Mein Tipp des Monats

Reportagen im Netz: Perlen der Entschleunigung

Sander SpolspoelCopyright: Sander Spolspoel
Fische kann man immer noch nicht darin einwickeln, ansonsten gibt es wenig, worin das Tablet heute noch der Zeitung unterlegen ist – das gilt auch für lange Texte (Foto: Sander Spolspoel)

25. Februar 2013

Wer viel Zeit online verbringt, kann leicht den Eindruck bekommen, dass Inhalte immer kürzer werden, Informationen immer flüchtiger. Aber es gibt sie noch im Netz, die Form der langen Reportage. Angebote wie Reportagen.fm machen es sich zur Aufgabe, sie zu erschließen. Von Ingrid Arnold

Mussten früher Zeitungen um ihre Medienseiten kämpfen, begleiten heute zahllose unabhängige Medienjournalisten, öffentlich-rechtliche Medien-Sendungen oder Autorenblogs wie Carta oder Vocer die rasanten Entwicklungen im Journalismus. Den Austausch über Entdeckungen in aller Welt machen transnationale Blogs wie Global Voices, Mondoblog oder Die Trendblogger möglich. Und alle schicken rund um die Uhr ihre Links über Twitter, empfehlen sie über Facebook oder kuratieren Inhalte für ihre Abonnenten mit Tools wie Storify.

Mein Tipp des Monats

Einmal im Monat präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle eine Kulturempfehlung. Reihum bitten wir die Experten aus den verschiedenen Fachbereichen des Goethe-Instituts um ihren ganz persönlichen Tipp. Ob Klassiker oder Neuheit, Geheimtipp oder Hochkultur – gefragt ist, was gefällt.
Doch es gibt Phänomene, die dem real existierenden Medienwandel entgegenlaufen. Auch wenn Menschen im Web angeblich nur noch kurze Filme sehen wollen (und es eindrucksvolle multimediale Reportageseiten gibt wie die berlinfolgen oder screen.tv), auch wenn ohne erklärende Infografiken oft nichts mehr zu gehen scheint (oder ohne Datenvisualisierungen, wie sie etwa Information Is Beautiful sammelt) und es immer neue kleine Formate gibt (wie in der Fundgrube Tumblr) und großartige Fotoblogs wie The Big Picture, und auch wenn eigenpublizierte Blogs mittlerweile ebenso unverzichtbare journalistische Angebote sind wie verlagsbasierter Qualitätsjournalismus: Die klassische lange Reportage gibt es auch im Web.

Unaufgeregt wehren sich die langen Formen nicht gegen Veränderungen, sondern sind einfach dageblieben. Eine Reihe von Diensten helfen, sie zu entdecken: Longreads, Longform oder Byliner für den englischsprachigen Raum und deutschsprachig der Sammeldienst #GuteTexte, Lieblingsstücke bei LiesMich – oder die reduzierte redaktionelle Auswahl bei Reportagen.fm. Die sind, in Kooperation mit dem Verein Reporter-Forum, im letzten Jahr mit einem Olympia-Special gestartet, weshalb ich das Prinzip der wöchentlichen thematischen Bündelung erst jetzt zu schätzen gelernt habe – etwa mit Reportagen über den Untergang der Bounty vor New York, die Rückkehr von Kai Strittmatter nach Peking und einen Mann, der mal ein dicker Junge war.

Diese Perlen im Netz sind für mich auch eine Form der Entschleunigung, fürs Lesen muss man sich eben Zeit nehmen. Die Reportagen-Finder lassen sich alle über Twitter oder als RSS-Feeds abonnieren und auf Tablets und Smartphones auch wunderbar unterwegs lesen: Weltreisen zum Mitnehmen.

Copyright: PrivatIngrid Arnold, 42, ist seit 2008 Internet-Redakteurin in der Zentrale des Goethe-Instituts. Vorher hat sie in Berlin als freie Kulturautorin, Filmredakteurin und Webkonzepterin gearbeitet – und kann beim Goethe-Institut das Beste aus allen Welten verbinden. Nur lassen das Reportagen-Lesen und journalistische Erkundungen im Internet das Kino manchmal zu kurz kommen.

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