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Region im Übergang: „Räum dein Zimmer auf, dann kannst du auf die Straße“

Jonathan RashadCopyright: Jonathan Rashad
Umbruch in der arabischen Welt: Demonstranten auf dem Tahrir-Platz (Foto: Jonathan Rashad)

31. März 2011

Erst Tunesien, dann Ägypten, jetzt Libyen, Syrien, Jemen, Bahrain und, und, und ... eine ganze Region ist im Umbruch. Doch was bedeutet der „arabische Frühling“ für die Gesellschaft dieser Länder? Für die Jugend dort? Ein Blog gibt Auskunft.

„Ich habe mein ganzes Leben lang wenig von Politik verstanden. Ich habe es geliebt, die Zeitungen oder ein paar Artikel zu lesen und mir die Nachrichten anzuhören“, schreibt die 24-jährige Martina Ashraf in Kairo, „aber ich habe nie daran gedacht, die Verfassung zu lesen. Und ich habe nie eine Parlamentssitzung angeschaut. Das war in den Tagen, als diese im Fernsehen übertragen und dann verboten wurden, aus Furcht, dass das Schnarchen der Abgeordneten die Zuschauer belästigen würde. Ich habe keinen Wahlberechtigungsschein. Ich dachte so wie viele, dass selbst wenn ich der Regierung meine Stimme anvertraue, sie trotzdem die Wahlurnen mit gefälschten Stimmen füllt. (...) Außerdem hatte ich Angst wählen zu gehen und einen Knüppel auf den Schädel zu bekommen – einfach so. Und ich bin nie auf eine Demo gegangen.“

Doch dann kam das Jahr 2011. Erst die Jasminrevolution in Tunesien, dann der Fall des Regimes Mubarak in Ägypten. Und Martina Ashraf schreibt: „Ich schau mich plötzlich an und sehe, dass ich auf einmal über Politik rede, mich aufrege und mitfiebere. (...) Ich wollte auf die Straße gehen, um auch meinen Teil beizutragen, etwa beim Saubermachen der Straßen und Mülleinsammeln. Aber meine Mutter hat mit zärtlicher Stimme erwidert: ‚Sobald du dein Zimmer und deinen Schrank aufgeräumt hast, kannst du raus gehen und die Straße sauber machen.' Was soll’s ...“

Martina Ashraf ist eine der Autorinnen des Blogs Transit, wo sie auf humorvolle, mitunter sentimentale Weise beschreibt, wie sie die vergangenen Wochen in Kairo erlebt hat. Transit ist ein Blog über die junge Generation in Ägypten, im Nahen Osten und in Nordafrika, mit dem Li-lak, die deutsch-arabische Website für Begegnung und jungen Journalismus, auf die jüngsten Entwicklungen reagiert hat. Die Transit-Redaktion befindet sich größtenteils im Goethe-Institut Kairo – einer Stadt, die zu einer „Großbaustelle entschlossenen Reformwillens“ wurde, wie Günther Hasenkamp, der Leiter der kulturellen Programmarbeit des dortigen Goethe-Instituts, es beschreibt, „denn es gilt nicht weniger, als eine ganze Gesellschaft neu zu errichten“.

Wie junge Menschen diese Neuerrichtung der Gesellschaft erleben – und daran teilhaben –, lesen Sie hier.
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