Goethe aktuell

Förderprogramm für Kulturmanager: „Wir wollen nicht die westliche Kultur adaptieren“

L. de BoerCopyright: Lena de Boer
Tamar Janashia vor der Akademie der Künste in Berlin (Foto: Lena de Boer)

19. Februar 2010

Zehn Teilnehmer aus fünf verschiedenen Ländern Osteuropas hat das Goethe-Institut im Rahmen des Pilotprojektes Kompetenzzentrum Kulturmanager nach Deutschland eingeladen. Tamar Janashia ist eine von ihnen. In Berlin arbeitet die lebhafte Georgierin an einem Kunstprojekt. Von Lena de Boer

Wenn Tamar Janashia über ihre Arbeit spricht, blitzen ihre Augen. Kunst und Kultur – dafür schlägt ihr Herz. Doch es schlägt auch für ihre Heimat Georgien. „Und glauben Sie mir“, sagt sie, „die Künstler in Georgien sind chaotisch und brauchen auf jeden Fall ein gutes Management.“ Deshalb hat es sie nach Deutschland verschlagen. Innerhalb des Kulturmanager-Programms des Goethe-Instituts absolviert die Georgierin gerade ein Praktikum an der Akademie der Künste in Berlin. Ihr Ziel: gute Kunst in Tiflis etablieren.

Für das Projekt Kompetenzzentrum Kulturmanager reisten im September letzten Jahres zehn Teilnehmer aus Georgien, Kirgisistan, Usbekistan, Belarus und der Ukraine nach Berlin. Sie alle sind bereits Profis im Kulturbereich, jeder einzelne ist im Arbeitsalltag aber auch auf Probleme gestoßen. „In Georgien zum Beispiel fehlt es einfach an Qualitätssicherung und guter Vernetzung mit dem Ausland“, erzählt Janashia.

Das Förderprogramm hat sie deshalb sofort begeistert. Denn das Projekt Kompetenzzentrum Kulturmanager zielt auf Verknüpfungen unter den Ländern ab: Was kann mein Land vom Kulturbetrieb in Deutschland lernen? Welche Erfahrungen bringen die Teilnehmer aus den verschiedenen Ländern mit nach Deutschland? Das Programm beschreibt dabei drei Phasen: Eine Fortbildung zu Beginn, ein Praktikum an Kulturinstitutionen in Deutschland und schließlich die Umsetzung des Projektes im Heimatland – mit Unterstützung des Goethe-Instituts.

„In den kulturell-künstlerischen Szenen der Länder Osteuropas und Zentralasiens haben es Kulturmanager schwer“, erklärt die Leiterin des Projekts Katrin Ostwald-Richter. „Oft fehlt es ihnen an Erfahrungen, vor allem im Bereich der internationalen Kooperation. Hier setzt unser Programm an.“ Zunächst fand im September eine Fortbildung statt, bei der sich Tamar Janashia mit den weiteren Teilnehmern austauschte. Gemeinsam lernten sie, wie man kompetente Arbeitsteams bildet, wie man Födergelder für Projekte sammelt oder Marketing-Strategien entwickelt. Schnell waren Ideen für eigene Projekte geboren.

Performance-Kunst kommt nach Tiflis

„Diese Projekte können wir nun in einer Praxisphase umsetzten“, sagt Janashia. Sie sitzt in ihrem Büro in der Akademie der Künste, ihr Blick schweift über den Pariser Platz, landet auf dem Brandenburger Tor. „Ein tolles Arbeitsumfeld!“ Das einmonatige Praktikum absolvieren die Teilnehmer an unterschiedlichen Kulturinstituten, je nach beruflichem Hintergrund. Und die gelernte Philologin aus Tiflis liebt nun mal Kunst. Warum eigentlich? Janashia lacht: „Normales Management finde ich total trocken. Kunstmanagement dagegen steckt voller Kreativität, Ideen und Farben.“ Dieses kreative Umfeld hat sie auch zu ihrer Projektidee gebracht: Die Georgierin will Performance-Kunst auf die Artisterium, die Messe für internationale zeitgenössische Kunst in Tiflis, bringen.

„Das Medium der Performance ist in Georgien noch nicht so bekannt. Hier in Deutschland allerdings schon“, sagt Janashia. Gemeinsam mit der Akademie der Künste und dem Goethe-Institut plant, recherchiert und sichtet die Georgierin interessante Künstlerportfolios. Aber die lebhafte Tamar Janashia, die in Tiflis zunächst an einem Institut für moderne Fotografie arbeitete und danach eine Wissenschaftszeitschrift für Jugendliche gründete, möchte während des Praktikums noch viel mehr erreichen. Auf ihrem Schreibtisch tummeln sich Flyer, Kunstkataloge, Visitenkarten. Sie will Kontakte knüpfen zu Architekten, Kulturmanagern und Spezialisten, die brachliegende Industrieflächen in Georgien kulturell wiederbeleben können. „So wie es zur Zeit im Ruhrgebiet stattfindet“, sagt sie.

Tamar Janashia im O-Ton



Schwer fiel es Tamar Janashia nicht, sich in der Akademie der Künste zu integrieren. Das liegt sicher auch an ihrem exzellenten Deutsch. Seit sie sechs ist, lernt sie die Sprache, hat zudem einige Semester in Deutschland studiert. Dies machte es ihr leicht den Arbeitsalltag in der Akademie aufzusaugen und die Erfahrungen nach Georgien tragen. Um sich auf ihre Praktika an den deutschen Kultureinrichtungen sprachlich vorzubereiten, erhielten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programms, je nach Vorkenntnissen, Sprachunterricht am Goethe-Institut im jeweiligen Herkunftsland.

Einen Vorteil durch das Programm sieht Janashia aber nicht nur für sich, „auch das Goethe-Institut wird langfristig von gut ausgebildeten Kulturmanagern profitieren“, sagt sie. So können die Institutionen in den verschiedenen Ländern auf kompetente Unterstützung bauen, wenn Veranstaltungen organisiert und durchgeführt werden. „Da sind wir ja dann mit Leib und Seele dabei.“

Tamar Janashia hat durch das Projekt schon jetzt und vor allem eins gelernt: „Viele Leute kommen in den Westen, kehren dann in ihre Heimat zurück und versuchen, die westliche Kultur nachzuahmen. Dabei ist es nicht die Kultur, die wir adaptieren sollten. Es sind die gezielte Ausbildung und Förderung und die kreative Freiheit, die wir uns von Deutschland abgucken müssen.“
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