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Steidl-Film: Der Buchmacher

Adolph/WetzelCopyright: Adolph/Wetzel
Szene aus „How to Make a Book with Steidl“: Auch Modezar Karl Lagerfeld (M.) lässt seine Bücher von Steidl (r.) verlegen

18. November 2010

Robert Frank, Joel Sternfeld, Ed Ruscha oder Robert Adams: Große Fotografen und Künstler stehen Schlange und warten geduldig, bis der Meister Zeit für sie hat. Denn wenig adelt so sehr, wie von Gerhard Steidl verlegt zu werden. Wie das geht, erzählt nun ein bemerkenswerter Film.

Göttingen, Düstere Straße. Die Adresse klingt wenig verheißungsvoll. Und dennoch pilgern sie aus der ganzen Welt hierher. Vor allem für Fotokünstler ist der Steidl-Verlag eine ganz besondere Anlaufadresse: Wer hier verlegt wird, der hat es geschafft. Allein in Besitz der verlagsinternen Broschüre How to Make a Book with Steidl zu gelangen, gilt daher für viele schon als besondere Errungenschaft. Seit über 40 Jahren führt Gerhard Steidl seinen Verlag. Erfolgreich. Und das, obwohl mit Fotokunst in Deutschland kaum Geld zu machen ist. Steidl hat sich deshalb auf den internationalen Markt verlegt.

How to Make a Film about Steidl

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Denselben Namen wie die Broschüre trägt nun der Dokumentarfilm von Jörg Adolph und Gereon Wetzel. Das Ergebnis ist gleichermaßen eine tatsächliche Beschreibung, wie ein Steidl-Buch (in diesem Fall iDubai von Joel Sternfeld) entsteht, als auch ein Porträt des umtriebigen und vielfliegenden Verlegers, der seine Kunden persönlich betreut und ständig zwischen Göttingen und New York oder Paris oder Los Angeles hin- und herjettet. Dabei haben ihn die beiden Filmemacher über ein Jahr hinweg begleitet. Sie zeigen absurde Augenblicke, vor allem aber auch leise Momente und beschreiben einen Mann, der mal als grummliger Kauz, mal als jungenhafter Charmeur herüberkommt.

Bei Steidl trifft extremes Zeitmanagement auf akribisch kontrolliertes Chaos, ohne ihn wird keine Entscheidung getroffen, er checkt jeden Bogen, der aus der Druckmaschine kommt, eigenhändig. Der Verlag ist sein Reich, hier ist er der Herrscher im weißen Kittel, der einzige, der zu wissen scheint, in welcher der hunderten von Ablagen etwas einzusortieren ist

How to Make a Book with Steidl ist im Deutschen Wettbewerb der 53. DOK Leipzig mit der Goldenen Taube ausgezeichnet worden. Auf der Duisburger Filmwoche bekam der Streifen den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts.

Übrigens: Das Goethe-Institut weiß inzwischen auch, wie man Bücher mit Steidl macht. In Kooperation mit dem Verlag wurde mit Türkei und Südafrika eine Reihe über zeitgenössische Künstler in den jeweiligen Ländern gestartet. Auch zu zwei Projekten des Goethe-Instituts, Wiedervorlage Nationalkultur (siehe dazu Fünf Minuten über Nationalkultur: „Hallo, du alter Schwede!“) und Mauerreise, sind Bücher entstanden.
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