricht er jedoch kaum Deutsch und fühlt sich ausschließlich als Tscheche. Bei Sandra und Hana wiederum, die beide mit zwei Sprachen groß wurden, schlagen zwei Identitäten in einer Brust.
Alle Porträts sowie ein Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Claudia Maria Riehl und weitere Informationen zum Thema finden Sie auf der Website des Goethe-Instituts Prag.
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