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Auszeichnung für Herta Müller: Von Goethe gefördert, von Nobel geehrt

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Ausgezeichnet: Autorin Müller (Foto: Privat / Carl Hanser Verlag)

9. Oktober 2009

Zehn Jahre nach dem Literaturnobelpreis für Günter Grass geht die Auszeichnung wieder nach Deutschland: Die Entscheidung des Komitees für Herta Müller findet viel Zuspruch – auch bei Klaus-Dieter Lehmann: „Sie war meine heimliche Favoritin“, gesteht der Präsident des Goethe-Instituts, dem Müller seit langem verbunden ist.

Stockholm, Donnerstag um 13 Uhr. Peter Englund, der neue Sekretär der schwedischen Akademie der Wissenschaften, tritt vor die Mikrofone und verkündet die Entscheidung: Herta Müller ist Literaturnobelpreisträgerin 2009. Die Reaktionen sind fast einhellig: Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, alle sind sie voll des Lobs für die Autorin und die Juroren, die sie ehrten. Nur Starkritiker Marcel Reich-Ranicki bleibt stumm.

Auch Lehmann macht keinen Hehl aus seiner Freude: „Dies unterstreicht in eindrucksvoller Weise den Weltrang, den die deutsche Gegenwartsliteratur für sich beanspruchen kann“, sagt der Präsident des Goethe-Instituts. "Herta Müller war meine heimliche Favoritin. Es ist bewegend, wie sie in einer ruhigen Erzählweise die Barbarei erst recht als solche kennzeichnet." Mit Herta Müller werde „eine singuläre Stimme der deutschen Literatur geehrt, die sich wie kaum eine zweite mit den Folgen eines staatlich sanktionierten Terrors auf das Individuum und im besonderen mit der Lebenssituation der deutschen Minderheit in Rumänien auseinander setzt.“ Müller stammt aus dem deutschsprachigen Rumänien.

Für Lehmann gibt es freilich noch einen zweiten Grund, sich über das Urteil der Juroren besonders zu freuen: Seit den frühen Achtzigerjahren, als ihr erstes Buch Niederungen erschienen ist, ist Herta Müller dem Goethe-Institut eng verbunden. Sie habe an zahlreichen Veranstaltungen des deutschen Kulturinstituts mitgewirkt, so Lehmann. Ihre Prosa sei mit Unterstützung des Goethe-Instituts in Dutzende Sprachen übersetzt worden.

In mehr als 20 Sprachen übersetzt

Auf Einladung des Goethe-Instituts kam Müller zu Schriftstellertreffen, Symposien, Konferenzen, Buchpräsentationen, Lesungen und Messebeteiligungen – von Amsterdam bis Sydney, von Guadalajara bis Sofia. Die Spannbreite der Themen der Veranstaltungen reichte dabei von Die Erblast von Stasi und Securitate – Was tun mit den Akten der kommunistischen Geheimpolizei? (Bukarest 2001) und Alte Heimat – Neue Heimat. Emigration und Literatur (Budapest 2006) über zahllose Lesungen aus ihren Werken und die Vorstellung von Übersetzungen bis hin zu Teilnahmen an Literaturfestivals – so etwa in Mantua 2009. Für 2010 ist sie zusammen mit anderen herausragenden deutschen Autorinnen und Autoren nach Kopenhagen zu dem Programm Internationale Författerscene eingeladen worden.

Zur Verbreitung der Bücher von Herta Müller im Ausland hat auch das Übersetzungsförderungsprogramm des Goethe-Instituts beigetragen, vor allem ihre Prosa fand dort viel Interesse. So kamen die vielen Übersetzungen zustande, etwa ins Dänische, Schwedische, Englische, Französische, Spanische, Niederländische, Kroatische, Finnische, Polnische, Ungarische – und Rumänische.

Müllers Werk besticht vor allem durch die eindrückliche Beschreibung des Alltags in einem totalitären System. Und die Autorin weiß, wovon sie schreibt: 1953 in Nitzkydorf geboren, wanderte sie 1987 nach Hausdurchsuchungen, etlichen Verhören und der Zensur von Niederungen aus dem noch unter dem Ceausescu-Regime leidenden Rumänien aus und siedelte nach Deutschland über.

Ihre Romane, Essays und Kurzgeschichten erzählen vom Fremdsein und der Heimat, von politischer Verfolgung und Auflehnung gegen totalitäre Regime. Müllers Zeit in Rumänien war geprägt von Restriktionen und Überwachung durch den Apparat der Securitate, die sie auch noch nach ihrer Emigration nach Deutschland verfolgte. Seit Anfang der Neunzigerjahre und der Übersetzung ihrer Werke in mehr als 20 Sprachen gehört Herta Müller mit Büchern wie Der Fuchs war damals schon ein Jäger, Herztier und Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet zu den wichtigen Autoren im internationalen Literaturbetrieb. Der Nobelpreis ist Höhepunkt der zahlreichen Auszeichnungen, die Müller für ihre Texte bisher bekam. Sie ist die zwölfte Frau, die den gefragten Preis erhält. Er ist mit umgerechnet rund einer Million Euro dotiert.

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