Goethe aktuell

Deutschland trifft Griechenland: Die anderen sind wir

Screenagers

1. September 2012

Das Verhältnis von Deutschen und Griechen ist recht angespannt. Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls die Berichterstattung zur Eurokrise. Höchste Zeit also, die Perspektive zu wechseln. Zwölf Jugendliche aus beiden Ländern haben das nun getan – mit der Kamera in der Hand. Von Iannis Zoumboulakis

Das Leben der anderen ist der Titel des wohl erfolgreichsten deutschen Films der vergangenen zehn Jahre. Ihn für ein deutsch-griechisches Austauschprojekt in Sachen Kultur zu nutzen, ist eine publikumswirksame Idee. „Uns geht es um die Andersartigkeit des anderen, deswegen haben wir unser Programm Fremdes Leben genannt“, sagt der Drehbuchautor, Dokumentarfilmer und Schriftsteller Dieter Bongartz von dem kreativen Netzwerk Screenagers. Entstanden ist eine deutsch-griechische Kinowerkstatt, in der Jugendliche aus beiden Ländern Anfang des Jahres zusammenarbeiteten. Jeweils sechs Jugendliche aus beiden Ländern durften – nach langem Auswahlverfahren – daran teilnehmen.



In dem Projekt, einer Kooperation der Kreativitätsschule Bergisch Gladbach mit dem Goethe-Institut Athen, dem Griechischen Bildungsinstitut zur Förderung des Dokumentarfilms und Screenagers, waren die Schüler dazu aufgerufen, durch das Objektiv der Kamera auf das jeweils andere Land zu blicken. Worauf würde ein junger, 15- bis 20-jähriger Mensch aus Deutschland sein Augenmerk im Griechenland der Wirtschaftskrise, der Arbeitslosigkeit, der Brandstiftungen und der empörten Demonstranten richten? Wie steht ein etwa gleichaltriger Grieche zum „teuflischen“ Deutschland der „bedrohlichen“ Frau Merkel?

Eine Grundausbildung wurde in zwei Filmwerkstätten abgeschlossen, dann begannen die Dreharbeiten: Einige Filme wurden in Deutschland, andere in Griechenland gedreht. Die Teams bestanden aus je vier Teilnehmern, zwei deutschen und zwei griechischen.



Die Eindrücke waren vielfältig, reichten vom Klischee bis zu überraschenden Entdeckungen. „Ich habe den Eindruck, dass die Deutschen besser organisieren können als wir“, sagte etwa die 16-jährige Marianna aus Griechenland. Der gleichaltrigen Sinah aus Deutschland fiel dagegen auf, dass „die Griechen übers ganze Gesicht lachen“.

Die Geschichten, die die Jugendlichen aufgreifen, spielen sich am Rande der aktuellen Ereignisse ab, über die wir alle mehr oder minder informiert werden – durch gute oder schlechte, besonnene oder verzerrte Berichterstattung der Massenmedien. Die wirklich interessanten Themen finden sich jedoch im Schatten der großen Ereignisse. Es sind die Geschichten, die die Wirklichkeit der Bürger unmittelbar betreffen. Das kann ein besetztes Haus sein, eine Musikband spanischer Einwanderer kubanischen Ursprungs oder eine Lehrerin, die Gehörlosen kostenlosen Unterricht erteilt. Aber auch der Bericht über eine Fußgängerbrücke, die unter freiwilliger Mitarbeit von Schülern des Athens College über die befahrene Kifissias-Straße gebaut wurde. Gespendet hatte dafür eine Familie, die dort ein Kind durch einen Verkehrsunfall verloren hatte.



Neue Perspektiven sind aus der deutsch-griechischen Jugendbegegnung entstanden, so viel ist sicher. Deutlich wird das spätestens, wenn man die Jugendlichen im Goethe-Institut Athen mit Journalisten reden hört. Marianna etwa berichtet: „Wir sind nach Deutschland gefahren beziehungsweise nach Griechenland gekommen, um zusammen Vorurteile zu überwinden, weil wir überzeugt sind, dass wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen können. Und das ist es, was wir wollen.“
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