Zentralasien: Gletscher in der Sauna

Meditativ mit Gong: Andi Teichmann und Alois Späth machen gemeinsam Performancemusik (Foto: Barbara Fraenkel-Thonet)
8. August 2013
Auch Zentralasien bleibt vom Klimawandel nicht verschont. In Ländern wie Kasachstan und Kirgistan schmelzen die Gletscher – und das keinesfalls sang- und klanglos. Zahlreiche Künstler haben nun in den gewaltigen Chor mit eingestimmt. Das Ergebnis: Gletschermusik.
Ein altes sowjetisches Badehaus im Herzen Almatys. Mit Handtüchern und Birkenwedeln ausgestattet, machen sich die Besucher auf den Weg in die Sauna. Eis kracht, tropft und plätschert. Mit dieser Soundkulisse will die Künstlerin Zoya Falkova die Gäste wachrütteln – und auf das Schmelzen der Gletscher in der Region aufmerksam machen. Je lauter, umso besser. Die Kasachin ist eine von vielen Klangartisten, die sich kreativ mit dem Gletschersterben auseinandergesetzt haben und mit ihren Installationen durch vier Städte in Zentralasien getourt sind.
Gletschermusik-Konzert in Taschkent
In Bischkek, Duschanbe, Almaty und Taschkent präsentierten sie nomadische Flötenmusik, eine Performance mit Kühlschrank und Gong, Videokunst, Klänge auf usbekischen Instrumenten oder elektronische Beats. Blechberge mit den Namen Peak Stalin und Peak Lenin waren zu sehen. Ein humorvoll inszeniertes und nachdenklich stimmendes Spektakel. Aus Deutschland waren der Berliner Video-Künstler Lillevan, die DJs Teichmann oder der Klangkünstler Alois Späth angereist, die das Festival musikalisch unterstützten. Flankiert wurde das Ganze durch wissenschaftliche Vorträge und Workshops.
Künstler verarbeiten die Gletschertöne zu Kunstwerke – Konzert von Artyom Kim und Lillevan im Januar 2013
Das Festival war der klangvolle Höhepunkt des Projekts Gletschermusik, das im Juli letzten Jahres mit einer Expedition begann. Damals bestieg ein Team von 15 Leuten, eingedeckt mit Kamera und hochsensiblen Mikrophonen, den Tujuksu-Gletscher, um die Töne seines Schmelzens aufzunehmen. Künstler aus Zentralasien haben diese zu Klangwerken weiterverarbeitet, eine internationale Jury wählte die zwölf besten für eine weitere Konzeptualisierung aus. Unter der künstlerischen Leitung von Lillevan entstanden so verschiedene Installationen, die jetzt vorgestellt wurden: im usbekischen Ilkhom-Theater ebenso wie im kasachischen Badehaus. Eis kracht, tropft und plätschert. „Und der Gletscher möge noch viel lauter brüllen“, ruft eine Stimme aus der Sauna.
Klangraum-Konzert von Andi Teichmann und Alois Späth in Almaty
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