Goethe aktuell

Heimkehr in die Fremde: Geografische Identitätssuche durchs Objektiv

Dorentina ZeneliCopyright: Dorentina Zeneli
Hoffnungsschimmer auf Zelluloid (Foto: Dorentina Zeneli)

15. August 2009

Ihre Heimat soll es sein, dabei ist es nichts als das Land ihrer Eltern, aus dem diese einst flohen. Vor dem Bürgerkrieg. Doch nun bleibt vielen der zurückkehrenden jungen Menschen nichts übrig, als sich mit der neuen alten Heimat auseinanderzusetzen. Ein Multimedia-Special über eine 14-fache Identitätssuche.

„Balkan“ – in deutschen Clubs bedeutete das im vergangenen Sommer mitunter eine Kreuzung aus blechbläsern-osteuropäischer Folklore und westlichen Dance-Rhythmen, zu der Partyvolk die Nächte durchfeierte. Einige der jungen Tanzwütigen, deren Eltern die „Disko Bucovina“ aus den Kriegswirren des Zerfalls der jugoslawischen Teilstaaten mit in ihr Asyl brachten, kennen die Halbinsel in der Adria mittlerweile auch als neue alte Heimat. In einer vom Goethe-Institut Belgrad produzierten Ausstellung gewähren 14 der jungen Rückkehrer nun Teilhabe an ihrem ambivalenten Blick zurück nach vorn.

Copyright: Dorentina Zeneli
Klicken Sie auf den Screenshot, um zum Multimedia-Special zu gelangen

Das Gefühl, zwischen allen Stühlen zu sitzen, ist für viele der vermeintlich „Heimgekehrten“ aus der Generation der Söhne und Töchter Dreh- und Angelpunkt ihrer Existenz: Die Haustür hinter sich und vor sich den Nachdurst, bewegen die Jugendlichen sich im Zwiespalt zwischen Verlust des gewohnten Lebensraums und Neuanfang im Herkunftsland ihrer Eltern.

Auf den ausgestellten Bildern wird Lebenswirklichkeit nach Ablauf der temporären Aufenthaltsgenehmigung erfahrbar gemacht. Oft ist den Fotos die Reflexion zweier Seelen in einer Brust anzusehen: Obschon sie in Deutschland lediglich geduldet waren und die Rückkehr in das mittlerweile befriedete, aber zerschossene Vaterland nur hinausgeschoben hatten, haben viele sich hier zu Hause gefühlt.

„Home ist nunmal, where your heart is“, singt die Hamburger Band Kettcar. Und nicht nur dort, wo man geboren wurde. Bujanovacer Eselskarren und Brunnenlöcher nehmen sich neben renntauglicher Karosserie und der Erinnerung oft aus wie Relikte aus einer fernen, fremden Zeit. Die Reise zurück scheint noch lange nicht abgeschlossen.

Doch es glimmt auch Hoffnungsschimmer auf dem Zelluloid aus Einwegkameras: Das Lachen von Kindern, die dem verwundeten Vielvölkerstaat ein neues Gesicht geben könnten, blauer Himmel und Blumen am weißgetünchten Balkon, ein aufblasbarer Swimmingpool in einem Hinterhof, in dem ein unbekümmertes Mädchen tollt: Diese auf Hochglanz-Papier gebannten Kleinode stützen fast 20 Jahre nach Beginn des Konflikts die jüngsten Zahlen des UNHCR-Berichts, der Wirtschaft und Soziokultur in der Rekonvaleszenz sieht.
Links zum Thema

Goethe aktuell:

Über den RSS-Feed
können Sie sich über Neuigkeiten aus der Welt des Goethe-Instituts auf dem Laufenden halten.

Jahrbuch-App 2013

Entdecken Sie die Arbeit des Goethe-Instituts weltweit und klicken Sie sich durch die Höhepunkte des Jahres 2013. Unsere Jahrbuch-App für iPads steht ab jetzt kostenlos zum Download im App Store bereit.

Goethe-Institut.
Reportagen Bilder Gespräche

Das Magazin des Goethe-Instituts berichtet dreimal im Jahr über die Arbeit des Instituts.

Twitter

Aktuelles aus den Goethe-Instituten