Meldungen

„Überragender Anwalt der deutschen Literatur“ – Klaus-Dieter Lehmann würdigt Marcel Reich-Ranicki

(19. September 2013) „Deutschland trauert um Marcel Reich-Ranicki“, hat die Deutsche Presseagentur am Mittwoch ihre Meldungen zum Tod des Literaturkritikers begonnen. Und es gibt sicher nicht viele Persönlichkeiten, bei denen diese pathetische Aussage tatsächlich so zutreffen dürfte wie bei „MRR“, der am Mittwoch im Alter von 93 Jahren in Frankfurt am Main gestorben ist. Für das Goethe-Institut ist sein Tod ein besonderer Verlust. Schon seit den sechziger Jahren war Reich-Ranicki immer wieder auf Einladung des Instituts zu Vorträgen und Lesungen im Ausland, etwa in Oslo oder Prag.

Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident des Goethe-Instituts, würdigte Reich-Ranicki als „überragenden Anwalt der deutschen Literatur“. Für ihn sei die Literatur ein lebendiger Teil der Gesellschaft gewesen. „Sie war sein eigentlicher Zugang, sie war seine Heimat. Er hat sie kraftvoll, streitbar und leidenschaftlich vertreten. Seine anregende und aufregende Wirkkraft auf den Literaturbetrieb war zutiefst prägend“, so Lehmann. „Er hat ihn mit neuen und zugespitzten Argumenten aufgemischt und keinen Zweifel daran gelassen, wie entscheidend für ihn Literatur ist, die Gesellschaft zu spiegeln, zu verhandeln und zu vermitteln.“

Hier habe er sich mit den Interessen des Goethe-Instituts getroffen, für das Literaturprogramme und Literaturförderung im Ausland von zentraler Bedeutung seien. Damit schaffe es Zugänge zur deutschen Sprache, zur deutschen Literatur, aber eben auch zur deutschen Gesellschaft. „Marcel Reich-Ranicki hat uns angestiftet, er hat uns herausgefordert, er hat unser Verständnis von Literatur deutlich mitbestimmt“, so der Institutspräsident. „Auch die Bedeutung unseres kulturellen Literaturerbes hat er uns nahegebracht, wobei unser Namensgeber, Johann Wolfgang von Goethe, für ihn ein ganz persönlicher Weggefährte war.“

Marcel Reich-Ranicki habe den Deutschen nicht nur neue Zugänge zur zeitgenössischen Literatur und ein neues Literaturverständnis mit seinem Literaturkanon geschaffen, so Lehmann. Er habe sich auch als eindringlicher Mahner erwiesen, dem die Greueltaten des Nationalsozialismus verstörende Erfahrungen und Demütigungen beibrachten und der sich trotzdem zur deutschen Kultur bekannte.

-db-

    Goethe aktuell:

    Über den RSS-Feed
    können Sie sich über Neuigkeiten aus der Welt des Goethe-Instituts auf dem Laufenden halten.

    Goethe-Institut.
    Reportagen Bilder Gespräche

    Das Magazin des Goethe-Instituts berichtet dreimal im Jahr über die Arbeit des Instituts.

    Twitter

    Aktuelles aus den Goethe-Instituten