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Freude in Italien: Zwei Preise für Goethe-Institute

Henning WagenbrethHenning Wagenbreth
Ein Diktator fällt: Szene aus der Geschichte „Die Weihnachtsmauer" von Didier Daeninckx (Illustration: Henning Wagenbreth)

22. Januar 2010

Erzählungen gegen Mauern der Intoleranz: Das Buch 1989, ein Projekt der Goethe-Institute in Italien, hat den europäischen Buchpreis Premio Aldo Manuzio erhalten. Zum ersten Mal geht außerdem der Wirtschaftspreis Premio Mercurio D’Oro an eine Kulturinstitution: an das Goethe-Institut Mailand.

„Es war zum Verzweifeln, die leere, dunkle Straße war von Schneestaub eingehüllt, und das Kind stand ganz allein da und rief immer wieder: ‚Chuchen ...‘, obwohl niemand vorbeikam. Ich wollte einfach rausgehen, aber der Posten packte mich schnell am Ärmel und wurde wütend ...“

Oft sind sie aus Ziegeln, Stacheldraht oder Zementblöcken. Mauern entstehen aber auch dort, wo ein Wachmann strikt seine Anweisungen befolgt. In Heinrich Bölls Kurzgeschichte Auch Kinder sind Zivilisten kuriert ein Soldat in einem Lazarett in Russland seine Wunden aus. Draußen möchte ein Mädchen Kuchen verkaufen, doch der Posten verbietet es dem Soldaten, das Lazarett zu verlassen. Und Zivilisten dürfen das Gebäude nicht betreten. Auf einen Wink des Mädchens hin entdeckt er jedoch einen Durchgang. Er kauft ihm den ganzen Korb ab und bezahlt es großzügig.

Böll ist nur einer von zehn europäischen Schriftstellern, die mit ihren Erzählungen gegen Mauern der Intoleranz gekämpft haben und sich in dem Jugendbuch 1989 – 10 Mauergeschichten wiederfinden. Illustriert wurde der Band von Henning Wagenbreth.

Jetzt wurde das internationale Projekt des Verlags Orecchio Acerbo, des Goethe-Instituts und zahlreicher Kulturinstitute und Partner in Italien und Europa vom Forum der Verleger der Europäischen Union ausgezeichnet: mit dem Premio Aldo Manuzio. Damit soll das Buch für seinen Beitrag zur Verbreitung der europäischen Kultur und Literatur gewürdigt werden. Schon jetzt liegt es in fünf Sprachen vor.

Wirtschaftspreis an das Goethe-Institut Mailand

Die Goethe-Institute in Italien haben noch einen weiteren Grund zur Freude: Das Institut in Mailand wird am 24. Januar für seinen Unternehmensgeist und sein Engagement mit dem Premio Mercurio D’Oro ausgezeichnet. Dieser richtet sich in erster Linie an Unternehmen, die sich für die deutsch-italienische Zusammenarbeit engagieren: Der Preis wurde 1949 ins Leben gerufen, um die Wirtschaftsbeziehungen in Europa wieder aufzubauen.

Zu den bisherigen Preisträgern zählen Großunternehmen wie die italienischen Tochterfirmen von Henkel und Siemens; zum ersten Mal wird der Premio Mercurio D’Oro nun an eine Kulturinstitution verliehen. Das liegt daran, dass das Goethe-Institut in der Kulturszene in Mailand äußerst präsent ist – seine Ausstellungen und Lesungen vertiefen das deutsch-italienische Verständnis. Außerdem steht es als Institut in einer Wirtschaftsmetropole in engem Kontakt mit deutschen Unternehmen. Diese wiederum fördern seine Veranstaltungen, wie zum Beispiel die Fotoausstellung Niemand ist mehr dort, wo er hinwollte. Die Bilder von der Wiedervereinigung Deutschlands haben in Mailand eine Diskussion über nationale Identität und Symbolik ausgelöst.

-ja-
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