Goethe aktuell

Selbstdarsteller: Körperkulturen

Doa AlyCopyright: Doa Aly
Der Körper als Ausdruckmittel: „Zeichen setzen“ (Foto: Doa Aly)

28. Juli 2009

Schein oder Sein, Freiheit oder Tabus: In unterschiedlichen Kulturen trägt der menschliche Körper verschiedene Bedeutungen. Wie Menschen mit ihrem Körper im öffentlichen Raum präsent sind, zeigt die Ausstellung Zeichen setzen im Bonner Kunstverein. Auf Einladung des Goethe-Instituts haben Kuratoren aus Ägypten, dem Libanon, Marokko und Deutschland die Erscheinung und Präsenz im öffentlichen und politischen Raum thematisiert.

Mit seinem Auftreten setzt der Mensch ein Zeichen: Hier bin ich. Versteht mich, liebt mich, hasst mich. Der eigene Körper wird zum Ausdrucksmittel, wenn er in den öffentlichen Raum tritt, wo er von anderen Menschen wahrgenommen wird. Doch wenn der eigene Körper in westlichen Gesellschaften als Zeichen von Individualität, Freiheit und Emanzipation gelten kann, verletzt er in anderen Gesellschaften möglicherweise Tabus oder weckt Ängste. Der ägyptische Künstler Mahmoud Khaled hat dies am eigenen Leib erfahren.

Mahmoud Khaled, Yto Barrada, Kinda Hassan
Fotostrecke: Zeichen setzen


Am letzten Tag seines Aufenthalts als Stipendiat in London filmte Khaled bei seiner Tour durch die Stadt eine englische Familie bei einer Bootsfahrt auf der Themse. Diese banale Szene in seiner Videoinstallation „Safety Zoom“ bricht in dem Moment, als der Vater den arabisch aussehenden Mann mit seiner Kamera entdeckt. Fast panisch reißt er seine eigene Kamera in die Luft und filmt selbst den Beobachtenden. In Zeiten latenter Terrorgefahr von islamistischen Fanatikern wurde Khaleds Erscheinung als eine Bedrohung und ein Fremd-Körper im britischen Familienidyll wahrgenommen.

Die Mehrdeutigkeit körperlicher Präsenz in der Öffentlichkeit ist ein Aspekt der Ausstellung Zeichen setzen. Auf abstraktem Niveau spüren die Arbeiten der Künstler aus Ägypten, dem Libanon, Marokko und Deutschland dem Körpergefühl in ihrer Gesellschaft nach. Die gesellschaftlichen Kategorien Klasse, „Rasse“ und Sexualität sind dabei Ausgangspunkt der Auseinandersetzung. Klischees werden dabei nicht bedient.
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