„Semele Walk“ in Sydney: Händel trifft Westwood

Händel auf dem Catwalk (Foto: Sydney Festival)
19. Februar 2013
Gegensätze ziehen sich an, das wissen wir. Immer wieder versucht die Kunst daher, scheinbar Unvereinbares miteinander zu kombinieren, Klassik und Punk etwa. Nicht immer ergibt die Melange dann ein überzeugendes neues Ganzes – bei Georg-Friedrich Händel und Vivienne Westwood schon.
In Zusammenarbeit mit dem Sydney Festival präsentierte das Goethe-Institut Australien jüngst Semele Walk im Sydney Opera House. Es ist ein Projekt von Ludger Engels (KunstFestSpiele Herrenhausen), das die modischen Fantasien der Punk-Göttin Vivienne Westwood mit der Musik von Georg-Friedrich Händel vereint. Kein Wunder, dass die Financial Times das Ergebnis als „dekorativ, halluzinogen und verwegen“ beschrieb. Das Publikum jedenfalls war begeistert.
Die Heldin Semele aus dem dritten Buch in Ovids Metamorphosen wird in Semele Walk als rebellische Punkerin des 21. Jahrhunderts dargestellt. Ihr Abstieg in den Wahnsinn und die Selbstzerstörung vollzieht sich auf dem Laufsteg – zwischen Stöckelschuhen, wogenden Gewändern und Barockmusik.
Das Stück, das im Sommer 2011 bei den KunstFestSpielen Herrenhausen in Hannover mit Couture von Vivienne Westwood uraufgeführt und nun nach Australien geholt wurde, wurde hier vom Berliner Ensemble Kaleidoskop gemeinsam mit dem Sydney Philharmonia Choirs präsentiert. Der Schritt vom Oratorium zur Punk-Oper kann mitunter kürzer sein, als man denkt.
-db-







