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Das Lieblingsbuch: Ein Freund fürs Leben

Kiselev Andrey ValerevichCopyright: Kiselev Andrey Valerevich/Shutterstock
Frühe Liebe, alte Freunde: Die Bücher der Kindheit sind manchem Leser oft die kostbarsten (Foto: Kiselev Andrey Valerevich/Shutterstock)

5. Oktober 2010

Es ist wieder Buchmesse, und alles dreht sich um die Neuerscheinungen. Doch welche deutschen Bücher haben die Leser bereits in ihr Herz geschlossen? Das haben sich das Goethe-Institut und der Deutsche Sprachrat gefragt – und die schönste „Geschichte einer Freundschaft“ gesucht. Von Sophie Rohrmeier

Freunde fürs Leben zu gewinnen ist nicht einfach. Eine gemeinsame Geschichte braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Und am längsten währen oft die Freundschaften, die schon in früher Kindheit oder Jugend geschlossen wurden. So wurde nun der Wettbewerb Mein Lieblingsbuch für viele Teilnehmer zu einer Reise in die Vergangenheit. Mehr als 4.000 Menschen aus 57 Ländern beteiligten sich an dem Wettbewerb. Eine prominent besetzte Jury, zu der unter anderem die ehemalige Kulturstaatsministerin Christina Weiss, der Journalist Henryk M. Broder und der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, gehören, kürt die Preisträger. Ausschlaggebend für das Urteil der Jury ist dabei nicht das jeweilige Buch, sondern die Begründung, warum gerade dieses das Herz des Lesers gewonnen hat.

Die zehn meistgenannten Bücher überraschen auf den ersten Blick. Goethes Faust nur auf Platz sieben? Gleich drei Kinderbücher (Krabat von Otfried Preußler sowie Die unendliche Geschichte und Momo von Michael Ende)? Die Liste stellt keinen literarischen Kanon auf, sondern zeigt individuelle Leseerfahrungen aus aller Welt. Viele der Einsender haben Deutsch als Fremdsprache gelernt. Und viele haben einfach das Buch besonders ins Herz geschlossen, mit dem sie die Freude am Lesen entdeckt haben.

So ist für die Schauspielerin Karoline Herfurth ihre erste zugleich ihre liebste Lektüre: Die unendliche Geschichte. „Ich finde, dieses Buch erzählt so viel Wahrheit auf poetische Weise.“ Damit steht die Schauspielerin Herfurth offensichtlich nicht allein. Aber auch ältere Zeitgenossen erinnern sich noch immer an ihre Kindheitslektüre. Hans Magnus Enzensberger etwa schreibt über Hatschi Bratschis Luftballon (1904) von Franz K. Ginzkey: „Ich hatte damals, mit fünf, etwas gegen die Schwerkraft und wollte davonfliegen, und da kamen mir Verse wie dieser gerade recht: ‚Pfeilschnell durch die Luft davon / flog Hatschi Bratschis Luftballon‘“.

Ein Stück Welt

So verschieden diese Bücher, so verschieden auch die Geschichten dazu: Die im Goethe-Institut eingegangenen „Liebesbriefe“ erzählen auf ganz unterschiedliche Weise die Geschichten der besonderen Verbindung zwischen einem Buch und der Person, die es gelesen hat. Doch eines verbindet sie alle: Es schwingt immer Dankbarkeit mit, eine tiefe Verbundenheit, die auf der Erfahrung gründet, dass die Leser in den Texten Wahrheit gefunden haben – ihre Wahrheit. Der Tenor aller Plädoyers ist: Mein Lieblingsbuch hat mir ein Stück Welt erzählt und etwas Wahres zu sagen über das Leben, das wir führen.

Auch Schriftsteller Ingo Schulze liebt das Wahre am auserwählten Werk, Detlev Opitz‘ historischem Roman Der Büchermörder: „Das Allerschönste daran ist, dass fast alles auch noch stimmt.“ Das Kriterium scheint zu sein: Das Buch muss zum Leser sprechen, ihm etwas verkünden, ihn lehren und leiten, ihm die Welt verstehen helfen.

Der Dokumentarfilmer und Stückeschreiber Andres Veiel und seine Freunde wünschten sich ein Buch, dass ihrer Antipathie gegen das Establishment Ausdruck verleiht. „Wir suchten uns Verbündete.“ Und sie fanden Peter Handkes Das Gewicht der Welt, das damals einen Nerv traf. Ebenfalls unter den obersten Zehn fanden sich: Buddenbrooks von Thomas Mann, Der Vorleser von Bernhard Schlink, Patrick Süskinds Das Parfüm und Remarques Im Westen nichts Neues.

Aus allen Einsendungen die charmanteste auszuwählen ist keine leichte Aufgabe. Am 6. Oktober werden die Jury-Mitglieder die Gewinner des Wettbewerbs auf der Frankfurter Buchmesse bekannt geben.

Das Goethe-Institut auf der Frankfurter Buchmesse 2010:

Neben der Würdigung des besten Lieblingsbuch-Plädoyers wird das Goethe-Institut auf der Frankfurter Buchmesse 2010 seine Aufmerksamkeit vor allem dem diesjährigen Gastland Argentinien widmen. Im Programm sind zahlreiche Gespräche zum Thema geplant. Das Spektrum reicht von Autorengesprächen über das Stadtschreiberprojekt Rayuela bis hin zur Debatte über den argentinischen Wald. Darüber hinaus ist das Goethe-Institut mit Programmpunkten im neuen Forum Weltempfang zu Gast. Dort finden Autorendiskussionen zum Projekt The Promised City und eine afrikanische Literaturperformance statt.
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