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Junge Iraker in Deutschland: Pünktlichkeit und Recht und Freiheit

Copyright: Nicolas Knebel
Deutsch-irakisches Klassentreffen: Organisatoren und Teilnehmer der „Irak Horizonte 2015“ in Berlin (Foto: Nicolas Knebel)

7. August 2009

Der Irak hofft auf eine bessere Zukunft. Das Potenzial dazu hat er, Rohstoffe gibt es genug und kluge Köpfe auch. 18 von ihnen hat die Initiative „Irak Horizonte 2015“ eingeladen, in deutschen Unternehmen das Geheimnis von „Made in Germany“ kennenzulernen.

Hinter Ahmed Fadel liegen drei eindrucksvolle Monate. Er hat die deutsche Sprache gelernt, ist nach Deutschland gereist, hat in einem deutschen Unternehmen hospitiert. „Ich bin hier, um mir selbst und meinem Land zu helfen. Dafür braucht man den richtigen Ansporn, und den bietet Irak Horizonte: Heute säen, morgen ernten“, sagt Fadel. Er ist einer von 18 jungen irakischen Akademikern, die von der Initiative eingeladen wurden, die deutsche Sprache und die deutsche Wirtschaft kennen zu lernen.

Nach einem dreiwöchigen Intensivsprachkurs am Goethe-Institut Amman reisten die Teilnehmer Mitte Juni 2009 nach Deutschland. Einen Monat lang konnten sie am Goethe-Institut Schwäbisch Hall ihre Deutschkenntnisse vertiefen und bei zahlreichen Ausflügen etwas über Kultur und Geschichte Deutschlands lernen, bevor sie mehrwöchige Hospitationen in Wirtschaftsunternehmen in ganz Deutschland absolvierten. Ende Juli waren sie zu Gast in Berlin.

Fotos Nicolas Knebel, Judith Mirschberger
Bei einer großen Gesprächsrunde im Haus der Deutschen Wirtschaft tauschten sich die Teilnehmer mit den Organisatoren und beteiligten Unternehmen über ihre Erfahrungen und Zukunftsvisionen aus. Die jungen Iraker zeigten sich vor allem von drei Dingen in Deutschland beeindruckt: Der Pünktlichkeit, mit der Leben und Arbeit in der Bundesrepublik organisiert sind, dem gegenseitigen Respekt, mit dem die Menschen sich begegnen und der Tatsache, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg so schnell zu einer der führenden Wirtschaftsnation der Welt aufsteigen konnte. Das mache Hoffnung. „Der schnelle Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg ist für mich ein Vorbild für den Wiederaufbau meines Landes“, so der 19-jährige Ausama al-Safi. Er stammt aus Bagdad und studiert derzeit Mechatronik im jordanischen Amman. Den Wiederaufbau des Irak sieht er als wichtigsten Auftrag der Teilnehmer der Irak Horizonte. „Nach unserer Rückkehr liegt eine schwere Aufgabe vor uns. Ich werde mein Bestes tun, um weiter die deutsche Sprache zu lernen, und mich bemühen, die Kontakte zu Deutschland zu halten und zu vertiefen.“ Denn direkte Kontakte sind wichtig im Irak.

Irak Horizonte 2015, initiiert vom Goethe-Institut, dem Auswärtigen Amt, dem Bund der Deutschen Industrie und dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag, zielt daher darauf ab, persönliche Beziehungen zwischen deutschen und irakischen Wirtschaftsunternehmen und Akademikern zu knüpfen. Von diesen bilateralen Beziehungen sollen beide Seiten profitieren: Der Irak bietet mit seinen großen Ölvorkommen und dem hohen Investitionsbedarf in vielen Bereichen der Wirtschaft großes Potenzial. Doch um dieses zu nutzen, bedarf es mehr als kurzfristig gedachter Investitionen. „Es gibt keinen anderen Weg in die Zukunft als den, der auf Respekt und Partnerschaft basiert. Die Zeiten des Schwerts und des Enthusiasmus sind im Irak längst vorbei. Nun kommt die Zeit der Bildung und der sachlichen Perspektiven“, so Ahmed Fadel. Einen Monat lang wird er noch in Deutschland bleiben, bevor er mit seinen 17 Kollegen die Rückreise in den Irak antritt, um zu säen, was morgen geerntet werden soll.

Irak Horizonte 2015: Heute säen, morgen ernten ist eine Initiative des Goethe-Instituts und des Auswärtigen Amts und wird in Kooperation mit dem Bund der Deutschen Industrie und dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag durchgeführt. Die Teilnehmer absolvieren Hospitationen bei Medice Pötter & Co KG, Siemens AG, Kühne & Nagel KG, Commerzbank, Luft & Partner GmbH, Deutsche Management Akademie Niedersachsen gemeinnützige GmbH, Ed. Züblin AG, KSP Aktiengesellschaft, Burgmann Industries GmbH & Co. KG, Leipziger Messe, Fachbüro für internationales Bildungsmanagement (FiB), Herrenkecht Aktiengesellschaft, Grötz GmbH, GD-Die Planer, Aesculap, Linde AG, Heinkel Umwelttechnik + Energieanlagen GmbH.
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