Brücken schlagen und eine gute Kommunikation sicherstellen

Sie arbeiten für das Goethe-Institut im Ausland im Bereich der kulturellen Programmarbeit. Was bedeutet das für Sie?
Heute morgen, um sieben Uhr früh am Sonntag, habe ich das Delian-Quartett am Flughafen verabschiedet, nach 5 Tagen Aufenthalt bei uns und zwei wunderbaren Konzertabenden im Rahmen der 50-Jahresfeierlichkeiten des Goethe-Instituts in Addis Abeba. Auf dem Weg zurück hatte ich wieder das Gefühl, dass es genau diese menschlichen Begegnungen durch Kulturprojekte sind, welche die Arbeit für das Goethe-Institut in der Programmarbeit so erfüllend machen. Gleichzeitig wird es nie langweilig: So gut ein Projekt geplant sein mag, es passiert doch immer wieder das vollkommen Unerwartete. Gutes Projektmanagement beinhaltet deshalb nicht nur eine fundierte Vorbereitung, sondern ganz wichtig auch die Fähigkeit, spontan und kreativ auf die kleinen und großen „Katastrophen“ reagieren zu können, die sich unweigerlich immer im Projektprozess einstellen. Zudem bin ich als Mitarbeiterin vom Goethe-Institut im Ausland natürlich immer auch interkultureller Vermittlerin: Zusammen mit meinem Team sind wir dazu da, die Brücken zu schlagen und eine gute Kommunikation sicherzustellen, nicht nur zwischen Deutschland/Europa und Äthiopien/Afrika, sondern oft auch dazwischen innerhalb der jeweiligen „Gruppen“. Dies bedingt Fingerspitzengefühl, die Bereitschaft zuzuhören und den Anderen ernst zu nehmen. Eine nicht immer leichte, aber absolut tolle Aufgabe!
Wie sind Sie zum Goethe-Institut gekommen?
Es klingt nach Klischee, aber für das Goethe-Institut zu arbeiten war schon während der Schulzeit einer meiner Traumberufe. Mit der Wahl meines Studienfaches „Zeitgenössische Nahoststudien mit Schwerpunkt Politologie und Ethnologie“ hatte ich mich dann allerdings, wie ich zu dem Zeitpunkt dachte, von diesem beruflichen Ziel entfernt. Zudem gab es 1994 den kompletten Einstellungsstopp für die „Dozentenlaufbahn“, wie es damals hieß. Nach zehn Jahren flatterte plötzlich im April 2004 die Ausschreibung für den Goethe-Institut Traineejahrgang „Führungskräftenachwuchs“ in meine Inbox. Sie suchten in der Ausschreibung speziell nach Nachwuchskräften mit Regionalkompetenzen, u. a. auch für den arabischen Raum. Ich war damals nach der Promotion beruflich auf einer sehr interessanten Stelle in der Schweiz tätig. Trotzdem musste ich es probieren und es hat geklappt.
Welches waren Ihre bisherigen Stationen?
Während des einjährigen Traineeprogramms 2004/05 war ich in München, Mannheim und Kairo. Im September 2005 wurde ich dann nach Abu Dhabi zum Aufbau des Goethe-Instituts für die Golf-Region entsandt. Nach vier Jahren ging es im August 2009 weiter als Institutsleiterin nach Äthiopien. Derzeit bereiten wir gerade unseren Umzug nach München vor, wo ich ab 1. Juli 2012 die Leitung der Abteilung „Strategie und Evaluation“ übernehme.
Welche Erfahrungen haben Sie an den verschiedenen Orten Ihrer Arbeit beim Goethe-Institut gesammelt? Was war schwierig, was war besonders beeindruckend??
Als Mitarbeiterin des Goethe-Instituts muss man bereit sein, sich immer wieder auf Neues einzulassen, sei es ein neues Projekt, eine neue Aufgabe oder ein neuer Standort. Das ist extrem reizvoll, braucht aber natürlich auch viel Kraft. Schwierig ist es manchmal, den Weg zu finden zwischen deutscher Bürokratie und der Realität vor Ort: In Abu Dhabi und Dubai zum Beispiel ging es beim Aufbau des Goethe-Instituts Golf-Region in den Jahren 2005 bis 2008 darum, geeignete Räumlichkeiten anzumieten. Es war damals vor der Finanzkrise der absolute Höhepunkt des Booms im Golf mit engem Mietmarkt und astronomischen Preisen, die sich quasi über Nacht verdoppelten. Dem gegenüber stand auf deutscher Seite ein Genehmigungsverfahren zur Anmietung, welches normalerweise bis zu 6 Monaten dauern kann. Das im Rahmen der Richtlinien hinzubekommen ist nicht einfach und man braucht sehr gute Partnerschaften und Kooperationsbereitschaft auf beiden Seiten.
Welche Belastungen bringt das Leben als Entsandter mit sich?
Alle 4 bis 6 Jahre die „berufliche Tapete“ zu wechseln mit der Option der weltweiten Versetzung war genau einer der Gründe, warum ich eine Tätigkeit für das Goethe-Institut schon immer so reizvoll fand. Gleichzeitig ist dieser ständige Wechsel, gerade wenn man einen berufstätigen Partner und Kinder hat, natürlich auch eine große Herausforderung. Die „doppelte Karriere“ plus Familie umzusetzen verlangt sehr viel von der Familie und bedarf nicht zuletzt auch der Unterstützung der eigenen Organisation. Mein Mann ist in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Äthiopien war deshalb beruflich und persönlich ein sehr guter Standort für uns. Mit unserem jetzigen Wechsel nach München muss mein Mann sich beruflich wieder neu orientieren, und Themen wie Kinderbetreuung und Krippenplatzwartelisten sind akut. Mit ganz kleinen Kindern umzuziehen ist dabei noch relativ einfach. Unsere ältere Tochter ist jetzt fünf. Freundschaften werden nun merklich wichtiger für sie, auch Themen wie Schule und Kinderfreizeitgestaltung stellen sich. Ich wünsche mir, dass wir als Eltern unseren Kindern diese konstanten Wechsel und Neuanfänge positiv vermitteln können, d.h. dass sie trotz aller Herausforderungen, die jeder Umzug und neuer Standort mit sich bringt, das Leben als „Goethe-Familie“ überwiegend als Chance und Bereicherung erleben. Denn wie Hermann Hesse schon sagte; „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ...“.
Dr. Elke Kaschl-Mohni,
Institutsleiterin Goethe-Institut Äthiopien
Institutsleiterin Goethe-Institut Äthiopien









