Blog zum Wagner-Jahr: Der Herr des Rings

Richard Wagner: Unumstrittenes Genie, umstrittener Mensch (Foto: Wikipedia)
2. März 2013
2013 ist das Jahr Richard Wagners. Welche Bedeutung hat der umstrittene Komponist für Kunst und Wissenschaft noch heute? Dieser Frage geht nun ein eigener Blog des Goethe-Instituts nach. Doch beginnen wir ausnahmsweise mit dem Ende – mit dem Tod in Venedig.
Der Tod in Venedig: Das klingt nach Thomas Mann, das klingt nach Luchino Visconti. Doch im Fall des Todes in Venedig, der sich vor zwei Wochen, am 13. Februar, zum 130. Mal. jährte, ist die Relevanz weniger literarischer oder cineastischer, als vielmehr musikhistorischer Art.
Denn an jenem Februartag im Jahr 1883, als der kleine Thomas Mann vielleicht gerade in Lübeck in der Schulbank sitzt und Lesen und Schreiben lernt und Regisseur Visconti noch lange nicht geboren ist, hält sich Richard Wagner in seinem Arbeitszimmer im Palazzo Vendramin-Calergi, einem der prächtigsten Paläste am Canal Grande in Venedig, auf. Er schreibt an einem Aufsatz. Der vielsagende Titel: Über das Weibliche im Menschlichen. Doch plötzlich bricht der Komponist zusammen. Er ist tot.
Da sich 2013 aber nicht nur der Tod Wagners jährt, sondern am 22. Mai auch sein 200. Geburtstag ist, gibt es reichlich Anlass, dieses Jahr in besonderem Maße an den Ausnahmekomponisten zu erinnern.
Szene aus „Lohengrin“: Was fasziniert an Wagner? (Foto: Marcus Lieberenz/bildbuehne.de)
Richard Wagner, der Name steht für den Fliegenden Holländer, Lohengrin und den Ring der Nibelungen. Er steht aber auch für den unverhohlenen Antisemitismus eines Genies, das nicht nur von Märchenkönig Ludwig II., sondern auch von Adolf Hitler gefeiert wurde. Und er steht für eine noch andauernde Bayreuther Familiensaga, die bisweilen auch die Züge einer Soap Opera annimmt.
Die Beschäftigung mit dem Menschen und dem Komponisten Wagner kann daher ambivalent sein, langweilig ist sie nie. Deshalb widmet das Goethe-Institut dem Mann nun einen eigenen Weblog. Was fasziniert und beschäftigt Künstler und Wissenschaftler an Wagner? Spielt er für sie heute überhaupt noch eine Rolle? Und wenn ja, welche? Diese Fragen bilden den Kern des Blogs. Die Auseinandersetzung mit den Themen soll dabei in vielfältigen Formaten stattfinden – im Interview genauso wie im Video oder im Comic. Und hoffentlich in einem regen Austausch mit den Lesern. Denn Mein Wagner, so der Titel des Blogs, soll auch Dein Wagner sein.
Die Perspektive auf Richard Wagner darf bei allen Beiträgen eine subjektive sein: So wird sich der neuseeländische Comiczeichner Mat Tait in einer Art Fortsetzungsgeschichte dem Fliegenden Holländer nähern, und Dan Schifrin vom Contemporary Jewish Museum San Francisco schildert seine existenzielle Krise als Ausgangspunkt zum Zugang zur Figur Richard Wagners. Eine virtuelle Tour führt durch die Wohnorte Wagners in Riga. Und der belgische Choreograf Alain Platel berichtet über seine Arbeit mit Wagners Musik:
Dass die Beschäftigung mit Wagner jedoch nicht immer tierisch ernst vonstatten gehen muss, beweist zum Beispiel die „Dame vom Lohengrill“: Wenn Sie wissen wollten, ob Wagner kochen konnte – sie verrät es Ihnen. Und wer sich in Wirklichkeit hinter Ring-o Starr von den Beatles verbirgt – auch dieses Rätsel wird nun endlich gelöst.
Dass der Tod Richard Wagner ausgerechnet in Venedig ereilte, ist übrigens nur bedingt ein Zufall. Denn Wagner war kein seltener Gast in der Stadt. Venedig zählte zu seinen Lieblingsstädten. „Jeder weiß“, so schrieb er seinem Schwiegervater Franz Liszt vor dem ersten Aufenthalt in der Stadt 1858, „dass Venedig die ruhigste Stadt ist, ich meine die leiseste Stadt der Welt, und deshalb habe ich entschieden, dass es absolut der richtige Ort für mich ist.“ Richard Wagner, der Mann der leisen Töne. Das klingt überraschend.
Gestartet im Monat des 130. Todestages läuft der Wagner-Blog noch bis August. Auf Überraschungen darf man sich auch in dieser Zeit gefasst machen.
-db/dpa-







