Goethe aktuell

Emil Klotzsch im Interview: „Typisch deutsch“

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Tonkünstler Klotzsch: „Geld verdienen kann ich mit meiner Musik nicht“ (Foto: privat)

10. Dezember 2011

Emil Klotzsch hat Goethes König in Thule neu vertont. Jetzt geht seine Version um die ganze Welt – und wird „remixed“. Ein Gefühl wie Weihnachten, erzählt der Musiker und Sounddesigner.

Herr Klotzsch, Ihr Song „König in Thule“ geht für Goethe.rmx auf Reisen. Was hat Sie an diesem Projekt gereizt?

Von so vielen verschiedenen Menschen aus der ganzen Welt Remixe zu hören – das ist wie Weihnachten. Das Tolle ist auch zu erfahren, ob man länderspezifische Unterschiede in den Remixen heraushören kann oder es doch allein die Künstlerpersönlichkeit ist, die dem Lied seinen Charakter gibt.

Insgesamt sind es neun DJs, die Ihr Stück remixen. Haben Sie bestimmte Erwartungen oder Hoffnungen, was daraus entstehen könnte?

Ich habe natürlich Hoffnungen, dass es interessante Dinge sein werden. Ob die Sachen jetzt wild werden oder zerschrammelt oder melancholisch oder lustig – ich bin auf alles gespannt.

Inwiefern werden sich Ihrer Meinung nach die kulturellen Unterschiede in den Remixen bemerkbar machen? Hört sich ein DJ aus São Paulo anders an als einer aus Moskau?

Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass man es gerade bei elektronischer Musik nicht hört, woher die Leute kommen. Elektronische Musik ist eine universelle Sprache. Aber da die DJs ein deutsches Lied remixen, bin ich gespannt, ob dabei nicht doch in irgendeiner Form etwas Länderspezifisches herauskommt.

Emil Klotzsch - Koenig in Thule (Original) by goethe.rmx

Die Goethe-Ballade „König von Thule“ gehört zum deutschen Kulturgut. Ist Ihre Vertonung typisch deutsch? Gibt es überhaupt typisch deutsche Musik?

Das ist eine schwierige Frage. Aber ja, ich würde sagen, dass das, was ich gemacht habe, in gewisser Weise typisch deutsch ist, weil es sich vom Musikstil her an die Romantik anlehnt – etwas sehr Deutsches – diese Art der Melancholie, das deutsche Kunstlied.

Sie bieten Ihre Musik zum kostenlosen Download an. Was hat Sie dazu bewogen?

Geld verdienen kann ich mit meiner Musik eh nicht. Labels, die meine Musik veröffentlichen würden, haben Auflagen von 100 bis 500 CDs. Dann habe ich irgendwo gesehen, dass es Netlabels gibt. Ich war total angetan davon und dachte: Was möchte ich? Ich möchte, dass möglichst viele Leute meine Musik hören. Über Netlabels erreiche ich viel mehr Menschen, als wenn ich meine Musik bei einem normalen Label herausbringe. In der Regel reden wir von rund 20.000 Downloads.

Welche Chancen und Risiken ergeben sich durch Netlabels für die Musikbranche?

Eine Gefahr für die Branche sind Netlabels nicht. Das gesamte Netlabel-Thema erreicht ja immer noch keine breite Öffentlichkeit. Die Gefahr ist eher, dass das Phänomen wieder verschwindet. Aber für den Musiker gibt es natürlich die Hoffnung, dass er einen größeren Bekanntheitsgrad erreicht und viele Menschen auf seine Musik zugreifen.

Das Interview führte Virginia Gerard

Emil Klotzsch, geboren 1980, ist Sounddesigner und Musiker. König in Thule erschien zusammen mit drei weiteren Songs im Oktober 2010 auf der EP „Deutsche Lieder“. Sie ist bei Bandcamp erschienen und kann unter emilklotzsch.bandcamp.com kostenlos angehört und heruntergeladen werden.

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