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Wohnzimmer in Peking: Bei Wangs auf dem Sofa

Tanja ReithCopyright: Tanja Reith
Blick auf den fernöstlichen Diwan (Fotos: Tanja Reith)

18. August 2009

Tatzeit 21. Jahrhundert, Tatort 21. Stock: Tanja Reith hat in Peking den Menschen in ihre Wohnzimmer geschaut. Die Eindrücke, die die Fotografin festhielt, spiegeln die familiären Beziehungen im Umbruch wider und geben Antwort auf die Frage: Wer wohnt mit wem?

Lebensweisen und Wertvorstellungen ändern sich im rapiden Urbanisierungsprozess, dem China unterworfen ist. Für die meisten Chinesen sind Hochhäuser Ausdruck des Fortschritts, des steigenden Wohlstands und der Entwicklung des Landes. Trotz oft minderwertiger Bauqualität bieten sie ihren Bewohnern meist einen erheblich besseren Wohnstandard als ältere Wohnquartiere. Vor allem aber stellen sie individuellen Raum zur Verfügung: Raum für die Verwirklichung der eigenen Wohnideen und für den eigenen Lebensstil.

© Tanja Reith
Fotostrecke: Schöner wohnen in Peking


Die Deutsche Tanja Reith hat während Aufenthalten in Peking nach Wegen gesucht, die Veränderungen dieser Lebensumstände sichtbar zu machen: „Ich war neugierig, wie die Menschen mit dem neu gewonnen Platz in ihrer Wohnung umgehen.“ Früher hatten sie meist nur wenige Quadratmeter pro Person zur Verfügung. Obwohl sich hier viel getan hat: Die Wohnfläche pro Person stieg von durchschnittlich drei Quadratmetern im Jahr 1978 auf etwa 23 Quadratmeter im Jahr 2007.

Dabei ist das Wohnzimmer ein Mikrokosmos, in dem sich menschliche und soziale Beziehungen formen und darstellen. Wohnzimmer bieten den Raum für Individualisierung, gleichzeitig sind sie Ausdruck des eigenen Status. Sie spiegeln die traditionellen sowie die sich im Umbruch befindlichen familiären Beziehungen wider. Sie geben aber auch Auskunft über die (Frei-)Zeitgestaltung der Bewohner.

In jedem Wohnzimmer findet man Fernseher als einen unverzichtbaren Teil des Lebens. Sofa und Couchtisch sind so ausgerichtet, dass man bequem schauen kann. Im rapiden Wandel der gesellschaftlichen Wertvorstellungen und in Anbetracht der Unsicherheit in Bezug auf die geistigen Bedürfnisse füllt das Fernsehen eine Leerstelle. Es lenkt ab, betäubt, spiegelt vor; es läuft nebenher und ständig, der Fernsehapparat bildet das Zentrum des Wohnzimmers, des Versammlungsortes der Familie. „Der Fernseher ist einerseits ein Statussymbol“, so Reith, „andererseits ein Symbol für einen modernen Lebensstil.“

Mehr-Generationen-Haushalte sind auch heute noch keine Seltenheit. „Der Respekt vor der älteren Generation und der Gehorsam sind tief verwurzelt“, erzählt Reith, „die junge Generation möchte zwar in vielen Bereichen ein selbstgestalteteres Leben führen als die Elterngeneration. Trotzdem kümmern sich viele um die Eltern aus Respekt und Liebe oder auch, weil diese vielleicht keine ausreichende Rente bekommen.“

Tanja Reith, Jahrgang 1972, ist Fotodesignerin und Sinologin. Sie lebt seit mehreren Jahren in Peking. Die Ausstellung „21 x 21 Leben im 21. Stock in Beijing im 21. Jahrhundert“ wurde 2007 in der Cicero Galerie für Politische Fotografie, Berlin, und 2009 in der Deutschen Botschaft, Peking, gezeigt.
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