Goethe aktuell

Sowjetunion ade: Die Welt mit anderen Augen

© Viktor An
Erinnerungen aus der Kindheit: Bild aus Viktor Ans Fotoserie „Der alte Klub“

11. Juli 2009

Der Eiserne Vorhang ist gefallen – nichts ist wie es war. Für die Menschen greifbar wird der Wandel in ihren persönlichen Lebensgeschichten, ihrem Lebensgefühl und ihrem Blick auf die Welt. Die Foto- und Videoausstellung „1989-2009: Bewegte Welt – Erzählte Zeit“ des Goethe-Instituts zeigt, wie sich die Erinnerung an das weltpolitische Ereignis mit persönlichen Biographien und Familiengeschichten der Menschen in der ehemaligen Sowjetunion verknüpft.

„Ich kann ein Mädchen mit blauen Augen sein“, so lautet der Titel der Videoinstallation der Ukrainerin Alevtina Kakhidze. Sie zieht ihre Augenlider auf und legt blau gefärbte Kontaktlinsen ein. Der abrupte Wandel des Wertesystems nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlangte von den Menschen, sich schnell anzupassen und ihre Sicht der Dinge zu korrigieren. Die veränderte Welt sehen sie mit neuen Augen. Die entstehenden fragilen Identitäten sind ein zentrales Thema der Ausstellung „1989-2009: Bewegte Welt – Erzählte Zeit“, die die Goethe-Institute der Region Osteuropa/Zentralasien und die Akademie der Künste zeigen. Sie ist von heute an bis 13. September in der Akademie der Künste in Berlin zu sehen ist.

 © Alevtina Kakhidze Bildergalerie: "Ich kann ein Mädchen mit blauen Augen sein"

16 Fotografen und Videokünstler aus Russland, der Ukraine, Belarus, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und Deutschland haben sich mit den Auswirkungen der gesellschaftspolitischen Umwälzungen im Privaten beschäftigt. Die Berliner Kuratorin Jule Reuter und ihre Kollegen haben 200 Bilder und fünf Videoarbeiten ausgewählt. Fast die Hälfte der Arbeiten setzt sich mit persönlichen Familiengeschichten auseinander: Die biographischen Erzählungen beginnen mit der Lebensgeschichte der Eltern, von Verwandten oder Bekannten, mit alten Bildern aus Familienalben und privaten Erinnerungen. Das gestürzte Lenin-Denkmal im Hintergrund eines Hochzeitsfotos zeigt an, wie sehr sich der gesellschaftliche Zusammenhang dieser Erzählungen gewandelt hat.

Sie benötigen den Flashplayer , um dieses Video zu sehen © Olga Chernysheva: "Marsch"

„Die ausgewählten Beiträge machen deutlich, dass die Wandlungsprozesse eben nicht nur mit den Kategorien Politik oder Wirtschaft zu beschreiben sind, sondern vor allem als ein kulturelles Phänomen zu begreifen sind und als ein Phänomen, das von den Menschen ausging“, so der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann bei der Eröffnung am Freitag in Berlin. „Der oft bittere, aber auch ironische Ernst der meisten künstlerischen Statements ermutigt dazu, sich der eigenen Lage bewusster zu werden, Ängste und Probleme zu erkennen und über sie zu erzählen. Mehr Öffentlichkeit zu wagen und einzufordern, ist eine der Botschaften der Ausstellung.“

Nach der Präsentation in Berlin wird die Ausstellung vom Goethe-Institut in Moskau, Minsk, Kiew, Tbilissi, Taschkent, Almaty, Bischkek, St. Petersburg, Nowosibirsk und weiteren Städten in Osteuropa und Zentralasien gezeigt.
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