„Mauerreise“: Pistolen und Kakteen

Die Barriere als künstlerisches Thema: Die „Mauerreise“ (Foto: Noa Ben Shalom)
21. Juli 2009
Der Grenzzaun zum Westjordanland ist für die Kinder im israelisch-arabischen Umm el-Fahem Normalität: Sie sind zu jung, um sich an ein Leben ohne Zaun zu erinnern. Für die Mauerreise des Goethe-Instituts haben sie sich nun künstlerisch mit der Barriere auseinandergesetzt
„Ich hoffe die Kinder nehmen hier viele Eindrücke mit von diesem Besuch am Zaun. Und ich hoffe, sie setzen diese Eindrücke auch, zurück in der Galerie, beim Malen um“, sagt Said Abu Shakra, Leiter der Umm el-Fahem Art Gallery. Am Grenzzaun erzählt er den Kindern, wie das Leben ohne Zaun war. Die Barriere soll ihr Thema sein, wenn sie anschließend die Steine der Mauerreise des Goethe-Instituts gestalten.
Einige Kinder malen Kakteen auf ihren Stein. In Palästina gelten sie als natürliche Barrieren, mit denen früher die Dörfer umgrenzt wurden. So normal erscheint den Kindern die Trennung von ihren Nachbarn. Aber die ist nicht naturgegeben. In Umm el-Fahem, mit etwa 50.000 Einwohnern das urbane Zentrum des arabisch geprägten Wadi Ara, gab es immer gute Beziehungen zu den Menschen im Westjordanland. Seit dem Bau des Grenzzauns 2002 ist das anders. Durch ihn sind die Bewohner der Stadt von ihren Freunden und Verwandten abgeschnitten.
Von Berlin aus schickt das Goethe-Institut 20 Mauersteine in Regionen und Orte in der Welt, an denen Teilung und Grenzerfahrung noch ganz konkret das Leben der Menschen bestimmen. In Ramallah, Sanaa, Seoul, Nikosia, Peking und Mexiko City werden sie von Künstlern, Intellektuellen und jungen Menschen zur Leinwand für ihre Auseinandersetzung mit der Mauer, die ihren Alltag prägt. So wie in Umm el-Fahem.
Im Rahmen der Ausstellung Restrictions of Freedom of Movement – Begrenzungen der Bewegungsfreiheit werden die Mauersteine seit dem 20. Juni auf dem Dach der Umm el-Fahem Art Gallery ausgestellt. Im Oktober reisen die Mauersteine zurück nach Berlin, wo sie vom Goethe-Institut präsentiert werden. Als Teil der großen Inszenierung zum Fest der Freiheit am 9. November am Brandenburger Tor werden sie in einer Dominoaktion symbolisch fallen.







