Goethe aktuell

50 Jahre Goethe-Institut Berlin: Basislager für Entdecker

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Goethe-Institut Berlin: „Der Schlüssel nach Deutschland“ (Foto: Goethe-Institut)

10. September 2010

149 Goethe-Institute gibt es – verstreut über die ganze Welt. Dabei gerät manchmal in Vergessenheit, dass sich ein gutes Dutzend davon in Deutschland befindet. Ein Geburtstag erinnert nun an die ganz besondere Rolle, die ihnen zukommt.

„Das Goethe-Institut Berlin war mein Taufpate bei einer großen existentiellen Wende im Herbst 2000.“ Stefano Zangrando wählt große Worte für seinen freundlichen Geburtstagsgruß. Kein Wunder: Der Italiener ist ja auch Schriftsteller. Als er das Goethe-Institut Berlin im Jahr 2000 kennenlernte, war er gerade 27 Jahre alt. An der Schule hatte er ein bisschen Deutsch gelernt, in einer Großstadt hatte der gebürtige Bozener bis dato nie gelebt. In jeder Hinsicht, so schreibt Zangrando, sei die Zeit in Berlin eine bereichernde Erfahrung gewesen.

Goethe-Institut? Berlin? Für manch einen ist das eine überraschende Kombination. Ist doch, so mag man denken, das Goethe-Institut das deutsche Sprach- und Kulturinstitut im Ausland. Sicher, Zangrando hätte auch in Rom oder Mailand einen Deutschkurs des Goethe-Instituts besuchen können.

Doch wo, wenn man sich den Luxus gönnen kann, lernt man eine Sprache besser als in ihrem Ursprungsland; dort, wo sie einen Tag und Nacht umgibt und einem die Möglichkeit des völligen Eintauchens eröffnet? Deshalb gibt es auch in Deutschland eine Reihe von Goethe-Instituten, 13 an der Zahl. Eines davon befindet sich natürlich auch in Berlin. In der Hauptstadt, klar. Allerdings war Goethe schon lange vor der Regierung da.

Die Bedeutung der Institute in Deutschland geht freilich über die eines einfachen Sprachkurs-Anbieters hinaus. „In unserem weltweiten Netzwerk sind die Institute der Schlüssel nach Deutschland“, erläutert Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident des Goethe-Instituts. „Erfolgreiche Formate und kreative Impulse aus der Arbeit der Goethe-Institute im Ausland, die in ganz unterschiedlichen kulturellen Kontexten gesammelt werden konnten, werden über die Institute in Berlin, Dresden oder München nach Deutschland gespielt.“

Angefangen mit zwölf Schülern

Lehmann hat auch gleich ein Beispiel parat: „Das Programm Fortbildung von Imamen in Deutschland etwa knüpft an einen Vorbereitungskurs des Goethe-Instituts in der Türkei an.“ Auch für andere nationale wie internationale Kulturakteure seien die Goethe-Institute in Deutschland wichtige Partner und spielten dadurch eine ganz zentrale Rolle für den interkulturellen Dialog in Deutschland. „Das Goethe-Institut in Berlin ist gerade in diesem Zusammenhang ein Vorreiter für unsere Arbeit in Deutschland.“

Und nun blickt dieser Vorreiter schon auf ein halbes Jahrhundert bewegte Geschichte zurück. Angefangen hat es 1960 in einer kleinen Villa im Bezirk Grunewald – mit zwölf Sprachschülern. Damals war es durchaus ein Wagnis, ein Goethe-Institut zu gründen. Neue dramatische Entwicklungen waren damals in Berlin jederzeit möglich und konnten sich entsprechend auf die Attraktivität für ausländische Studenten auswirken. Nur ein Jahr später wurde die Mauer gebaut.

50 Jahre und vier Umzüge später hat sich das Institut zur internationalen Lehr- und Begegnungsstätte in Berlin-Mitte entwickelt, an der jährlich zehntausend Gäste weilen. Neben Sprachschülern – darunter Botschafter, Manager, Politiker, Künstler, Journalisten, aber auch Studenten und Berufsanfänger aller Fachrichtungen – sind dies zum Beispiel Deutschlehrer, die hier aus- und fortgebildet werden. Auch Prominente wie der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa und der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang haben sich hier noch mal auf die Schulbank begeben. „Das Institut an der Neue Schönhauser Straße“, so Lehmann, „ist ein wundervoller Ort des Lernens, des Austauschs und des inspirierten Entdeckens.“

Als Ausländer aus der Provinz in ein fremdsprachiges Großstadtmilieu einzutauchen sei die fruchtbarste Erfahrung gewesen, die er je gemacht habe, sagt Schriftsteller Zangrando. „In vier Monaten und zwei Kursen samt Freizeit- und Kulturprogramm lernte ich sehr viel mehr als in zehn Jahren Schulunterricht. Unvergesslich.“

-db-

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