Goethe aktuell

Frankfurter Buchmesse: Was man unbedingt lesen muss – aber nicht kann

Goethe-Institut PekingCopyright: Goethe-Institut Peking
Eines von 1001 Büchern (Foto: Goethe-Institut Peking)

14. Oktober 2009

Sinologen, Journalisten, Stammtische: Von allen erfährt man etwas über China. Aber selten nur aus erster Hand - denn wer spricht im Westen schon Chinesisch? Auf der Buchmesse will das Goethe-Institut mit einer besonderen Aktion auf die gewaltige Bildungslücke aufmerksam machen. Und nicht nur das.

Für viele wird es vielleicht nur ein Souvenir sein. Wenn das Goethe-Institut dieser Tage auf der Frankfurter Buchmesse die Besucher dazu einlädt, sich eines von 1001 Büchern mit nach Hause zu nehmen, die in China an das Goethe-Institut gespendet worden sind, werden die meisten die malerischen Schriftzeichen nur bewundern, aber nicht verstehen. Denn wer will hierzulande schon ernsthaft behaupten, ein chinesisches Buch im Original lesen zu können? Doch es geht um mehr bei der Aktion.

„Wahrnehmungsöffnung“ bei den westlichen Besuchern der Messe; China haptisch in das europäische Bücherregal bringen; mit Charme und ohne Zeigefinger deutlich machen, dass wir über China, dieses riesengroße Land mit seinen 1,3 Milliarden Bewohnern, im Grunde doch ziemlich wenig wissen: Das ist das Ziel. Und nicht zuletzt: Die Medien- und Verlagswelt des Westens darauf aufmerksam machen, dass in den letzten 30 Jahren chinesische Schriftsteller, Künstler und Gelehrte eine Werkfülle geschaffen haben, die in unseren Breiten kaum Beachtung findet. Was sich gut in den Zahlen widerspiegelt: Von 80.000 chinesischen Neuerscheinungen wurden nur 11 übersetzt – in diesem Jahr sind es aufgrund der Buchmesse immerhin 80.

Vermittelt das Goethe-Institut also ab sofort auch chinesische Kultur? „Ich bin der Meinung, dass sich das Goethe-Institut nicht einfach damit zufrieden geben sollte, das Wissen von Deutschland den Chinesen zu vermitteln. Umgekehrt sollten wir auch den Deutschen das Wissen von China vermitteln“, sagt Michael Kahn-Ackermann, der Leiter des Goethe-Instituts China.

Daher die Idee einer Spende: Chinesische Leser, die ein ihrer Meinung nach gutes Buch deutschen Lesern zum Geschenk machen. „Wichtig war uns vor allem, dass der Spender erklärt, warum es sich bei dem Buch um ein Werk handelt, das dem Leser im Westen hilft, ein Verständnis für China zu erlangen“, erklärt Kahn-Ackermann, „insbesondere, wenn das Buch später einmal ins Englische, Deutsche oder Französische übersetzt werden sollte.“ Jeder Spender wurde daher gebeten, anzugeben, warum er gerade dieses Buch spendet und wie man ihn kontaktieren kann. Der kurze Text wurde übersetzt und zwischen die Buchseiten gelegt – jeder neue Besitzer eines solchen Buchs kann, wenn er möchte, Verbindung mit dem Spender aufnehmen.

Stadtschreiber berichten

Um den Austausch mit China drehen sich auch andere Veranstaltungen des Goethe-Instituts auf der Buchmesse. Eine Runde mit chinesischen Intellektuellen und dem Präsidenten des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann debattiert heute vor dem Hintergrund nationalistischer Strömungen in China und dem neuen Patriotismus in Deutschland den Begriff der „Nation“.

Die Veranstaltung Zeitfragen – Zeitzeugen beschäftigt sich morgen mit den Möglichkeiten und Gefahren des Internets – für den einzelnen und den Staat. Es debattieren unter anderem Guo Liang, Philosoph aus Peking und Stefan Niemann, langjähriger China-Korrespondent der ARD. Unter demselben Titel sprechen am Freitag die Sozialwissenschaftler Claus Offe, Qin Hui und Yu Jianrong über die Folgen der Weltwirtschaftskrise.

Mit dem Zusammenhang zwischen Literatur und Migration, Sprache und Kultur befasst sich eine weitere Veranstaltung des Goethe-Instituts unter dem Titel Mit Chamisso um die Welt. Autorinnen und Autoren berichten von besonderen Begegnungen und Erkenntnissen, die sie auf den Reisen im Auftrag des Goethe-Instituts oder anderer Mittlerorganisationen gewonnen haben.

Auslandserfahrungen sind auch Thema des Gesprächs zwischen deutschen und finnischen Autoren auf der Frankfurter Buchmesse. Schriftsteller aus Helsinki und Berlin sowie aus Tampere und München berichten im Kontext des vom Goethe-Institut initiierten Stadtschreiber-Projekts "Kaksinkertainen" über Vertrautes und Fremdes im jeweils anderen Land.
Links zum Thema

Goethe aktuell:

Über den RSS-Feed
können Sie sich über Neuigkeiten aus der Welt des Goethe-Instituts auf dem Laufenden halten.

Jahrbuch-App 2013

Entdecken Sie die Arbeit des Goethe-Instituts weltweit und klicken Sie sich durch die Höhepunkte des Jahres 2013. Unsere Jahrbuch-App für iPads steht ab jetzt kostenlos zum Download im App Store bereit.

Goethe-Institut.
Reportagen Bilder Gespräche

Das Magazin des Goethe-Instituts berichtet dreimal im Jahr über die Arbeit des Instituts.

Twitter

Aktuelles aus den Goethe-Instituten