Goethe aktuell

„Die Chance zur Vermessung der Welt“

Nico Knebel Die Diskussionsrunde Moderator Armbruster, Institutsleiter Blochmann, Professor Zuckermann, Journalistin Rao, der Regionalleiter Südasien, Stefan Dreyer, die Institutsleiterin von Nowosibirsk, Julia Hanske, Kulturmanagerin Vostretsova und Präsident Lehmann. Copyright: perceptum.de/Nico Knebel

Was macht das Goethe-Institut an so unterschiedlichen Orten wie Neu Delhi, Tel Aviv und Nowosibirsk? Die Arbeit in diesen drei Städten stand im Mittelpunkt des Parlamentarischen Sommerfestes des Goethe-Instituts in Berlin.
1. Juli 2009

„50 Jahre Neu Delhi – 30 Jahre Tel Aviv – 0 Jahre Nowosibirsk“ war das Motto des diesjährigen Sommerfests am 30. Juni im Hamburger Bahnhof in Berlin. Die Goethe-Institute in diesen drei Städten wurden 2009 gegründet oder feierten einen runden Geburtstag. Exemplarisch stehen sie für die Bandbreite der Aktivitäten und die Wirkung des internationalen Kulturdialogs.

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An ein weiteres rundes Jubiläum erinnerte Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident des Goethe-Instituts, in seiner Ansprache. Im Jahr 1959, vor 50 Jahren, hätten das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut vereinbart, dass alle Kulturinstitute im Ausland dem „Verein Goethe-Institut“ übertragen würden.

Lehmann sagte, wie wichtig es sei, dass das Goethe-Institut auf Veränderungen reagiere und sich als Teil eines weltweiten kulturellen Netzwerkes verstehe: „Unter dem Eindruck der veränderten Bedingungen in der Welt hat sich das Goethe-Institut in all seinen Gliederungen einem Reformprozess unterzogen, der sich mit drei Begriffen beschreiben lässt: Innovation - Interaktion - Inspiration. Unsere Chancen zur ‚Vermessung der Welt‘ liegen weniger in globalen Erklärungsmodellen als in lokalen Verknüpfungen, geeigneten Vernetzungen und analogen Übersetzungen. Das Goethe-Institut ist Teil einer Lerngemeinschaft.“

Für die junge Bundesrepublik sei das eine ungewöhnliche Entscheidung gewesen, so der Präsident: „Die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik wurde in die Hände einer unabhängigen Organisation gelegt. Diese Unabhängigkeit unterstützte jedoch entscheidend den glaubhaften Neubeginn des demokratischen Deutschlands.“

Liebesaffäre mit einer Schwierigen

Filmscreenings und eine Diskussionsrunde, an der die Leiter und enge Partner der Institute in Delhi, Tel Aviv und Nowosibirsk teilnahmen, eröffneten dann den über 800 Gästen aus Politik, Ministerien, Presse und Partnerorganisationen einen Einblick in die aktuelle Arbeit des größten deutschen Kulturmittlers.

„Per Zufall fing ich 1971 mit 11 Jahren an, im benachbarten Goethe-Institut Deutsch zu lernen. Inzwischen habe ich die höchste Deutschprüfung bestanden. Aber die Liebesaffäre – und der Frust – mit der schönen und schwierigen Sprache gehen weiter“, beschreibt die Journalistin Padma Rao ihre Deutsch-Karriere. Seit elf Jahren ist sie Südasien-Korrespondentin für den ‚Spiegel‘. „Ein beliebter Treffpunkt, der beste Sprachunterricht der Welt und ein einfallsreiches Kulturprogramm“ – das sei für sie das Goethe-Institut in Neu Delhi.

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Und tatsächlich hat das Goethe-Institut in der indischen Hauptstadt mit „48 oC – Public. Art. Ecology“ gemeinsam mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz) vor kurzem ein wegweisendes Kunstprojekt realisiert: Erstmals wurden in einer deutsch-indischen Kooperation Kunstwerke, die sich mit Fragen wie Megacitys, Klimawandel und Ökologie auseinandersetzen, im öffentlichen Raum in Delhi präsentiert und regten zu vielfältigen Diskussionen an.

Neues, positives Deutschlandbild

„Kultur muss auch Spaß machen.“ Dieser Maxime folgt Georg Blochmann, Leiter des Goethe-Instituts in Tel Aviv. „Wir wollen mit unseren Programmen vor allem an die jungen Leute herankommen, die ein Interesse über Israel hinaus haben.“ Deshalb scheut er sich auch nicht, die lebendige deutsche Club- und Musikszene in seine Aktivitäten einzubinden und so junge Leute für die anderen Programme des Goethe-Instituts zu begeistern.

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Dass dies in den vergangenen 30 Jahren gelungen ist, findet auch Moshe Zuckermann, Direktor des Instituts für Deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv: „Wenn man heute ein neu erwachtes Interesse gerade der jüngeren Generation an deutscher Kultur, auch an neuen kulturellen, gesellschaftlichen und künstlerischen Entwicklungen in Deutschland, ja selbst das Entstehen eines neuen, positiven Deutschlandbildes verzeichnen kann, dann ist dies in erster Linie der beständigen, fruchtbaren Arbeit des Goethe-Instituts geschuldet“, so der Professor während der Diskussion auf dem Sommerfest in Berlin.

Einer der jüngsten Außenposten im Goethe-Netzwerk ist das im März 2009 eröffnete Institut in Nowosibirsk. Doch auch wenn das Institut erst 0 Jahre alt ist – die anlässlich der Gründung realisierten Programme sind eindrucksvoll. Im Opernhaus von Nowosibirsk wurde vor über 2.000 Zuschauern ein „Nationalwerk“ der russischen Kultur aufgeführt: Lev Arnchtams Ballettfilm „Romeo und Julia“ aus dem Jahr 1954. Die verloren gegangene Partitur wurde zuvor von dem deutschen Dirigenten Frank Strobel rekonstruiert, der auch bei dem Festakt dirigierte.

Eine kulturelle Eisenbahnbrücke

Andreas Herzau, ein renommiertetr Städtefotograf aus Hamburg, erlief sich mehrere Wochen lang Nowosibirsk und schuf das Porträt einer Stadt zwischen sowjetischer Vergangenheit und gesellschaftlichem Aufbruch. Bei einem deutsch-russischen Blogger-Treffen wurden auch Aspekte wie Zensur und Meinungsfreiheit diskutiert.

Insgesamt dauerten das deutsch-russische Kulturfestival „sibSTANCIJA_09“ mit seinen zahlreichen Programmen vier Wochen. „Die Stadt Nowosibirsk ist dank der Transsib-Eisenbahnbrücke entstanden und rasant gewachsen. Das neue Goethe-Institut wird für Nowosibirsk andere, kulturelle Brücken nach Deutschland und Europa schaffen“, sagte Olga Vostretsova, die für die Goethe-Institute in Moskau und Nowosibirsk zahlreiche Kulturprogramme organisierte.

Zum Abschluss sagte der ARD-Korrespondent und Weltspiegel-Moderator Jörg Armbruster, der die Veranstaltung moderierte: „Die Welt, wie wir sie hier sehen, wäre ohne das Goethe-Institut ärmer.“

Die Sponsoren waren Berliner Kindl, Bionade GmbH und Vinovation Worms
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