Goethe aktuell

Amazonas-Musiktheater: Die wolkenwasserwald.maschine

Dominik BaurCopyright: Dominik Baur
Amazonien: „Wir lassen die Geister den Wald verteidigen“ (Foto: Dominik Baur)

7. Januar 2010

Wie klingt der Amazonas? Wie sehen seine Wolken, sein Wald, seine Wellen von oben aus? Peter Weibel und José Wagner Garcia bitten zu einem multimedialen Kunstflug und geben einen Vorgeschmack auf das Amazonas-Musiktheater.

Eigentlich scheint die feuchte Luft alles Leben zu erdrücken. Doch unaufhörlich brummt und summt es, in verschiedenen Tonhöhen, aus allen Richtungen. Dazwischen erklingen einzelne Vogelstimmen. Die Geräuschkulisse schwillt an, verschmilzt mit der Feuchtigkeit und der Hitze. Es wirkt, als hätte man eine Glasglocke über diesen Fleck Erde gestülpt.

Unter Tosen und Gurgeln windet sich der Amazonas, der größte Strom der Erde, durch den Regenwald, immer weiter stromabwärts, bis in den Atlantik. An vielen Stellen ist der Fluss so breit, dass man von einem Ufer das gegenüberliegende nicht mehr sehen kann.

Wolken, Wasser, Wald ...

Sie benötigen den Flashplayer , um dieses Video zu sehen
Video: ZKM


Am nördlichen Amazonasufer leben die Yanomami, Ureinwohner des brasilianischen Regenwalds. Für sie ist die materielle sehr stark mit der geistigen Welt verwoben – nicht nur die Menschen haben eine Seele, sondern auch die Tiere und der Regenwald. Davi Kopenawa ist Schamane. Er versteht die Sprache der archetypischen Landschaft: „Die wahrhaften Besitzer des Waldes sind die Xapiripe-Geister.“

Die Ahnen der Tiere und des Waldes, so erzählt er, tanzten zwischen den Bäumen, über die Berge und den Fluss. Doch wenn der Mensch den Wald rodet, müssten sie flüchten und das bösartige Wesen der Sonne komme auf die Erde. Sobald es seine Füße auf den Boden setze, werde alles verbrennen, der Amazonas werde austrocknen. „Deswegen lassen wir die Geister Xapiripe tanzen, um den Wald zu verteidigen“, erklärt der Yanomami. Der Tanz der Urwesen steht für Leben und den Erhalt der Ordnung und des Gleichgewichts.

Doch wie lange kann das Gleichgewicht noch bestehen? Täglich wird eine Fläche des brasilianischen Regenwaldes gerodet, die der Größe von 8.000 Fußballfeldern entspricht. 2.000 Tonnen Quecksilber sind in den letzten zehn Jahren von Goldgräbern in den Amazonas geleitet worden. Ein einzigartiger Naturraum verschwindet und mit ihm ein Volk von 33.000 Menschen.

Der Amazonas spielt eine zentrale Rolle für die Reihe Kultur und Klima des Goethe-Instituts – das Opernprojekt Amazonas – Musiktheater in drei Teilen, die im Mai bei der Biennale in München uraufgeführt wird, macht das Wüten und Toben des Flusses hörbar. Die Yanomami arbeiten mit Wissenschaftlern und Künstlern an der Inszenierung ihres Lebensraumes.

„Die Oper ist seit ihrer Geburt bei Claudio Monteverdi immer schon ein Multimedia-Werk gewesen“, sagt Peter Weibel, Chef des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, in einem Interview für die Website des Amazonas-Musiktheathers. „Seither beinhaltet sie drei verschiedene Medien: Bild, Text und Musik.“ Man verkenne das Wesen der Oper, wenn man sie nicht multimedial definiere. „Mit dem Amazonas-Musiktheater versuchen wir, den ursprünglichen Gedanken der Oper, mehrere Medien zu verbinden, wieder aufzunehmen.“

Einen Vorgeschmack liefert der Medienkünstler Weibel gemeinsam mit José Wagner Garcia in der Video-Installation die wolkenwasserwald.maschine.

„Wenn uns heute neue audiovisuelle Medien zur Verfügung stehen“, so Weibel, „bewegte Bilder, erweiterte Licht- und Computermöglichkeiten, dann sollten wir diese nutzen, um die Tradition der Oper weiterzuführen und zu aktualisieren.“

-ja-
Links zum Thema

Goethe aktuell:

Über den RSS-Feed
können Sie sich über Neuigkeiten aus der Welt des Goethe-Instituts auf dem Laufenden halten.

Jahrbuch-App 2013

Entdecken Sie die Arbeit des Goethe-Instituts weltweit und klicken Sie sich durch die Höhepunkte des Jahres 2013. Unsere Jahrbuch-App für iPads steht ab jetzt kostenlos zum Download im App Store bereit.

Goethe-Institut.
Reportagen Bilder Gespräche

Das Magazin des Goethe-Instituts berichtet dreimal im Jahr über die Arbeit des Instituts.

Twitter

Aktuelles aus den Goethe-Instituten