Szeneporträts: Was macht die afrikanische Musik?

On air: Die nigerianische Radiomoderatorin Wana Udobang im Studio (Copyright: Wana Udobang)
8. März 2013
Coupé Decalé, Highlife, Afrobeat, Zouglou – das ist nur eine winzige Auswahl an Richtungen, die innerhalb des afrikanischen Musikkosmos kursieren. Orientierung verspricht die Radiosendereihe Music around Africa. Von Gesa Husemann
„Jeder Afrikaner, der keine Verantwortung übernimmt, ist entweder verrückt oder naiv.” Der Rapper Smockey spricht diese Worte im Interview ganz unaufgeregt. Kritik ist sein Alltag. In seinen Songs mischt er auf und prangert an. Während andere im Jahr 2010 den 50. Jahrestag der afrikanischen Unabhängigkeit feierten, sang er über die Abhängigkeiten Afrikas – in seinem Lied 50 ans 2 dépendance.
Smockey, 50 ans 2 dépendance
Mit seiner Musik will Smockey Verantwortung übernehmen, sich politisch einbringen und auf die Zustände in seinem Land aufmerksam machen. Damit steht Smockey im „Land der Aufrichtigen“, wie man Burkina Faso frei übersetzen kann, nicht allein. Politische Teilhabe und Musik sind hier eng miteinander verzahnt. So jedenfalls beschreibt Abraham Yembuado Nano die Musikszene in Burkina Faso. Nano hat eine einstündige Radiosendung konzipiert und produziert und setzt sich darin mit der urbanen und modernen Musikszene in Burkina Faso auseinander. Er ist einer von zwölf Kennern, die in der Radioreihe Music around Africa über die Musik ihrer Länder sprechen.

Klicken Sie auf den Screenshot, um zu den zwölf Audios von „Music around Africa“ zu gelangen.
Mit ausgewählten Songs und Wortbeiträgen machen sie die vielfältigen und dynamischen Musikszenen südlich der Sahara zugänglich – ob angesagte Musikstile oder solche, die nicht unbedingt Mainstream sind. In zwei Workshops sind mithilfe der Deutschen Welle Akademie zwölf ganz unterschiedliche Radiosendungen entstanden, die Nigeria, Ghana, Côte d’Ivoire, Burkina Faso, Senegal, Kamerun, Kenia, Ruanda, Mosambik, Simbabwe, Angola und Südafrika musikalisch unter die Lupe nehmen. Dabei haben die Radiomacher, Journalisten und Musiker Kontakte geknüpft und sich über die jeweilige Situation in ihren Ländern ausgetauscht. Gesendet werden ihre Beiträge auf dem deutschen Webradiosender Byte.fm. Angesprochen werden sollen aber nicht nur deutsche Musikliebhaber. Mit der englischen und französischen Version kann auch das afrikanische Publikum über die heimatlichen Landesgrenzen hinweg hören.
Begibt man sich mit der Beitragsmacherin Wana Udobang auf die musikalische Reise nach Nigeria, klingt es erst einmal poppig. „The way she dances, the way she moves ...“ – so startet der Song Pakurumo des Afropop-Künstlers Wizkid, der schnell seinen Weg ins nigerianische Partyleben gefunden hat. Popmusik „made in Nigeria“ sei in ganz Afrika beliebt, so Udobang. Da kann Okyeame Kwame, Sprecher der Musicians Union of Ghana, nur etwas neidisch eingestehen: „Nigerianische Songs haben schöne Melodien und ich glaube, dass nigerianische Künstler sehr hart daran arbeiten, gute Popsongs zu schreiben.“ Von der perfektionierten Machart nigerianischer Popsongs und Videos würde man sich in Ghana gerne etwas mehr abgucken.
Musik und Tanz des Batwa-Volks
In den Hinterhöfen Kigalis hingegen geht es nicht um Perfektion, und auch nicht um tanzbare Popklänge. DJ Eric Soul aus Ruanda präsentiert in seiner Sendung die Musik des Batwa-Volkes. Durch Zufall traf er in einem Hinterhof auf eine musizierende Gruppe und konnte eine Aufnahme machen. Durch das Blasen in Kuhhörner, den Amakonderas, erzeugen die Spieler tranceartige Polyphonien, die eine beruhigende Wirkung ausstrahlen würden, erklärt der DJ. Nicht so gemäßigt tönt es von den Straßen an der Côte d’Ivoire. Die Musikstile Zouglou und Coupé Decalé, die Papous Kader in seiner Sendung vorstellt, haben einen auffordernden Charakter. Zur Entstehung des Zouglou hätten vor allem Studenten der Universität Abidjan beigetragen, als Reaktion auf ihre schlechten Lern- und Lebensbedingungen. Der Ruf nach Veränderung ist in den Liedern laut.
Zouglouklänge: Yode et Siro, Ta Position
Der Coupé Decalé besingt den wirtschaftlichen Aufstieg durch Arbeit im Ausland. In Paris zu Geld kommen und damit in die Heimat zurückkehren – das sei die ungefähre Übersetzung der Musikbezeichnung, so Kader. Die Jugend der Elfenbeinküste, die während der Unruhen zeitweise in Paris lebte, feiere gerne zu dieser Gute-Laune-Musik.
Von Simbabwe nach Kenia, von Nigeria nach Südafrika – alte, neue und neueste Stilrichtungen werden im musikalischen Afrika gefeiert und betanzt. Um es mit den Worten des kenianischen Musikers Camp Mulla auszudrücken: „The party don’t stop.“







