Werner Schroeter: Der Mann, der die Fremde eroberte

Werner Schroeter bei den Dreharbeiten zu seinem letzten Kinofilm
„Diese Nacht" im Jahr 2008 (Foto: Stadtkino Wien)
„Diese Nacht" im Jahr 2008 (Foto: Stadtkino Wien)
15. April 2010
Das deutsche Autorenkino hat einen Meister verloren. Mit Werner Schroeter hat Deutschland einen bedeutenden Regisseur verloren und das Goethe-Institut einen alten Freund und Weggefährten.
Immer wieder zog es ihn in die Ferne. „Ich hab die Nase voll von Deutschland“, bekannte Werner Schroeter noch vor einem Jahr in einem Interview mit der taz. „Ich hab mich seither intensiv auf Italien eingelassen, auf Mexiko und Argentinien. Das sind ja immer auch Eroberungen. Ich habe keine Lust zur Rückkehr. Warum denn?“
Ja, warum eigentlich? Wenn das Gute so fern liegt? Das Goethe-Institut jedenfalls hat den großen Filmautoren bei seinem Streben in die Ferne gerne unterstützt und begleitet. In den Achtzigerjahren war diese Zusammenarbeit besonders intensiv. So veranstalte das Goethe-Institut damals in München Schroeter erste Retrospektive. Daneben gehörte der Filmemacher zu den regelmäßigen Dozenten der Film-Workshops, die das Goethe-Institut im Rahmen seines Filmprogramms (1982–1988) in Manila abhielt. Dabei unterrichteten deutsche Filmgrößen wie Schroeter junge philippinische Filmschaffende in Regie-, Kamera-, und Schnitttechnik. Gemeinsam produzierten sie Kurzfilme, Dokumentarfilme und zuletzt sogar Spielfilme.
Der größte Erfolg dieses Kooperationsprojekts war die erste Oscar-Nominierung für einen philippinischen Film, einen Kurzfilm, der im Rahmen der Workshops entstanden ist. Schroeter selbst wurde während dieser Zeit zu seinem Film Der lachende Stern (1983) inspiriert, indem er die gesellschaftlichen Umstände Manilas unter der Marcos-Diktatur eingefangen hat. Auch Tango realidad social en Argentina war so ein gemeinsames Projekt, das Schroeter 1983 zu einem Workshop und einer Inszenierung nach Buenos Aires führte.

Filmemacher Werner Schroeter
(Foto: dpa/picture-alliance)
(Foto: dpa/picture-alliance)
Bei aller Freude an fremden Ländern und Kulturen fand Schroeter doch auch immer wieder den Weg zurück in die Heimat, etwa als er 1991 Ingeborg Bachmanns Malina verfilmte. Und noch kurz vor seinem Tod arbeitete er an der Berliner Volksbühne. Dort brachte er eine melancholische Neuinszenierung von Bernard-Marie Koltès' Quai West auf die Bühne. „Auch in der Verzweiflung liegt Schönheit“, so rechtfertigte er die überaus düstere Art, mit der er sich dem Werk genähert hatte. Eine Beschreibung, die auf ein Gutteil seines Gesamtwerks passen würde. Meist dominierte darin die Finsternis, die Hoffnungslosigkeit. Er zeichnete Utopien auf, die er dann doch stets an der rauen Wirklichkeit scheitern ließ. Allerdings porträtierte er diese Trostlosigkeit stets in ästhetischer Vollendung: mit Assoziativ-Montagen im Stile von Luis Buñuel und einer Kameraführung in der Manier der französischen Nouvelle Vague – und letztendlich verteidigte er gerade auf diese Weise die bunten Träume gegen die graue Realität.
Schroeter gehört zweifellos zu den bedeutendsten Regisseuren des deutschen Autorenkinos neben Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog und Wim Wenders. Oft wiesen seine Filme starke Parallelen zu Opern auf, denn dort fand er seine wahre Inspiration: in den Stücken seiner „Göttin“, der Operndiva Maria Callas.
Das Goethe-Institut würdigt den ehemaligen Weggefährten mit einer Sonderedition. Ende des Jahres erscheint in bewährter Kooperation mit dem Münchner Filmmuseum und dem Filmmuseum Amsterdam eine Doppel-DVD in der Serie Edition Filmmuseum mit sechs von Schroeters frühen Filme. In Paris wird im Zusammenspiel des Goethe-Instituts Frankreich mit dem Centre Georges Pompidou ab Dezember 2010 eine groß angelegte Retrospektive gezeigt. Begleitende Austellungen geben Hintergrundinformationen zum Werk des verstorbenen Künstlers.
-ke-







