Goethe aktuell

Zum 65. Geburtstag von Hans-Georg Knopp: Vom Glück des Unterschieds

Dominik BaurCopyright: Dominik Baur
Goethe-Generalsekretär Knopp: Kaleidoskopisches Interesse (Foto: Dominik Baur)

13. Januar 2010

Mumbai, Chicago, Singapur, München – Hans-Georg Knopp kennt Kultur im Plural wie im Singular. Jetzt hat der Weltenbürger und Generalsekretär des Goethe-Instituts allen Grund zum Feiern. Von Michael Jeismann

Neujahr 2010 muss ihm wie das Zielband erschienen sein, das er nach dem langen Lauf der Reform mit Namen „Goethe 09“ endlich durchquert. Zugleich hat der Generalsekretär des Goethe-Instituts, Hans-Georg Knopp, heute fast zeitgleich auch die biographische Etappe des 65. Geburtstages erreicht. Dieser Zweiklang von Institution und Person ist nicht bloß ein kalendarischer Zufall.

Tatsächlich bezeichnet er die Bahn eines beruflichen Lebensweges, hinter der die Person nicht verschwindet, sondern, im Gegenteil, zur Entfaltung kommt. Nach einem breit gefächerten Studium des Indischen, Arabischen und Persischen, der Soziologie und Politikwissenschaft an den Universitäten Tübingen, Wien, Marburg und Gießen, das er 1974 mit der Promotion abschloss, ging Hans-Georg Knopp ans Goethe-Institut Mumbai.

Mit diesem Schritt begab er sich mitten in eine Welt, deren Grundzüge hybrid waren, auch wenn das damals noch nicht so genannt wurde. Wie Puderzucker hatte sich der englische Einfluss auf manche Erscheinung des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens gelegt; darunter aber gab es eine ganze Welt zu entdecken, die in ihrer fast ungreifbaren Vielgestaltigkeit ein kaleidoskopisches Interesse wecken musste.

Diese Art des Interesses und der Erkenntnisse haben Hans-Georg Knopp maßgeblich geprägt. Die Aufmerksamkeit für das, was der französische Soziologe Pierre Bourdieu, die „kleinen Unterschiede“ genannt hat – aber im Maßstab einer Weltkultur, Differenz nicht als Abweichung von einer Norm, sondern als Norm selbst, als das alltäglich Erlebte – das dürften prägende Grunderfahrungen in Indien gewesen sein. Von daher sein Sinn für Neues und neue Konstellationen von Altbekanntem, sein Sinn für den Dialog und seine Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen.

Ob in Colombo, Jakarta, Singapur oder Chicago, den weiteren Goethe-Stationen, nirgends hat er das Monochrome gesucht. Und das bedeutet für ihn auch: Kultur ohne Konflikt gibt es nicht. Und genau an dieser ebenso produktiven wie gefährlichen Wippe sieht Hans-Georg Knopp eine der zentralen Aufgaben der Kulturmittler. Der Ausgleich bedarf natürlich der inneren Ausgeglichenheit, und so nimmt es nicht Wunder, dass Hans-Georg Knopp täglich Yoga praktiziert.

Es soll dabei nicht gleich um Leben oder Tod gehen – aber Räume zur Verständigung und zum besserem Selbstverständnis zu schaffen, ist ihm ein Anliegen, das den Charakter der Institutionen prägte, für die er gearbeitet hat. Das wird nicht zuletzt in seiner fast zehnjährigen Amtszeit deutlich, in der er für das Haus der Kulturen der Welt gewirkt hat. Er stand dort vor der ebenso schwierigen wie reizvollen Aufgabe, auswärtige Kulturpolitik für das Inland zu betreiben.

Das Fremde, Andere als Mittel der Welt- und Selbsterkenntnis zu zeigen und dialogisch einzusetzen, wo bei aller Sehnsucht nach der weiten Welt das Heimische, jedenfalls das Bekannte doch am höchsten im Kurs steht, war beim Haus der Kulturen der Welt die Aufgabe, die Knopp mit Bravour meisterte. Die Bedingungen dafür waren günstig, weil das Haus der Kulturen der Welt gerade die richtige Größe hatte, damit Eingebungen, Einfälle und Anregungen rasch umzusetzen. Zudem ersetzte er als einer der ersten die etwas naiv wirkenden Multikulti-Ansätze im Kulturaustausch durch eine Reflexion der Globalisierungsfolgen.

Es ist Hans-Georg Knopp gelungen, diesen Geist wachzuhalten, als er im Jahr 2005 zum Generalsekretär des Goethe-Instituts berufen wurde. Ohne die Kraft zur neuen Situation hätte er, gemeinsam mit dem Kaufmännischen Direktor Jürgen Maier, sich kaum zugemutet, was dann als schwere Zeit des Goethe-Instituts bewältigt werden musste. Es hat an Kritikern nicht gefehlt, aber mit einer flexiblen Beharrlichkeit, die ihn auszeichnet, hat Hans-Georg Knopp dafür sorgen können, dass das Goethe-Institut in seiner institutionellen und programmatischen Eigenständigkeit und Substanz heute so gut wie nie zuvor dasteht.

Neue Programmfelder wurden erschlossen und aussichtsreiche Kooperationen begonnen. Dass das erreichte Pensionsalter nicht zugleich auch den Abschied vom Amt des Generalsekretärs bedeutet, ist eine schöne biografische Differenzrechnung, in der Knopps Vitalität und Anregungskraft gewissermaßen ihren amtlichen Ausdruck findet.

    Goethe aktuell:

    Über den RSS-Feed
    können Sie sich über Neuigkeiten aus der Welt des Goethe-Instituts auf dem Laufenden halten.

    Jahrbuch-App 2013

    Entdecken Sie die Arbeit des Goethe-Instituts weltweit und klicken Sie sich durch die Höhepunkte des Jahres 2013. Unsere Jahrbuch-App für iPads steht ab jetzt kostenlos zum Download im App Store bereit.

    Goethe-Institut.
    Reportagen Bilder Gespräche

    Das Magazin des Goethe-Instituts berichtet dreimal im Jahr über die Arbeit des Instituts.

    Twitter

    Aktuelles aus den Goethe-Instituten