Goethe aktuell

Musik aus Nairobi: Hipp, hop und urban

Copyright: Adrian Storey
Rap in Kibera: Im größten Slum Ostafrikas begeistern deutsche und kenianische Künstler das Publikum (Foto: Adrian Storey)

27. November 2010

Ein Haus in Nairobi. Drei Wochen lang ist es gleichermaßen Studio, Schlafplatz, Kantine und Begegnungsstätte: Deutsche „Elektro-Künstler“ treffen hier auf kenianische Hip-Hopper. Das Ergebnis ist ein Mix verschiedener musikalischer Kulturen, der jetzt auch zum ersten Mal in Berlin zu hören sein wird.

„Hier ist einfach der Teufel los. Die Beats dröhnen die ganze Nacht und die MCs machen keine Pause.“ Sasha Perera vom Berliner Musikerkollektiv Jahcoozi ist begeistert von der Atmosphäre im Studiohaus in Nairobi. Perera ist Teil eines Austauschprogramms, das es in dieser Art bisher noch nicht gegeben hat: Die Gebrüder Teichmann, Modeselektor und Jahcoozi – drei erfolgreiche Projekte der weltweit gerühmten Berliner Elektromusikszene – sind nach Nairobi gereist, um gemeinsam mit MC Mr. Abbas, der Hip-Hopperin Nazizi, der Elektropop-Gruppe Just a Band und dem Hip-Hop-Kollektiv Ukoo Flani ein Experiment zu wagen: Sie wollen die unterschiedlichen Clubkulturen der beiden Hauptstädte kurzschließen.

Über drei Wochen leben die Künstler dabei unter einem Dach, beschnuppern sich, gehen aufeinander ein und finden schließlich zu einem gemeinsamen musikalischen Konsens, der unter dem Namen BLNRB bekannt wird. Und so wie die beiden Städte in dem Projektnamen verschmelzen, so verschmilzt letztlich auch die Musik der insgesamt 20 Teilnehmer.

Es dauerte allerdings einige Tage, bis alle ihre Gewohnheiten hinter sich lassen konnten, erzählt Johannes Hossfeld vom Goethe-Institut Nairobi: „Die Kenianer mussten immer erst beweisen, wie gut sie die amerikanischen Vorbilder kopieren können, und es dauerte, bis hinter diesen Masken eine viel interessantere eigene Stimme zum Vorschein kam. Und auch die Deutschen brachten ihre eigenen Szeneregeln mit und mussten diese Grenzen überschreiten und sich auf Neues einlassen.“

Wider die exotische Safaripostkarte

Ausgangspunkt waren zwei Szenen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Während die Berliner Elektroszene weltweit für Schlagzeilen sorgt, ist kenianischer Hip-Hop lediglich auf lokaler Ebene erfolgreich – und wie sooft nehmen afrikanische Szenen auch nicht am internationalen Austausch teil. Durch BLNRB wurden schließlich die beiden Musikstile zueinander gebracht, um mit ihren unterschiedlichen Stärken etwas Neues und anderes zu schaffen – europäische Klangästhetik prallt auf afrikanische Hip-Hop-Kultur. Für Initiator Hossfeld dient das Projekt abseits des künstlerischen Aspekts aber noch einem weiteren Zweck: „Wir haben nun die Chance, der exotischen Safaripostkarte und dem Katastrophenklischee etwas entgegenzusetzen: ein hippes urbanes Leben in Nairobi.“

Sie benötigen den Flashplayer , um dieses Video zu sehen
"Dirty Laundry" - Gebrüder Teichmann, Mr. Abbas, Lon Jon, Kimya ist Teil des Sountracks von Soul Boy, dem Film der kenianischen Regisseurin Hawa Essuman.


Erste Stücke sind bereits veröffentlicht, wie beispielsweise der Track Dirty Laundry, den die Gebrüder Teichmann in Nairobi zusammen mit mehreren MCs aufgenommen haben und der als Teil des Soundtracks des kenianischen Spielfilms Soul Boy erschienen ist. Viele weitere Songs werden derzeit für das im Frühjahr 2011 erscheinende Album produziert und wurden bisher nur dem Publikum in Nairobi vorgestellt. Um die Wartezeit bis zur Veröffentlichung des Albums zu verkürzen, erscheint bei outhere Records bereits am 1. Dezember eine EP mit den ersten Tracks des Albums. Erstmals und einmalig werden alle Teilnehmer aus Nairobi und Berlin am selben Tag beim Eröffnungsabend des Worldtronics Festivals 2010 in Berlin im Haus der Kulturen der Welt auftreten und ihre Stücke zum Besten geben.

-mb-
Links zum Thema

Goethe aktuell:

Über den RSS-Feed
können Sie sich über Neuigkeiten aus der Welt des Goethe-Instituts auf dem Laufenden halten.

Jahrbuch-App 2013

Entdecken Sie die Arbeit des Goethe-Instituts weltweit und klicken Sie sich durch die Höhepunkte des Jahres 2013. Unsere Jahrbuch-App für iPads steht ab jetzt kostenlos zum Download im App Store bereit.

Goethe-Institut.
Reportagen Bilder Gespräche

Das Magazin des Goethe-Instituts berichtet dreimal im Jahr über die Arbeit des Instituts.

Twitter

Aktuelles aus den Goethe-Instituten