Zum Tode Marcel Reich-Ranickis: Ein überragender Anwalt der deutschen Literatur

Marcel Reich-Ranicki (Foto: Adolf Clemens, Ausschnitt aus Original)
19. September 2013
Marcel Reich-Ranicki, der überragende Anwalt der deutschen Literatur, ist im Alter von 93 Jahren in Frankfurt am Main gestorben. Für ihn war die Literatur ein lebendiger Teil der Gesellschaft, sie war sein eigentlicher Zugang, sie war seine Heimat. Ein Nachruf von Klaus-Dieter Lehmann
Marcel Reich-Ranicki hat die Literatur kraftvoll, streitbar und leidenschaftlich vertreten. Seine anregende und aufregende Wirkkraft auf den Literaturbetrieb war zutiefst prägend. Er hat ihn mit neuen und zugespitzten Argumenten aufgemischt und keinen Zweifel daran gelassen, wie entscheidend für ihn Literatur ist, die Gesellschaft zu spiegeln, zu verhandeln und zu vermitteln.
Hier hat er sich mit den Interessen des Goethe-Instituts getroffen, für das Literaturprogramme und Literaturförderung im Ausland von zentraler Bedeutung sind. Damit schaffen wir Zugänge zur deutschen Sprache, zur deutschen Literatur, aber eben auch zur deutschen Gesellschaft. Er hat uns angestiftet, er hat uns herausgefordert, er hat unser Verständnis von Literatur deutlich mitbestimmt. Auch die Bedeutung unseres kulturellen Literaturerbes hat er uns nahe gebracht, wobei der Namensgeber des Goethe-Instituts, Johann Wolfgang von Goethe, für ihn ein ganz persönlicher Weggefährte war.
Marcel Reich-Ranicki hat uns nicht nur neue Zugänge zur zeitgenössischen Literatur und ein neues Literaturverständnis mit seinem Literaturkanon geschaffen. Er hat sich auch als eindringlicher Mahner erwiesen, dem die Greueltaten des Nationalsozialismus verstörende Erfahrungen und Demütigungen beibrachten und der sich trotzdem zur deutschen Kultur bekannte.







