Zypernkrise: „Es ist wie bei Opel in Bochum“

Institutsleiter Luley: „Es gibt nur ein Thema“ (Foto: Marcos Gittis)
2. April 2013
Insel im Ausnahmezustand: Die Eurokrise hat Zypern getroffen – mit voller Wucht. Zwei Wochen lang standen die Zyprer vor verschlossenen Banken und bangten um ihr Erspartes. Nun normalisiert sich der Alltag, die Sorgen bleiben. Björn Luley hat die nervenaufreibenden Tage miterlebt.
Herr Luley, Sie leiten seit knapp zwei Jahren das Goethe-Institut in Zypern. Wie erfahren Sie die aktuelle Lage in Nikosia?
Björn Luley: Abgesehen von den Protesten ist es relativ ruhig. Die Leute gehen jeden Tag zur Arbeit, sie sind aber natürlich alarmiert. Ich würde ihre Situation mit der vieler Opel-Mitarbeiter in Bochum vergleichen, wo im nächsten Jahr der Standort schließen wird: Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Das zyprische Bruttosozialprodukt wird zwischen 80 und 85 Prozent durch sogenannte Finanzdienstleistungen erwirtschaftet. Die Krise wird daher sehr viele Arbeitsplätze zerstören und damit viele Zyprioten treffen. Darüber hinaus werden wahrscheinlich viele der hier lebenden Ausländer, die im Finanzdienstleistungssektor arbeiten, die Insel verlassen.
Bekommen Sie die Krisenstimmung auch an Ihrem Institut zu spüren?
Die Arbeit bei uns läuft wie gewohnt, unsere Veranstaltungen und Sprachkurse finden statt. Das Leben der Mitarbeiter geht ebenfalls normal weiter. Aber bei den Gesprächen der Zyprer untereinander gibt es natürlich nur ein Thema. Das wäre ja in Deutschland genauso, wenn niemand wüsste, was aus den Ersparnissen wird.
Was bekommen Sie von der Stimmung gegen Deutschland mit, über die hierzulande viel berichtet wird?
Ressentiments mir oder dem Goethe-Institut gegenüber habe ich bislang keine erlebt. Obwohl es in solchen tiefgehenden Krisensituationen fast verständlich ist, dass ein Teil der Bevölkerung Ausschau hält nach einem Sündenbock, der von den eigentlich Schuldigen ablenkt. Diese Rolle übernehmen die Troika und die EU im Allgemeinen sowie Deutschland mit Angela Merkel und Wolfgang Schäuble im Besonderen. Zunehmend wird vielen Menschen aber klar, dass es nicht „die Deutschen“ oder die Troika waren, die den Auftrag erteilt haben, griechische Staatsanleihen zu kaufen, um dem vermeintlichen „Mutterland Griechenland“ zu helfen. Es wird deutlich, dass es die eigenen Bankmanager waren, die mittlerweile auch verurteilt, kritisiert und von vielen zum Teufel gewünscht werden.
Hat das Goethe-Institut auch ein Konto bei einer Bank in Zypern?
Ja, wir haben ein Konto bei der Laiki Bank, die ja zerschlagen beziehungsweise mit der Cyprus Bank zusammengelegt werden soll. Glücklicherweise haben wir weniger als 100.000 Euro auf diesem Konto. Damit werden wir kein Geld verlieren.
Die Fragen stellte Philipp Leist










