Plakatkünstler Staeck im Interview: „Mein Zorn ist geblieben“

Plakatkunst: „Es gibt eine Chance“ (Plakat: Klaus Staeck)
26. März 2012
Seit über 40 Jahren kämpft Klaus Staeck gegen die Umweltzerstörung – mit Plakaten. Und er stellt fest: Das Bewusstsein ist da, und trotzdem ändern wir uns nicht. Ein Interview über die Wirkungsmöglichkeiten der Kunst, die Arbeit mit Schere und Tesafilm und das Original als Fetisch.
Herr Staeck, der Titel Ihrer Ausstellung, die dieses Jahr in über 40 Goethe-Instituten gezeigt wird, lautet „Nichts ist erledigt!“ – was scheint da mehr durch: Ernüchterung oder Hoffnung?
Staeck: Das Grundgefühl ist Ernüchterung. Als ich vor 40 Jahren meine ersten Umweltplakate machte, stieß das noch auf allgemeines Unverständnis. Das hat sich inzwischen geändert. Das Bewusstsein ist bei vielen Menschen vorhanden. Die entscheidende Frage bleibt aber: Wie wird daraus nun praktische Politik? Wir wissen um die Zerstörungskraft vieler Handlungen und ändern uns trotzdem nicht. Wer braucht heute in unseren Breiten wirklich einen Geländewagen? Und wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass wir nun mit Biosprit weiter rasen können wie bisher? Ich könnte die Beispiele endlos fortsetzen. Mein Zorn ist geblieben und verstärkt sich eher.
Wie können Sie Leute für das Thema sensibilisieren?
Die einzige Chance der Kunst besteht darin, eindringliche Bilder zu schaffen. Etwas in Bildern auszudrücken, was man mit Worten leicht an sich abtropfen lässt. Dafür ist die Collage besonders geeignet.
Fotostrecke: Klaus Staecks plakatives Werk
Warum haben Sie sich ausgerechnet für das Plakat als Ausdrucksmittel entschieden?
Das Plakat wurde zur Alternative, als ich merkte, dass die Menschen für meine Themen durchaus großes Interesse zeigten, aber sagten, ich brauche keine Unterschrift, keine Nummerierung unter einer Grafik, sondern würde das Motiv sehr gern als Plakat erwerben, wenn es für fünf Mark angeboten würde. Der erste Schritt war eine Plakataktion 1971 in Nürnberg, bei der wir nicht als Künstler auftraten, sondern als anonyme Firma parallel zur großen Dürer-Ausstellung mit einer Botschaft: „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?“ mit dem Porträt von Dürers alter Mutter. Die Reaktionen waren damals so überwältigend, dass mir klar wurde, es gibt eine Chance.
Wie wurden die Plakate damals hergestellt?

Künstler Staeck: „Eindringliche Bilder schaffen“ (Foto: crazynd)
In den letzten Jahren haben Sie weniger Collagen geschaffen, die sich mit dem Thema Umwelt beschäftigen. Warum?
Die Arbeit an der Akademie der Künste bindet mich zeitlich so sehr, dass ich kaum noch zu neuen Arbeiten komme. Ich beruhige mich damit, dass ich ja zu fast allen Umweltthemen etwas gemacht habe. Es gibt Motive, die sind heute leider aktueller als zu der Zeit, in der sie entstanden sind; genau das ist ja auch mein Problem. Bei jedem Tankerunglück brauche ich nur mein Ölpest-Plakat aus dem Schrank zu ziehen und den Namen des Schiffes ändern. Auch zur Atomenergie sind mehrere Plakate entstanden. Dies ist eines der wenigen Beispiele, an dem sich belegen lässt, dass sich nach zähem Ringen vieler Bürger zumindest für Deutschland politisch entscheidend etwas geändert hat.
Das Interview führte Jeannette Neustadt
Klaus Staeck, 1938 im sächsischen Pulsnitz geboren, studierte von 1957 bis 1962 Jura und war zunächst als Rechtsanwalt tätig, verlegte sich aber bald vorwiegend auf seine Arbeit als Verleger und Grafiker. 2006 wurde er zum Präsidenten der Akademie der Künste in Berlin gewählt und 2009 in diesem Amt bestätigt.







