Bibliotheken entdecken: Stadtbummel mal anders

Der Galeriesaal der Stadtbibliothek in Stuttgart (Foto: Frank Schneider/ Stadtbibliothek Stuttgart)
27. April 2013
Sie bieten Ruhepole mitten in der Großstadt, nicht selten beeindrucken sie mit spektakulärer Architektur, und zumeist halten sie für den Besucher neben dem einen oder anderen Buch noch so manche Überraschung bereit: Warum finden sich Bibliotheken eigentlich so selten im Reiseführer? Von Jens Boyer
Beim ersten Besuch in einer fremden Stadt bieten sich viele Möglichkeiten, Zeit zu verbringen. Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Museen – der Neugier und persönlichen Vorlieben sind keine Grenzen gesetzt. Dem interessierten Reisenden fällt schnell auf, dass eine Institution in jeder größeren Stadt anzutreffen ist: Über 10.000 Bibliotheken gibt es allein in Deutschland, eine noch ungleich größere Zahl in Europa und weltweit. Praktisch bei jeder Reise lässt sich spontan eine Bibliothek ins Besuchsprogramm integrieren.
Ebenso groß wie die Zahl der Bibliotheken ist die Vielfalt der Überraschungen, die dort auf den Entdecker warten – im Angesicht einer beeindruckenden Architektur, aber auch durch das, was gar nicht im physischen Raum erlebbar ist.
Mein Tipp des Monats
Einmal im Monat präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle eine Kulturempfehlung. Reihum bitten wir die Experten aus den verschiedenen Fachbereichen des Goethe-Instituts um ihren ganz persönlichen Tipp. Ob Klassiker oder Neuheit, Geheimtipp oder Hochkultur – gefragt ist, was gefällt.
Für alle, die den Raum der Bibliothek als geistigen und kulturellen Ort erleben möchten, bieten das Digitalisierungsprojekt Bibliotheksbauten und die Datenbank Librarybuildings Anregungen für die Planung der nächsten Reise. Und die Möglichkeit, sich einer fremden Stadt einmal auf gänzlich neue Weise zu nähern. So sind es etwa in Stuttgart nur wenige Minuten vom Bahnhof zur Stadtbibliothek. Von außen kaum als solche erkennbar, inszeniert sie von innen jedoch umso spektakulärer den Raum und lässt in dem offenen mehrstöckigen Galeriesaal den Eindruck eines vielfarbigen Gemäldes entstehen. In Leipzig offenbart die Deutsche Nationalbibliothek in ihrem über die Jahrzehnte hinweg gewachsenen und mehrfach erweiterten Gebäude die architektonische Entwicklung und funktionale Evolution gleichermaßen.
Einmal im Monat präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle eine Kulturempfehlung. Reihum bitten wir die Experten aus den verschiedenen Fachbereichen des Goethe-Instituts um ihren ganz persönlichen Tipp. Ob Klassiker oder Neuheit, Geheimtipp oder Hochkultur – gefragt ist, was gefällt.
Eine Bibliothek zu nutzen und zu erleben ist jedoch auch ganz ohne Reise möglich, jederzeit und von überall. Die Kultur- und Wissensschätze Bayerns finden sich auf diese Weise ebenso wie das neue E-Book des Lieblingsautors, als digitaler Teil des Angebots von Bibliotheken unterschiedlichster Art – seien es Nationalbibliotheken, Universitätsbibliotheken oder die Stadtteilbibliothek gleich um die Ecke. Die jährliche Aktionswoche Treffpunkt Bibliothek des Deutschen Bibliotheksverbandes ist die Gelegenheit, bundesweit und vor Ort einen Einblick in die Fülle von Aktivitäten zu erhalten, die Bibliotheken bieten. Ihr Motto: Information hat viele Gesichter.
Jens Boyer, 40, leitet den Bereich Information und Bibliothek in der Zentrale des Goethe-Instituts. Er kam 2001 ans Institut und war vier Jahre lang in Tokyo als Bibliotheksleiter tätig. Als besonders an seiner Arbeit empfindet er die Möglichkeit, in einem weltweiten Netzwerk das lokale Erlebnis mit globalen Perspektiven verbinden zu können. Noch heute folgt er – so oft es geht – dem Rat eines Dozenten aus Studienzeiten, in jeder unbekannten Stadt mindestens eine Bibliothek zu besuchen.










