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PASCH: Deutsch lernen mit der „Bravo“-Lovestory

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So macht Deutschunterricht Spaß: Statt trockener Lehrbücher stehen Jugendmagazine auf dem Lehrplan (Foto: Deutsche Welle)

28. Juni 2010

Im kroatischen Städtchen Pula lernen Schüler mit Begeisterung Deutsch – an der Partnerschule des Goethe-Instituts. Eine Erfolgsstory aus einem Touristenort mit großer Geschichte, an dem Sprachenlernen ein Muss ist. Von Aya Bach

Abendstimmung liegt über der kleinen Stadt an der Adria. Durch die römische Arena schwirren Fledermäuse, haarscharf vorbei am sonnensatten Gemäuer. So war es wohl schon in der Antike, wenn abends die Gladiatorenkämpfe ihr blutiges Ende gefunden hatten. Heute schnurren beim Blick durch die steinernen Bögen die Jahrtausende zusammen. Draußen im Meer liegen im letzten Abendlicht die Kräne der Werft: Schiffsindustrie und Tourismus sind heute die wichtigsten Wirtschaftszweige. Jetzt ist die Hauptsaison vorbei, aber noch immer schlendern Touristen durch die Stadt und bewundern römische Ruinen und Prachtbauten der k.u.k-Zeit, ein letzter Fotoapparat blitzt in die Dämmerung.

Am nächsten Morgen bin ich mit der Schülerin Sarah Kim samt zwei Freunden zur Stadtführung verabredet, die Deutschlehrerin hat sie vom Unterricht befreit. Treffpunkt ist die imposante Arena, kaum kleiner als das Colosseum in Rom. Blut floss auch in Pula, erzählt Sarah, und es muss furchtbar gestunken haben: „Von dem ganzen Schweiß! Aber es gab große Amphoren mit Duftwasser, das hat man dann versprüht!“

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Sarah erzählt noch mehr Details, die wohl nicht jeder Fremdenführer seinem Publikum zumutet. Sie ist fünfzehn und will später im Fremdenverkehr arbeiten wie so viele junge Leute hier. Noch besucht sie die Schule für Tourismus, die Partnerschule des Goethe-Instituts. Obwohl sie ihre ersten zehn Lebensjahre in Aachen verbracht hat, findet sie den Deutschunterricht spannend. Denn der ist ganz anders als die restlichen Fächer: Sarah und ihre Mitschüler dürfen nicht nur der deutschen Journalistin die Stadt zeigen, sondern immer wieder an Projekten teilnehmen. So wie zuletzt zum Thema Mauerfall: „Da habe ich die europäische Hymne gesungen, auf Deutsch. Wir haben eine Ausstellung gemacht und Flyer in der Stadt verteilt. Das war toll!“

Unterricht mitten im Leben – für das Projekt, von dem Sarah erzählt, sind die Deutschlehrerinnen Marina Bojanić und Vesna Pavletić verantwortlich. Die Ausstellung ist professionell gemacht: An Bilderschienen wie im Museum hängen Arbeiten des Fotografen Stefan Koppelkamm, der ostdeutsche Orte kurz nach dem Mauerfall und noch einmal rund zehn Jahre später fotografiert hat. Das Material kommt vom Goethe-Institut, das Geld für die noble Präsentation auch. All das ist Teil der Partnerschaft mit dem Goethe-Institut.

James Bond und der Mauerfall

Doch zu dem Projekt gehört auch eine Menge Eigenleistung: Die Schüler sind in die Stadt gegangen und haben Touristen etwas über deutsche Geschichte erzählt. So wie Marco (18), der aus der Gegend von Pula stammt. „Ich hatte einen schicken Anzug an, wie James Bond“, sagt er und grinst. „Erst war es komisch, aber dann haben wir gemerkt, dass es gut klappt, und die Leute haben gesagt, es war toll.“ Marco will nach dem Abitur Germanistik studieren. Deutsch hat er schon früh gelernt, denn seine Eltern haben eine Marina, daher ist er es – wie viele Mitschüler – gewohnt, mit Touristen Deutsch zu sprechen.

Wer so viel mit ausländischen Gästen umgeht wie die Jugendlichen hier, weiß, wie wichtig Fremdsprachen sind – auch und gerade Deutsch. Denn deutschsprachige Touristen sind die größte Gruppe in Pula: „Das sind voll, voll viele, da musst du einfach Deutsch können“, sagt Dennis (18), der später das Restaurant seiner Familie übernehmen will.

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PASCH in Delhi: Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass in Indien und Deutschland nicht nur ähnliche, sondern beinahe identische Ideen im Schulalltag verfolgt werden. Die deutsche Sprache und Deutschland sind im Gespräch, und nicht nur das: Sie stehen hoch im Kurs! (Film: David Olmos, Länge: 14:27 Min.)

Doch was für viele Schüler selbstverständlich ist, hat sich in der Bildungspolitik noch nicht herumgesprochen, klagt Deutschlehrerin Marina Bojanić: „Wir konnten jedes Jahr eine Schule, an der Deutsch unterrichtet wird, von der Liste streichen!“

Da kommt der Rückenwind durch das Projekt Schulen: Partnerschaft der Zukunft (PASCH) gerade richtig. Und die beiden Lehrerinnen, die sich schon als PASCH-Team bezeichnen, sorgen für die Sprachpraxis, die ihre Schüler später im Beruf brauchen werden. Darum findet der Deutschunterricht auch schon mal draußen statt: Die Schüler bauen einen Infostand für Touristen auf, verteilen Prospekte, beantworten Fragen. Jetzt, in der Nebensaison, sind oft Jugendliche auf Studienreise unterwegs, die wissen wollen, wo der McDonald’s ist oder in welchem Club es die beste Musik gibt – das wissen die Schüler mindestens so gut wie die Profis im Tourismusbüro.

Internationale Freundschaften

Inzwischen sind die Schüler, die andere Fremdsprachen gewählt haben, schon neidisch auf die Deutsch-Klassen. Denn die Partnerschaft mit Goethe ermöglicht Dinge, die vorher undenkbar waren. Da ist nicht nur der ungewöhnliche Unterricht, sondern auch eine Lounge, die alle Deutsch-Schüler in Freistunden nutzen dürfen: Der Treffpunkt.de lädt zum Chillen ein, mit schicken schwarzen Sofas, Internet und einem riesigen Flachbildschirm-TV.

Bücher und Zeitschriften gibt es auch - sogar die Bravo, das begehrte Teenie-Magazin, bei dem bildungsbeflissene Eltern in Deutschland schon mal die Nase rümpfen. Aber für das PASCH-Team in Pula ist die Bravo-Lovestory kein Tabu. „Erst dachten wir, wenn die Eltern mitkriegen, dass da nackte Jungs und Mädchen zu sehen sind, protestieren sie vielleicht“, erzählt Marina Bojanić, „bei uns in Istrien ist man ziemlich streng katholisch.“ Aber bisher hat sich niemand beschwert.

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Denken auf Deutsch und Türkisch: Am Izmir Kız Lisesi, der ersten Partnerschule in der Türkei, lernen die Schüler nicht frontal, sondern ganz spielerisch deutsch. In Theateraufführungen, Vorträgen und Wettbewerben üben die Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren den Fachjargon und die Umgangssprache als Grundlage für ihre berufliche Zukunft. (Film: Matthias Frickel, Länge: 14:17 Min.)

Und dann ist da noch der Clou, der für alle PASCH-Schulen weltweit gilt: Wer sich im Unterricht besonders engagiert, kann ein dreiwöchiges Stipendium in Deutschland bekommen. Marco war in der Nähe von Weimar und hat dort PASCH-Schüler aus 60 anderen Ländern kennengelernt. „Wir haben alle unser Deutsch verbessert“, sagt er. Aber noch wichtiger sind ihm die Freundschaften mit Gleichaltrigen, die dort entstanden sind: „Ich war traurig, als wir zurückgekommen sind. Ich brauchte zwei Tage, bis ich wieder in Kroatien leben konnte.“

Sarah fühlt sich ohnehin in Kroatien noch nicht so ganz zu Hause. Aber auch sie profitiert von den PASCH-Projekten, bei denen es weniger um Grammatik geht als um Sprachfähigkeit, Teamarbeit, Selbständigkeit. Vielleicht wird sie später ja wirklich Stadtführerin. Die Geschichte Pulas jedenfalls ist ihr schon ans Herz gewachsen: Gegenüber ihrer Schule soll ein Parkhaus entstehen, aber beim Baggern fand man römische Relikte: „Über 3.000 Amphoren, Schmuck und Teller!“ Für Sara ist klar: Das Parkhaus kann woanders hin!

Die Touristen würden es ihr danken. Und ich habe bei ihrer Führung nicht nur viel über Pulas Geschichte erfahren, sondern weiß jetzt auch, wo es das beste Eis der Stadt gibt.

Text- und Filmbeiträge sind eine Koproduktion von Deutscher Welle und Goethe-Institut. Sie wurden erstellt von Reportern der Deutschen Welle.
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