Goethe aktuell

Goethe-Präsident von Bismarck: Er bleibt ein Vorbild

WDRCopyright: WDR
Hauptsache unabhängig: Klaus von Bismarck (Foto: WDR)

5. März 2012

Er war Landwirt, Jugendarbeiter, Rundfunkintendant – und der bisher am längsten amtierende Präsident des Goethe-Instituts: Am 6. März wäre Klaus von Bismarck 100 Jahre alt geworden. Ein Anlass an einen Mann zu erinnern, der für ein neues Bild Deutschlands in der Welt steht. Von Klaus-Dieter Lehmann

Als Klaus von Bismarck im Jahr 1977 Präsident des Goethe-Instituts wurde, konnte er bereits auf ein bewegtes Leben und eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Der damals 65-Jährige war der erste unserer Präsidenten, der nicht aus den Reihen des Auswärtigen Amtes rekrutiert wurde. Nach dem Krieg hatte er sich zunächst der Jugendarbeit gewidmet und den Jugendhof Vlotho in Ostwestfalen aufgebaut, dessen größtes Anliegen die Demokratisierung der Jugend war. Danach hatte er mehrere Funktionen in der evangelischen Kirche inne, zuletzt als Präsident des Kirchentags. Von 1961 bis 1976 wirkte von Bismarck schließlich als Intendant des Westdeutschen Rundfunks – ein Amt, in dem er sich dank seiner offenen und liberalen Art über die Parteigrenzen hinweg Respekt erwarb.

Von Bismarck war protestantisch, sozial und liberal. Auf die Frage, ob er mit „dem Bismarck“ verwandt sei, soll der Urgroßneffe des Reichskanzlers nur trocken geantwortet haben, das sei er selber. Er setzte sich mit großem Nachdruck und Überzeugung für das neue demokratische Deutschland ein. Dabei bezog er seine Glaubwürdigkeit auch daraus, dass er seine Rolle als Offizier im Zweiten Weltkrieg – zuletzt als Regimentskommandeur – nie zu beschönigen versuchte, sondern sie als Schuld empfand und dies auch offen aussprach.

Im Goethe-Institut, dessen Präsident Klaus von Bismarck bis 1989 blieb, ist dieser Mann bis heute unvergessen. Für mich, der ich seit vier Jahren Präsident dieses großartigen Instituts bin, ist er ein Vorbild. Er hat erkannt, dass die Unabhängigkeit des Goethe-Instituts eine entscheidende Voraussetzung für seine Glaubwürdigkeit in der Welt ist. Und er hat erkannt, dass eine erfolgreiche Außenkulturpolitik Offenheit, Dialog und Partnerschaft voraussetzt. Nachdem es in den Fünfziger- und Sechzigerjahren darum gegangen war, Sympathie in der Welt für das neue demokratische Deutschland zu wecken, waren die Siebziger- und Achtzigerjahre – also seine Zeit – geprägt von den gesellschaftlichen Debatten innerhalb Deutschlands. Diese kritischen Diskurse wurden Teil der Programmarbeit und zeigten ein Deutschland, das fähig war, seine gesellschaftlichen Veränderungen zu reflektieren und in die Auslandsarbeit einzubringen.

Souveräner Freigeist

Ein solches Deutschlandbild hat die Politik nicht unbedingt begeistert, sowohl aus Bonn als auch aus München gab es immer wieder Kritik an von Bismarck. Es hat aber den Eindruck eines diskursfähigen Deutschland in der Welt deutlich gefestigt und ihm dadurch dauerhaft Ansehen eingetragen. Klaus von Bismarck hat die Projekte über die Veränderungen des geistigen und kulturellen Klimas nie als Provokation gesehen, sondern das Offene und Mögliche als wichtiges demokratisches Element vertreten.

So gelang es von Bismarck gemeinsam mit dem damaligen Generalsekretär Horst Harnischfeger auch, diesen Geist der Kulturarbeit zu gewährleisten. Dabei lag ihm der Ausbau der Beziehungen zu Staaten des Ostblocks besonders am Herzen. In seine Zeit fallen die Eröffnungen der Institute in Rumänien und Ungarn.

Bei allem diplomatischem Geschick ließ sich von Bismarck nie verbiegen, sondern behielt seinem eigenen Kopf. Wie schon bei seinen vorherigen Tätigkeiten zeichnete den Freigeist auch während seiner Amtszeit am Goethe-Institut stets eine ganz besondere Souveränität aus. „Es gibt einen Grad von innerer Unabhängigkeit“, schrieb die Zeit zu seinem Tod 1997 treffend, „jenseits dessen es eigentlich keine Rolle mehr spielt, ob jemand links oder rechts, alt oder jung ist.“

Klaus von Bismarck wusste, dass Kunst und Kultur dann am ehesten in der Lage sind, Prozesse auszulösen oder Alternativen aufzuzeigen, wenn ihre Eigenständigkeit und Eigenwilligkeit gewahrt sind. Deshalb stellte er sich vor die Programm-Macher und die Künstler, mit großer Gelassenheit, aber deutlicher Bestimmtheit. Davon zehren wir heute noch in einer stark fragmentierten und schnell sich ändernden Welt.

    Goethe aktuell:

    Über den RSS-Feed
    können Sie sich über Neuigkeiten aus der Welt des Goethe-Instituts auf dem Laufenden halten.

    Jahrbuch-App 2013

    Entdecken Sie die Arbeit des Goethe-Instituts weltweit und klicken Sie sich durch die Höhepunkte des Jahres 2013. Unsere Jahrbuch-App für iPads steht ab jetzt kostenlos zum Download im App Store bereit.

    Goethe-Institut.
    Reportagen Bilder Gespräche

    Das Magazin des Goethe-Instituts berichtet dreimal im Jahr über die Arbeit des Instituts.

    Twitter

    Aktuelles aus den Goethe-Instituten