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Goethes Sommerfest: „Das physische Netz ist wichtiger denn je“

Bernhard LudewigCopyright: Bernhard Ludewig
Feierlaune bei Goethe: „Wir brauchen reale Orte“ (Foto: Bernhard Ludewig)

26. Juni 2013

Ein Laufsteg aus alten Fotografien, viele bekannte Gesichter und ein Trainer, der gut Deutsch kann: In Berlin trafen sich Politiker und Kulturschaffende zum Sommerfest des Goethe-Instituts. Eines der Gesprächsthemen: die Bedeutung realer Begegnungsstätten in einer virtuell geprägten Welt.

Es begann mit einem Skandal. So hätte man zumindest meinen können, denn ausgerechnet beim Goethe-Institut wurde gestern in Berlin die Kunst mit Füßen getreten: Manche der rund 700 Gäste des Parlamentarischen Sommerfests des Goethe-Instituts übersahen auf dem Weg in den Saal eine von Martin Kippenberger entworfene Collage und traten darauf. Alte, oft unscharfe Schwarzweißfotografien, Alltagsszenen aus der Kreuzberger Modewelt rund um die Designerin Claudia Skoda pflasterten den Boden an der Stelle. Kippenberger hatte die Collage in den Siebzigerjahren erstellt und versiegelt, damit sie bei Modeschauen als Laufsteg dienen konnte. Der Künstler war auch einer der inoffiziellen Stars des Abends, denn seine opulente Ausstellung im Hamburger Bahnhof wurde den Gästen des Sommerfests gewissermaßen als Begleitprogramm serviert – und von Goethe-Präsident Klaus-Dieter Lehmann wärmstens empfohlen.

Die Gäste, das waren nicht nur Politiker wie Norbert Lammert, Cornelia Pieper, Peter Gauweiler oder Gesine Lötzsch, sondern auch zahlreiche Kulturschaffende – etwa die Dramaturgin Nike Wagner, der Schriftsteller Moritz Rinke, Regisseur Andreas Dresen und Klaus Staeck, Plakatkünstler und Präsident der Akademie der Künste. Und so sprach Lehmann in seiner Rede passenderweise über etwas, das heute vielleicht nicht mehr selbstverständlich ist: den realen, physischen Ort als Raum für Dialog und Begegnung.

Viel wurde geschrieben und gesagt über die Bedeutung des Internets, wenn es um moderne Revolutionen geht, um Transparenz und Teilhabe. Ersetzen, so Lehmann, könne die virtuelle die physische Begegnung nicht. „Wir brauchen reale Orte für Frei- und Dialogräume“, sagte er. „Das Goethe-Netz als physisches Netz ist wichtiger denn je.“

So wird mit dem Institut in Myanmar, das Ende des Jahres eröffnet wird, das 94. Land in eben dieses Netz eingebunden. Zahlreiche Projekte fördern den Austausch über die Landesgrenzen hinweg: Netzwerke für junge Dokumentarfilmer in Südostasien oder Lateinamerika, die Künstlerplattform Afrika, ein Ausstellungsprojekt zur Erinnerungskultur in elf südosteuropäischen Ländern und viele mehr. Kein Wunder also, dass auch die Musik zum Fest Ton und Klang gewordenes Ergebnis der weltweiten Vernetzung war. Die DJs Gebrüder Teichmann gestalteten den Abend mit Stücken, die bei der Veranstaltungsreihe Ten Cities entstanden waren – das transkontinentale Projekt hatte Musiker aus Afrika und Europa zusammengebracht. Die Stücke bildeten an diesem Abend auch den Soundtrack zu den an die Wand projizierten Bildern von Herlinde Koelbl. Die bekannte Fotografin hatte Deutschlerner aus 22 Ländern porträtiert.

Pep Guardiola war übrigens nicht unter ihnen. Von dessen gutem Deutsch bei seiner ersten Pressekonferenz als neuer Trainer des FC Bayern schwärmte jedoch Generalsekretär Johannes Ebert in seinem Grußwort – und wies nebenbei darauf hin, wo Guardiola die Sprache gelernt habe: Seine Lehrerin wurde ihm vom Goethe-Institut New York vermittelt.

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Copyright: Bernhard Ludewig
Gäste des Sommerfests im Hamburger Bahnhof (Foto: Bernhard Ludewig)

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