Goethe aktuell

Palermo, 16. November, 9.37 Uhr

Sabine BeiklerVon Sabine Beikler

Neben meiner Arbeit in Palermo muss ein bisschen Sightseeing auch sein. So fuhr ich am Wochenende mit einem Mietwagen (an der Station fragte man mich mehr symbolisch: „What do you want: a Volkswagen Golf or a Lancia? Well, you should prefer the better Volkswagen”) nach Catania und von dort aus nach St. Alfio, wo ich in einem wunderschön umgebauten Gutshaus übernachtet habe. Am nächsten Tag habe ich Europas größten und mitunter aktivsten Vulkan, den Ätna, besucht. Fantastisch! Und nach einem Abstecher in Taormina besichtigte ich zwei kleine Dörfer, die durch das schwere Erdbeben rund um Messina vor kurzem stark in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Copyright: Sabine Beikler
Die Sizilianer nehmen den Stau gelassen (Foto: Sabine Beikler)
Ich sah völlig demolierte Autos, zusammengequetscht, als ob sie aus einer Schrottpresse gekommen wären, die allesamt an der Strandpromenade in der Parkzone in einer Reihe standen. Ein paar Meter weiter flanierten die Sonntagsspaziergänger. Eine sehr absurde Situation. Ich fuhr am späten Nachmittag zurück nach Palermo durch unzählige Tunnel, die ich irgendwann nicht mehr mitzählte und dachte mir: Es gibt auf dem hügeligen Sizilien mit Sicherheit weit mehr Tunnel als in der gesamten Alpenregion.

Als ich kurz vor Palermo war, begann wieder das, was in der sizilianischen Hauptstadt - neben den Müllbergen - ein Dauerproblem ist: das Verkehrschaos. Es gibt in Palermo nicht eine Tageszeit, an dem der Verkehr flüssig rollt – außer vielleicht nachts ab 12/1 Uhr. Es ist der reine Wahnsinn. Man braucht extrem gute Nerven, um nicht irgendwann völlig besinnungslos auf die Hupe zu drücken. Aber das ist auch sehr erstaunlich: Die ansonsten temperamentvollen Sizilianer sitzen mit stoischer Miene in ihren Autos, rauchen und schauen gelangweilt auf das Gefährt ihres Vordermannes. Zwischen den Stoßstange an Stoßstange und auf größeren Straßen in Zweierreihe stehenden Autos quetschen sich dann noch die Roller, Mofas und Motorräder durch. Ich habe es bisher noch nicht erlebt, dass auch nur irgendein Zweiradfahrer mit seinem Fahrzeug ein Auto berührt hätte. Da muss man schon viel Übung haben, was ich als Motorradfahrerin durchaus einschätzen kann. Manchmal gibt es in Palermo auch eine zusätzliche Straßenspur, die aber nur für Taxis und Behördenfahrzeuge zugelassen ist. Offiziell zumindest. Und die Parksituation ist auch alles andere als kommod. Es gibt selbst ernannte Einweiser, Migranten, die dafür etwas Geld bekommen (maximal einen Euro, sonst „versaut” man hier die Preise), damit sie auf das Auto „aufpassen”. Ob sie sich auch gegen Ordnungshüter zur Wehr setzen, die hier in Palermo schon mal „Knöllchen” aufschreiben, kann ich nicht beurteilen: Ich habe zumindest noch kein Ticket erhalten. Und das lag bestimmt nicht an dem „Volkswagen” ...

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