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Regisseur Atabayev in Haft: Goethe-Institut protestiert

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Regisseur Atabayev: Seit zwei Wochen in Haft (Foto: Barbara Fraenkel-Thonet/Goethe-Institut)

3. Juli 2012

Bolat Atabayev muss freikommen. Dafür machen sich zahlreiche Kulturschaffende und Politiker aus Deutschland stark. Besonders vehement protestiert das Goethe-Institut gegen die Verhaftung des kasachischen Theaterregisseurs.

Nach dem Präsidenten hat sich nun auch die Mitgliederversammlung des Goethe-Instituts mit Nachdruck für die sofortige Freilassung Atabayevs ausgesprochen. Der Theatermann war am 15. Juni wegen „Anstiftung zur sozialen Unruhe“ in Untersuchungshaft genommen worden. Er hatte Ende 2011 für die streikenden Ölarbeiter in der Stadt Schanaosen öffentlich Partei ergriffen.

Der Regisseur ist dem Goethe-Institut eng verbunden: Am 28. August soll er für seine Verdienste um den deutsch-kasachischen Kulturaustausch in Weimar für sein Lebenswerk mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet werden. Die Mitglieder des Goethe-Instituts forderten die kasachische Regierung nun auf, dem Preisträger die Teilnahme an der Verleihung in Weimar sowie eine unbehelligte Rückkehr nach Kasachstan zu ermöglichen.

Zuvor hatte schon Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident des Goethe-Instituts, heftig gegen die Festnahme protestiert. „Wir sind bestürzt über die Nachricht“, sagte er. „Im Goethe-Institut ist Bolat Atabayev als charismatischer und gebildeter Mann bekannt. Er ist ein wichtiger Partner vor Ort und eine sehr bedeutende Figur im deutsch-kasachischen Kulturaustausch. Er hat die deutsch-kasachischen Theaterbeziehungen maßgeblich geprägt.“

Auch Roberto Ciulli, der Intendant des Theaters an der Ruhr in Mülheim, forderte gegenüber der Deutschen Presseagentur die Freilassung Atabayevs. Die beiden Regisseure sind seit Jahren befreundet. Ciulli wie auch der Regisseur Volker Schlöndorff richteten sich in einem offenen Brief an den zuständigen Richter. Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, zeigte sich besorgt. Atabayev habe „lediglich sein Recht auf Meinungsfreiheit in Anspruch genommen und eine Ansprache gehalten“. Kasachstan sei OSZE-Mitglied und damit demokratischen Prinzipien wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit verpflichtet. „Ich erwarte, dass die kasachische Regierung ihre Verpflichtungen nun auch erfüllt.“

Unterstützung kam auch aus dem Bundestag: Der Unterausschuss für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik und der Ausschuss für Kultur und Medien protestierten gegen die Verhaftung, ebenso die Grünen-Abgeordneten Jürgen Trittin und Viola von Cramon.

Mit Bolat Atabayev und den anderen beiden Preisträgern der Goethe-Medaille – Irena Veisaitė aus Litauen und Dževad Karahasan aus Bosnien und Herzegowina – ehrt das Goethe-Institut in diesem Jahr Persönlichkeiten, die in ihrem kulturellen Schaffen für eine offene Aufarbeitung nationaler Traumata eintreten und auch gegenwärtige gesellschaftliche Schwierigkeiten thematisieren.

Atabayev habe mit seiner unkonventionellen Bühnenarbeit und seinem freien Stil Mut gezeigt, Neues zu schaffen, so die Begründung der Auswahlkommission. Früh gewährte ihm die Nachbarschaft zur deutschen Minderheit einen Zugang zur deutschsprachigen Kultur und durch mehrere Deutschlandaufenthalte erhielt Atabayev Impulse für seine Arbeit. In seinem deutschsprachigen Stück Lady Milford aus Almaty thematisiert der Mitbegründer des Deutschen Theaters in Almaty das Schicksal einer deutsch-kasachischen Schauspielerin, die nach Deutschland emigrierte und keine qualifizierte Arbeit fand. Es wurde in beiden Ländern aufgeführt und erfüllte so eine wichtige Brückenfunktion für die deutsch-kasachischen Theaterbeziehungen.

Vor einigen Jahren gründete Atabayev sein eigenes Theater Aksarai, das die Theaterlandschaft Zentralasiens mit neuen künstlerischen Ausdrucksmitteln bereichert.

-db-
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