Goethe aktuell

„Deutsch in den Wissenschaften“: Für alle Fälle einen Plan D

Copyright: Johannes Hein
Sieger des Plakatwettbewerbs: Ein Beitrag von Johannes Hein und Jennifer Bohn (Foto: Johannes Hein)

17. November 2011

Neues aus dem Land der Dichter, aber eben auch Denker: Wir haben bisher unveröffentlichte Worte von Immanuel Kant aufgestöbert – aus dem Jahr 2030. Vorgestellt wurden sie auf einer internationalen Konferenz in Essen für mehr Deutsch in den Wissenschaften. Und guck an: Da strahlt Röntgen!

„Bremsstrahlung is not a last name“ ist der Slogan eines Plakates, ein anderes titelt: „Have the Mut to use deinen own Verstand“ – ein fiktives Zitat Immanuel Kants aus dem Jahr 2030. Das sind zwei aus über 2.000 Entwürfen von Mediendesignern, Wissenschaftlern, Studenten und Deutschinteressierten aus über 50 Ländern, die sich am Kreativwettbewerb Deutsch schafft Wissen beteiligt haben.

Das Goethe-Institut und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hatten im Sommer dazu aufgerufen, sich für die Wissenschaftssprache Deutsch mit Werbesprüchen, Grafiken, oder Fotos zu engagieren. Die 27-jährige Texterin Jennifer Bohn und der 30-jährige Designer Johannes Hein machten schließlich mit ihrer Arbeit das Rennen. Ihre Plakatserie zeigt Babyfotos großer deutscher Erfinder und ihre ersten Worte.

Copyright:  L. C. Baratto, H. Walkenhorst u.a.
Fotostrecke: Plakate im Wettbewerb


So könnte Wilhelm Konrad Röntgens erstes Wort „Guck!“ gewesen sein, mutmaßten die Gewinner, die sich an der Weimarer Bauhaus-Universität kennengelernt haben. Die Muttersprache präge auch das Denken eines Wissenschaftlers. Auf ein frühes „Guck!“ Röntgens könnte genau 50 Jahre später die Entdeckung seiner „X-Strahlen“ gefolgt sein, die heute als Röntgenstrahlen bekannt sind.

Vergangene Woche nahmen Bohn und Hein auf der Zeche Zollverein in Essen den mit 3.000 Euro dotierten ersten Preis entgegen. Es war der Auftakt der dreitägigen internationalen Konferenz Deutsch in den Wissenschaften, zu der das Goethe-Institut, der DAAD und das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache eingeladen hatten.

Nachdem die deutsche Sprache seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle in den Wissenschaften spielte, ist sie mit der wachsenden internationalen Vernetzung von Universitäten und Forschungs- einrichtungen – wie viele andere Sprachen – gegenüber dem Englischen ins Hintertreffen geraten. Ein Anlass für die drei Veranstalter, namhafte Wissenschaftler und Sprachexperten zu einer Konferenz zu bitten, um einen Bewusstseinsprozess anzustoßen: Welche Bedeutung haben Sprachen in der wissenschaftlichen Arbeit? Wie wird die deutschsprachige Wissenschaft international wahrgenommen? Wie lässt sich akademische Mehrsprachigkeit umsetzen?

Unter den knapp 40 Wissenschaftlern, die sich der Diskussion auf fünf Foren und einer Podiumsdebatte stellten, war die Sorge um das Deutsche jedoch gar nicht so groß. „Deutsch als Wissenschafts- sprache ist in allerbester Form“, sagte etwa Peter Eisenberg, Professor für deutsche Sprache der Gegenwart an der Universität Potsdam. „Sie ist eine Universalsprache, die noch alles bedienen kann.“

Dass Englisch die „lingua franca“ ist, wollen auch die Verfechter der deutschen Sprache in den Wissenschaften nicht ändern. Sie fordern vielmehr, die Vorteile von Mehrsprachigkeit sichtbarer zu machen. Ideen dafür gab es auf der Konferenz reichlich: von der Schaffung eines europäischen Zitationsindexes bis hin zu Werbemaßnahmen ähnlich dem Plakatwettbewerb.

Denn, wie Leopoldo Clemente Baratto auf seinem Plakatentwurf wirbt: Für Wissenschaftler sind in Deutschland noch Plätze frei.

-akl-
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