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„Amazonas-Musiktheater“: Herr Lehmann, warum macht das Goethe-Institut so etwas?

Pablo MartinsCopyright: Pablo Martins
Besuch bei den Yanomami: Workshop mit Schamanen und Anthropologen (Foto: Pablo Martins)

7. Mai 2010

Bei der Münchener Biennale feiert das Amazonas-Musiktheater seine Uraufführung. In seiner Dimension dürfte das Projekt einzigartig sein – und doch ist es „typisch Goethe“, erklärt der Präsident des Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, im Interview.

Bei der Münchener Biennale feiert das Amazonas-Musiktheater seine Uraufführung. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Lehmann: Sie entstand vor beinahe fünf Jahren am Goethe-Institut São Paulo im Rahmen unserer Schwerpunktthemen Tropen und Kultur und Klimawandel. Es war den Kolleginnen und Kollegen damals ein großes Anliegen, die vielfältigen wissenschaftlichen Ergebnisse der Amazonas-Forschung in einem Kulturprojekt darzustellen. In einem Gemeinschaftsprojekt mit Wissenschaftlern und Künstlern ist eine ganz neue Form des Multimedia-Musiktheaters entstanden.

Das Projekt, so viel kann man schon jetzt sagen, ist auch beim Goethe-Institut einer der Höhepunkte des Jahres. Warum?

Selten kommen in einem Projekt so viele Dimensionen zusammen wie bei der Amazonasoper. Es ist ein Kulturprojekt, das hohen künstlerischen und hohen gesellschaftspolitischen Ansprüchen gerecht werden möchte. Dabei beruht es auf einem weitgespannten Netz hervorragender Partner und Förderer. Flankiert wird es zudem von einem umfangreichen Recherche- und Begleitprogramm und einem starken Web-Portal, welches die Entstehung des Projekts begleitete. Und noch eine Besonderheit möchte ich heraus stellen: Noch nie hatte ein so großes Projekt des Goethe-Instituts in München, dem Sitz unserer Zentrale, Premiere.

Was ist das Besondere an dieser „Oper“?

Ganz bestimmt die Zusammenarbeit mit einem indigenen Volk, den Yanomami, die im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Venezuela leben. Sie sind wichtige Partner in diesem Projekt. Sie kommen jedoch nicht auf die Bühne, treten nicht auf. Sie haben vielmehr mit den übrigen Projektpartnern hinter der Bühne zur konzeptionellen Entwicklung des Stücks beigetragen. Auf Einladung des Schamanen Davi Kopenawa fand dazu ein Workshop mit mehreren Schamanen und dem Anthropologen Bruce Albert im brasilianischen Regenwald statt.

Wir haben es hier mit einem riesigen, internationalen Gemeinschaftsprojekt zu tun – steht das Amazonas-Musiktheater damit auch für ein neues Verständnis der Kulturarbeit beim Goethe-Institut?

Es muss keineswegs riesig sein, aber internationale Gemeinschaftsprojekte gehören zur Kernarbeit des Goethe-Instituts. Das ist nicht neu, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Partnern gehört zu den wichtigsten Grundsätzen des Goethe-Instituts. Auch dieses Großprojekt war nur auf der Basis der jahrelangen vertrauensvollen Zusammenarbeit mit unseren Partnern in Brasilien und Deutschland möglich. Nicht ganz neu, aber auch nicht die Regel ist, dass wir hin und wieder auch Großes in Deutschland wagen und damit die Sichtbarkeit unserer Arbeit in Deutschland fördern. Deutschland soll etwas von den Kulturbegegnungen, die Goethe-Institute in der Welt initiieren, erfahren, es soll begreifen, wie wichtig das kulturelle Engagement ist und was man erreichen kann.

Das Thema „Ökologie und Klimawandel“ scheint neuerdings eine Rolle im Goethe-Institut zu spielen. Warum?

Auch das ist keineswegs neu. Seit mehreren Jahren beschäftigen wir uns mit den Auswirkungen des Klimawandels und den Anknüpfungspunkten von Natur und Kultur. Wie sieht das Klima der Zukunft aus? Wie wird Klimawandel zu Kulturwandel? Wie wird sich unsere Gesellschaft verändern? Wie greift die Kunst diese Veränderungen auf? Welche Perspektiven kann sie vermitteln? Das sind Fragen, die uns schon eine ganze Weile beschäftigen. Antworten können nur dann gefunden werden, wenn die Überzeugung wächst, dass diese Probleme uns alle angehen und nicht nur auf den politischen Weltkonferenzen isoliert verhandelt werden. Goethe-Institute können mit ihrer interkulturellen Kompetenz glaubwürdig mobilisieren und über ungewohnte Präsentationsformen neue Gruppen erreichen.

Wie geht es nach der Premiere in München weiter?

Es folgt Ende Mai eine Projektpräsentation mit Exzerpten in Rotterdam, dann kommt das gesamte Projekt Ende Juli in São Paulo auf die Bühne. Im Oktober sind weitere Aufführungen in Lissabon geplant. Die umfangreiche Website, die auch Materialien für Lehrer zum Download sowie einen Trickfilm-Wettbewerb umfasst, steht für die Nachhaltigkeit dieses Projekts.

-db-
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