Frankfurt, 1. Dezember, 15.34 Uhr
von Munyao Mutinda Die neueste Mitteilung von meinem Service-Provider O2 Loop lautet: „Lieber Kunde, wir können lhre SMS nicht senden, da lhr Guthaben nicht ausreicht. Bitte laden Sie lhr Guthaben-Konto auf. Vielen Dank.“

Journalist Mutinda: Kampf mit dem Telefon (Foto: Privat)
Genau das ist eines meiner Probleme in diesem wunderbaren Land. Ich verstehe die Sprache nicht und viele Leute – darunter die Stimme von O2 – sprechen wiederum kein Englisch.
Deshalb bin ich am Sonntag auch zum Waschsalon gegangen. Nachdem ich den kompletten Samstagvormittag damit zugebracht hatte, den Stadtplan zu studieren, war ich schließlich nur einen Steinwurf entfernt von meinem Hotel fündig geworden. Das Kleingedruckte an der Tür ist mir dann offenbar entgangen. Irgendetwas mit Sonntag und geschlossen. Also ging ich am Sonntag hin und sah den Besitzer mit seinem Hund draußen vor der Tür stehen. Als ich versuche, die Tür zu öffnen, zeigte er mir das Schild und ich stand mit meiner dreckigen Wäsche da.
Dann wollte ich noch mein neu erworbenes Handy aufladen, um zu Hause anzurufen und meinen Söhnen zu erzählen, dass Papa seinen Aufenthalt in Europa in vollen Zügen genießt. Aber alles, was mich an diesem Tag erreichte, waren kalte Luftzüge. Gekauft hatte ich die Karte schon, aber es ist eine abenteuerliche Sache, das Telefon aufzuladen. Ich sollte die 5667 anwählen und eine deutsche Wortsalve anhören, dann „1“ und die PIN-Nummer eingeben und die „Ansage des Guthabens abwarten“. Also abwarten, ob meine Bemühungen gefruchtet hatten. Im Vorfeld hatte ich das Wörterbuch mit einer Akribie studiert, die man sonst nur unter Genetikern findet. Ich hatte herausgefunden, dass die „Geheimzahl“ der PIN-Code ist und was „eingeben“ genau bedeutet.
Eigentlich bin ich ein umgänglicher, gut gelaunter Typ, aber in der – ach, so langen – letzten Zeit war ich eher schweigsam. Meine Kollegen bei der Frankfurter Rundschau erzählen sich Witze und lachen sich darüber kaputt, aber mir ist nicht so leicht ein Lächeln zu entlocken. Morgens schwänze ich die Konferenz, da dort alle so schnell sprechen und ich sowieso nichts beitragen kann. Ich verstehe nicht im Entferntesten, wovon die Rede ist. Nicht dass man mich außen vor lässt, ich werde hier total verwöhnt. Wenn ich nur Deutsch spräche.
Wenn ich mit dem Zug unterwegs bin und die Stimme von oben sagt: „Nächster Halt: Südbahnhof“, dann springe ich auf die Füße. Wie bei der Tanzmaskerade in einem der Romane von Chinua Achebe, der immer sagte, er könne kein Englisch, aber auf den Aufruf „Holt sie euch!“ keinen Dolmetscher brauchte, um die Beine in die Hand zu nehmen.
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