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Film für Fortgeschrittene: Wie man die Bilder laufen lehrt

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Szene aus „Girls from Jenin“ (Foto: Filmgalerie 451)

16. Dezember 2010

Lehrer, denen man noch etwas abschauen kann, die werden auch von Profis geschätzt. Deshalb schickt das Goethe-Institut gestandene Filmemacher rund um die Welt – und wird mit so manchem cinematogrophischen Highlight belohnt. Von Andreas Wirwalski

Nicht nur um die Vermittlung von deutsche Kultur und Sprache geht es bei den Weiterbildungslehrgängen, die Goethe-Institute in aller Welt gemeinsam mit anerkannten Filmemachern anbieten. Zunächst einmal steht bei den Kursen das professionelle Know-how im Vordergrund.

Ein erfolgreiches Beispiel ist das Südostasien-Engagement des Berliner Dokumentarfilmers Sebastian Winkels. Der gelernte Kameramann und studierte Regisseur, der 2003 mit seinem abendfüllenden Kinodebüt 7 Brüder bekanntgeworden ist, brachte von April 2008 bis Oktober 2009 als Tutor im Auftrag des Goethe-Instituts Jakarta und des Jakarta Arts Council jungen indonesischen Filmleuten das cinematografische Arbeiten bei. Unter dem Motto „Indonesia – Ten Years After Reformasi“ sollten schon im Beruf stehende Filmschaffende lernen, wie man künstlerisch hochwertige und intellektuell unabhängige Dokumentarfilme realisieren kann.

Anfänglich war das von der Ford Foundation und der Friedrich-Naumann-Stiftung unterstützte Bildungsprojekt auf zwölf Monate beschränkt. „Im Sommer 2008 waren zunächst um die 30 Teilnehmer zwischen 30 und 35 Jahren anwesend, aus denen wir sieben Arbeitsgruppen mit je einem Regisseur, Kameramann, Cutter et cetera bildeten“, erinnert sich Winkels. „Allerdings habe ich den Teilnehmern gesagt, dass wir in den kommenden Monaten hier richtig arbeiten werden. Da wurde die sprichwörtliche Luft bei den Teilnehmern allmählich dünn.“ Auf Anraten Winkels’ wurde das Projekt um ein halbes Jahr verlängert, und am Ende konnten die vier Teams, die durchgehalten hatten, höchst beachtliche Produktionen vorweisen.

Sprungbrett für die Karriere

Unter dem Titel Tales from Jakarta brachte die Filmgruppe zunächst fünf Kurzfilme heraus, von denen es ein Titel sogar in Kurzfilmsektion der Berlinale 2009 geschafft hat. Nach Abschluss des gesamten Workshops kristallisierten sich laut Winkels vier „richtig gute“ Treatments für abendfüllende Kinodokumentationen heraus, von denen zwei bereits fertig abgedreht sind. Daher bleibt Tutor Sebastian Winkels auch vorerst weiterhin mit seinen Studenten verbunden. Zuletzt war er im September in Indonesien, um die Teams zu beraten.

Dass die Goethe-Workshops den Teilnehmern nicht nur ein schönes Zertifikat einbringen, sondern durchaus ein Sprungbrett in eine neue Karriere bedeuten können, hat Winkels schon im Nachklapp eines von ihm 2007 geleiteten Kurzfilm-Workshops in Yaoundé, Kamerun, beobachten können. Die damalige Teilnehmerin Ariani Astrid Atodji hat es in diesem Jahr geschafft, mit ihrem Langfilmdebüt Koundi and the National Thursday in die Wettbewerbs-Reihe Generation DOK des renommierten Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm zu kommen.

Wie begeistert Teilnehmer der Workshops zu Werke gehen können, beobachtete auch der Berliner Filmregisseur und Produzent Frieder Schlaich (The Invisible Frame, Paul Bowles Halbmond). Im Auftrag des Goethe-Instituts Ramallah unterrichtete er 2005 zwei Wochen lang 16 Schülerinnen aus der Stadt und dem Flüchtlingslager Dschenin im Umgang mit Kameras. „Nach einer inhaltlichen und technischen Einführung, wobei auch das manipulative Element von TV-Reportagen zur Sprache kam, sollten die Mädchen schließlich einen halben Tag drehen und einen ganzen Tag schneiden“, erzählt Schlaich.

Mit Kopftuch und Kamera

Herausgekommen sind neun interessante Kurzfilme über den palästinensischen Alltag. Geradezu ansteckend war für den Filmdozenten die „euphorische“ Motivation der Schülerinnen, die mit Kopftuch und Kamera selbst fremden Männern auf der Straße unerschrocken begegneten. Frieder Schlaich hat seinerseits das Projekt unter dem Titel Girls from Jenin in einem eigenen, 60 Minuten langen Dokumentarfilm festgehalten. Eine seiner ehemaligen Schülerinnen, so erzählt er, besucht mittlerweile eine Filmschule in den USA.

Ähnliche Zwei-Wochen-Workshops hat Schlaich in Algier und zuletzt im März 2010 Addis Abeba (Äthiopien) veranstaltet, allerdings dort mit erwachsenen Studenten der Blue Nile Film and Television Academy und der Ethiopian Filmmakers Association. Beeindruckt von der „großen Energie“ der jungen Filmemacher, wünscht er sich zukünftig aber vor allem längerfristige Engagements, um das zeitraubende Filmemachen intensiver begleiten zu können.
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