Alt, älter – neu: Gezinkte Bläser

Ausschnitt aus dem Gemälde „Singender Zinkspieler“ von Gerard van Honthorst (1623)
25. September 2013
Die sogenannte Alte Musik führte lange Zeit ein ziemliches Exoten-Dasein in der deutschen Musiklandschaft. Das mag auch an dem - aus heutiger Sicht – zum Teil ungewöhnlichen Instrumentarium liegen, denn: Wer kennt schon einen Zink? Von Maren Rose
Wenn man Zink hört, denkt man wohl als erstes an das Metall. Aber wem ist das Blasinstrument bekannt, das vor allem im 17. Jahrhundert ein wichtiges Solo-Instrument war? Aus heutiger Sicht sieht der Zink sehr ungewöhnlich aus: Er besteht aus – lassen Sie sich von dem Namen nicht in die Irre führen! – Holz, ist mit schwarzem Leder bespannt, ist meistens seitlich gebogen, besitzt sechs bis sieben Grifflöcher und wird über ein extrem kleines Mundstück geblasen, das dem einer Trompete ähnelt. Das sagt natürlich noch nicht viel über den Klang aus. Und bevor ich viele Worte darüber verliere, empfehle ich lieber drei CDs für eine „Zink-Entdeckungsreise“:
Mein Tipp des Monats
Einmal im Monat präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle eine Kulturempfehlung. Reihum bitten wir die Experten aus den verschiedenen Fachbereichen des Goethe-Instituts um ihren ganz persönlichen Tipp. Ob Klassiker oder Neuheit, Geheimtipp oder Hochkultur – gefragt ist, was gefällt.
Als Einstieg Gabrieli – Sonate e Canzoni (Harmonia mundi 2010), eingespielt vom Ensemble Concertino Palatino. Diese CD ist genau das Richtige, um sich in die Welt der venezianischen Renaissance entführen zu lassen. Nicht umsonst gilt Giovanni Gabrieli als einer der ersten Komponisten, der die Instrumentalmusik der Vokalmusik ebenbürtig gemacht hat. Und schon in der ersten Canzone setzen nach gut 30 Sekunden zwei Zinken ein und lassen erahnen, was dieses Instrument für Zeitgenossen so attraktiv gemacht hat: Durch die weiche, in der Höhe strahlende Sopranlage fügen sie sich wunderbar in den Gesamtklang des Ensembles ein. Und gleichzeitig zeigen sie durch die eine oder andere Verzierung eine unglaubliche Beweglichkeit.
Einmal im Monat präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle eine Kulturempfehlung. Reihum bitten wir die Experten aus den verschiedenen Fachbereichen des Goethe-Instituts um ihren ganz persönlichen Tipp. Ob Klassiker oder Neuheit, Geheimtipp oder Hochkultur – gefragt ist, was gefällt.

Stiller Zink, krummer Zink, Tenorzink – das sind drei Bauarten des Blasinstruments (Foto: Multimann)
Fantastische Zink-Passagen gibt es auch bei Claudio Monteverdi. Wer seine Marienvesper noch nicht kennt, sollte einmal in die Aufnahme Monteverdi – vespro della beata virgine des französischen Labels K617 hineinhören. Die Marienvesper ist schon an sich ein grandioses Werk – aber auch die Zinken zeigen sich von ihrer besten Seite, hier gespielt von Les Sacqueboutiers de Toulouse. Gleich zu Beginn spielen sie wunderbar virtuos die Oberstimmen. Oder einfach direkt auf der zweiten CD zu Sancta Maria ora pro nobis oder Ave maris stella springen: Da hört man sie noch direkter, auch im Wettstreit mit Violinen und Blockflöten. Herrlich.
Dem Zink wurde nachgesagt, dass er die menschliche Stimme besonders gut imitieren könne. In diesem Zusammenhang als dritte Empfehlung noch eine weitere Monteverdi-CD: Monteverdi – Teatro d'Amore (Virgin Classics 2009) vom Ensemble L'Arpeggiata der Gambistin Christina Pluhar. Besonders eindrücklich ist das Zusammenspiel von Stimme und Zink in den Solo-Stücken der Sopranistin Nuria Rial zu hören (Chiome d'oro oder Con che soavità), obwohl sich auch der Countertenor Philippe Jaroussky in Si dolce è 'l tormenta herzzerreißend mit dem Zink abwechselt. Eigentlich würde ich diese CD gleich in ihrer Gesamtheit empfehlen. Sie ist nicht nur eine wunderbare Hörprobe für Zink, sie zeigt auch, wie mitreißend und berührend Alte Musik sein kann – und wie erstaunlich sich Barockmusik und Jazz annähern können. Aber das ist eine andere Geschichte.
Maren Rose, 33, begeistert sich nicht nur für gute Musik, sondern auch für liebevoll herausgegebene Lyrik-Bände, modernen Tanz – und einfach alles, was über das Gewohnte hinausgeht. Nach einem Kulturwissenschafts-Studium, Auslandsaufenthalten in England und Nicaragua und verschiedenen beruflichen Stationen im deutschen Konzertleben arbeitet sie seit 2009 als Musikreferentin für das Goethe-Institut.







