Goethe aktuell

Regisseur Schlöndorff: „Für Goethe würde ich mich vierteilen lassen“

Enriko BöttcherCopyright: Enriko Böttcher
Ehepaar Lehmann und Schlöndorff: „Ohne das Goethe-Institut gäbe es uns nicht“ (Foto: Enriko Böttcher)

7. Juli 2010

800 Gäste aus Politik und Kultur, afrikanische Tänze und ein packendes Fußballspiel: Das Goethe-Institut hat in Berlin Hof gehalten. Staatsministerin Pieper brachte eine Überraschung mit zum Fest, Filmemacher Schlöndorff eine ganz besondere Liebeserklärung.

Afrika und Fußball – diese Kombination ist derzeit allgegenwärtig. Auch zum Parlamentarischen Sommerfest des Goethe-Instituts wurden diese beiden Themen aufgegriffen. In seiner Ansprache hob Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, das zunehmende Engagement des Goethe-Instituts in Afrika hervor, das mit der „Aktion Afrika“ des Auswärtigen Amtes im Jahr 2008 eine weitere Förderung erhalten hatte. Durch entsprechende Sondermittel sei es gelungen, das „Netzwerk zu stärken und weiter auszubauen, den innerafrikanischen Dialog stärker zu fördern und das wichtige Projekt „Kultur und Entwicklung“ auch in der Region Subsahara-Afrika zu etablieren.“

Auch viele der zahlreichen Gäste konnten nicht umhin, ihren Blick nach Afrika zu richten – auf einer Großleinwand wurde auch hier im Veranstaltungsort Hamburger Bahnhof das Fußballspiel Niederlande-Uruguay aus Kapstadt übertragen.

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Staatsministerin Pieper: Vertrauensvolle Zusammenarbeit (Foto: Enriko Böttcher)
Zahlreiche Politiker hatten sich eingefunden – von Claudia Roth bis Norbert Lammert, aber auch Prominente aus der Kultur wie Uwe Timm, Susanne Linke, Andreas Dresen oder Joachim Król folgten der Einladung des Goethe-Instituts, das bereits zum fünften Mal sein Berliner Sommerfest veranstaltete. Das offizielle Thema: Afrika.

Mit der Neueröffnung zweier Institute in Luanda und Daressalam ist es dem Goethe-Institut nach den Worten Lehmanns gelungen, sich in der Region Subsahara-Afrika neu zu positionieren. Damit zeigt das Institut nun in 24 Ländern Präsenz. Ganz entscheidend für die Arbeit des Goethe-Instituts in Afrika sei „das einzigartige kulturelle und künstlerische Potenzial und die vielfältigen Anknüpfungspunkte für den zivilgesellschaftlichen und künstlerischen Austausch“, so der Präsident des Goethe-Instituts. 2009 sei das erfolgreichste Jahr seit Bestehen des Goethe-Instituts gewesen, „und dieses Niveau muss gehalten werden“, so Lehmann weiter. Allerdings könne dies nur gelingen, wenn die bisher angestrebten Haushaltskürzungen des Auswärtigen Amtes gering gehalten würden.

Diese Botschaft vernahm auch Cornelia Pieper. Die für Auswärtige Kulturpolitik zuständige Staatsministerin im Auswärtigen Amt bedankte sich bei Lehmann für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und kündigte unter großem Beifall der Zuhörer „eine Überraschung“ an: In zwei Schritten würden spätestens nach der parlamentarischen Sommerpause ein bisher eingefrorener Teil des Haushalts in der Höhe von 3,5 Millionen Euro freigegeben.

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Tanzdarbietung Logobi (Foto: Enriko Böttcher)
Nicht genug fand Volker Schlöndorff. Angesichts von 10 Millionen Euro, die das Goethe-Institut in diesem Jahr weniger bekomme, fehlten immer noch 6,5 Millionen. Wie sehr ihm das Goethe-Institut ans Herz gewachsen ist, daran ließ Schlöndorff keinen Zweifel: Ohne das Goethe-Institut, so der Filmemacher, gäbe es Regisseure wie Wim Wenders, Werner Herzog, Rainer Werner Fassbinder, Margarethe von Trotta und ihn selbst nicht: „Das Goethe-Institut öffnet die Welt für Filmemacher.“ Und als ob das Lob noch nicht genug gewesen sei, endete er: „Für das Goethe-Institut würde ich mich vierteilen lassen.“

Künstlerischer Höhepunkt des Abends waren Darbietungen der Theaterregisseurin Monika Gintersdorfer und des bildenden Künstlers Knut Klaßen, die bereits seit fünf Jahren als Regiekollektiv gemeinsam unterwegs sind und mit einem deutsch-ivorischen Team Theater-, Video- und Ausstellungsprojekte in Deutschland und der Elfenbeinküste entwickeln. In Berlin tanzten die Darsteller nun mitten durch die Gäste – eine Darbietung aus ihrer „Logobi“-Reihe. Logobi – das heißt Straßentanz aus der Elfenbeinküste: In der fünfteiligen Reihe treffen Choreographen der europäischen Tanzszene auf ihre ivorischen Pendants und zeigen sowohl Unterschiede als auch Parallelen zwischen dem traditionellen afrikanischem und dem zeitgenössischen europäischen Tanz auf.

-mb-

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