Goethe aktuell

Meister der deutschen Sprache: Wettkampf in einer kniffligen Disziplin

Barbara LehnbachCopyright: Barbara Lehnbach
Teilnehmer der Olympiade bei der Abschlussveranstaltung (Foto: Barbara Lehnbach)

3. August 2010

Deutsch als Fremdsprache ist nicht für alle Zungen leicht zu erlernen. Einige derer, die es dennoch tun, trafen sich jetzt in Hamburg zur zweiten Deutscholympiade. Am Ende des Wettstreits gab es viele Gewinner. Darunter: die deutsche Sprache.

Zugegeben: Für Puristen und Pedanten ist der Titel ein Graus: Deutscholympiade! Bezeichnet doch die Vokabel „Olympiade“ den Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen und nicht den Wettbewerb selbst. Doch Sprache lebt, und so hat sich also auch der Wettbewerb, bei dem mit der deutschen Sprache gerungen wird, in seiner Bezeichnung der umgangssprachlichen Bedeutung des Wortes gebeugt.

Diese Olympiade ist nun in Hamburg zu einem großen Erfolg geworden. Fast 90 Schüler aus fünf Kontinenten waren hierher gekommen, um ihre Deutschkenntnisse mit Mitschülern zu messen. Die Teilnehmer der Internationalen Deutscholympiade waren zwischen 16 und 19 Jahre alt und haben sich in Vorentscheidungen in ihren Heimatländern qualifiziert. Sie traten auf drei Sprachniveaus gegeneinander an und mussten in einem kreativen Wettbewerb sowohl Einzel- als auch Gruppenarbeiten lösen. Eine Jury, in der Lehrer des Goethe-Instituts und Medienvertreter mitarbeiteten, wählte insgesamt zehn Gewinner aus.

Einen der ersten Plätze belegte Mihaela Antonova. Sie ist 16 Jahre alt und hat die Jury mit ihren hohen Sprachfertigkeiten, besonders mit ihrem großen Wortschatz, überzeugt. Sie kommt aus Bulgarien und hat mit ihrer Gruppe eine Talkshow inszeniert, in der sie selbst die Rolle einer Designerin übernahm, die Models nur dann engagiert, wenn sie mindestens 65 Kilogramm auf die Waage bringen. Für ihre Wandzeitung hat sie einen beeindruckenden Artikel über Musicals in Hamburg geschrieben.

Wie die 16-Jährige lernen viele der Jugendlichen schon seit Jahren Deutsch, sind aber zum ersten Mal nach Deutschland gereist. Im Mittelpunkt der Olympiade standen Recherchen und Gespräche der Jugendlichen zu Themen wie: „Was bedeuten Glück oder Freundschaft in Deutschland und was in meinem Land?“ Oder: „Wie stelle ich mir meine Zukunft vor?“ Aber auch: „Sind die Menschen, die in Deutschland leben, verschlossener oder offener als in meiner Heimat?“

Deutsch-Boom in Asien

Aber auch Theater- und Musikprojekte gehörten dazu. Kenichi Kiyohara etwa hat mit seiner Gruppe nicht nur einen Rap auf die Bühne gebracht, sondern auch eine romantische Liebesgeschichte. Sein eigenes Interesse an der deutschen Sprache ist jedoch weniger romantisch, sondern ganz praktisch: Der 20-jährige Japaner möchte Jurist werden und die Verbindungen zwischen Japan und Deutschland ausbauen helfen.

Zwei Wochen lang dauerte der Wettbewerb. Der Kulturaustausch sowie das Treffen mit Jugendlichen aus aller Welt waren für die meisten dabei genauso wichtig wie der Wettstreit um den Titel – ganz gemäß dem olympischen Leitsatz: Dabei sein ist alles.

So zeigten sich schließlich auch die Veranstalter rundum begeistert. „Die weltoffene Hafenstadt Hamburg war der ideale Austragungsort für den friedlichen Wettstreit der Gäste aus 46 Ländern“, schwärmte etwa Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident des Goethe-Instituts. Matthias Makowski, der Leiter der Abteilung Sprache des Instituts, würdigte auch den großen Einsatz der Lehrer in den Heimatländern der Wettkämpfer.

Zu sehen, wie groß die Begeisterung für die deutsche Sprache noch immer weltweit ist, ist für das Goethe-Institut Ansporn und Bestätigung zugleich: Weltweit erhalten jährlich etwa 1.700 Deutschlehrer Stipendien, um sich in Deutschland fortzubilden. Und rund 200.000 Menschen besuchen einen Sprachkurs – sei es an einem der 136 Goethe-Institute im Ausland oder an einem der 13 Institute in Deutschland.

Die meisten Deutschlernenden gibt es laut den aktuellen Zahlen des Netzwerkes Deutsch in Polen und Russland. Insgesamt ist das Interesse am Erlernen der deutschen Sprache in den Ländern des ehemaligen Ostblocks seit 2000 zwar stark zurückgegangen, dennoch sind Deutschland und seine Sprache im Zuge der Globalisierung für viele Weltregionen attraktiv. Einen regelrechten Deutsch-Boom verzeichnet man in asiatischen Ländern wie etwa Indien, aber auch in Brasilien erfreut sich die Sprache zunehmender Beliebtheit.

Es war das zweite Mal, dass die IDO auf deutschem Boden ausgetragen wurde. Die erste fand 2008 in Dresden statt. Die positiven Erfahrungen, die damals gemacht wurden, hatten die Initiatoren – das Goethe-Institut und den Internationalen Deutschlehrerverband – beflügelt, eine weitere Olympiade in diesem Jahr auszutragen. Die Veranstaltung ist Teil der Kampagne Deutsch – Sprache der Ideen des Auswärtigen Amts und findet alle zwei Jahre statt.

-db-

Mit Unterstützung der Deutschen Welle
Links zum Thema

Goethe aktuell:

Über den RSS-Feed
können Sie sich über Neuigkeiten aus der Welt des Goethe-Instituts auf dem Laufenden halten.

Jahrbuch-App 2013

Entdecken Sie die Arbeit des Goethe-Instituts weltweit und klicken Sie sich durch die Höhepunkte des Jahres 2013. Unsere Jahrbuch-App für iPads steht ab jetzt kostenlos zum Download im App Store bereit.

Goethe-Institut.
Reportagen Bilder Gespräche

Das Magazin des Goethe-Instituts berichtet dreimal im Jahr über die Arbeit des Instituts.

Twitter

Aktuelles aus den Goethe-Instituten