Eine unheimliche Vielfalt von Aufgaben

Sie arbeiten für das Goethe-Institut im Ausland im Bereich der kulturellen Programmarbeit. Was bedeutet das für Sie? Zunächst eine unheimliche Vielfalt von Aufgaben; das geht von den Mitarbeitergesprächen bis hin zu kniffligen Fragen an Aufführungsorten mit einem Techniker. Diese hohe Abwechslung und die starke Vernetzung mit ägyptischen Partnern macht den Job sehr reizvoll. Man agiert hier ja als Schnittstelle zwischen deutschem Kulturleben und den ägyptischen Künstlern – dafür muss sehr viel von beiden Seiten verstehen. Das ist zu Beginn natürlich auch eine große Herausforderung. Prägend ist in der Kulturarbeit ein sehr hoher Gestaltungsspielraum. Dieser Spielraum macht für mich den größten Reiz der Arbeit aus. Man bekommt sehr viel vom lokalen Kulturleben mit, spricht viel mit Menschen und entscheidet dann selbst, welche Auswirkungen das auf die eigene Arbeit hat. Vielfach geht es da um die Frage, was es in einer Sparte vor Ort gibt und wie man da gut andocken kann, manchmal geht man aber auch bewusst den anderen Weg und öffnet neue Felder oder Tätigkeitsbereiche, kann Fragen aufwerfen, die bisher nicht gestellt werden. Das ist der große Vorteil, wenn man mit einem Blick von außen kommt. Aber zunächst einmal heißt die Arbeit hier verstehen lernen.
Wie sind Sie zum Goethe-Institut gekommen?
Ich habe 2006 als Auslandsvolontär begonnen. Im letzten halben Jahr meines Studiums hatte ich bereits frei für eine deutsche Stiftung gearbeitet und konnte dort Erfahrungen im Projektmanagement und erste Kontakte sammeln.
Welches waren Ihre bisherigen Stationen?
Als Auslandsvolontär war ich zunächst knapp zwei Jahre in Kairo tätig, danach als freier Mitarbeiter und später auf einer Projektstelle. Seit 2009 leite ich das Goethe-Institut in Alexandria.
Welche Erfahrungen haben Sie an den verschiedenen Orten Ihrer Arbeit beim Goethe-Institut gesammelt? Was war schwierig, was war besonders beeindruckend?
Ich habe unglaublich viel gelernt; natürlich in der Arbeit des Goethe-Instituts, der üblichen Abläufe, Strukturen, Strategien und der einfachen Bürokratie aber eben auch sehr viel von den Menschen und diesem Land. Es gibt in Ägypten grundsätzlich andere Entscheidungswege und bürokratische Strukturen, viele Prozesse dauern in diesem Land viel länger, da vieles von ganz oben abgesegnet werden muss. Aber immer wieder trifft man auf sehr engagierte und mutige Menschen, die versuchen das Unmögliche möglich zu machen. Mit solchen Menschen zusammen zu arbeiten macht sehr viel Freude.
Welche Belastungen bringt das Leben als Entsandter mit sich?
In Zeiten von Internet und guten Flugplänen ist die rein räumliche Distanz zu Freunden und Familie vielfach gar nicht so problematisch, wie viele vielleicht zunächst denken. Eine echte Belastung kann dieses Leben für die eigene Partnerschaft und ggf. Kinder sein. Vielfach bedeutet es für die Partnerin oder den Partner, auf eine eigene Karriere zu verzichten. Man selbst nimmt dazu viele Abend- und Wochenendtermine wahr, die über einen Büroalltag hinaus gehen. Das sollte man in der Partnerschaft sehr offen und kritisch diskutieren, bevor man sich für den Berufsweg entscheidet.
Welches Projekt beschäftigt Sie im Moment am meisten?
Vor mir liegt gerade ein Brief von der Europäischen Union die ein Tanzfestival finanziert, das wir im Mai zusammen mit dem französischen Kulturzentrum und lokalen Partnern organisieren. Das Festival hinterfragt bisherige Formen von Öffentlichkeit, vom Umgang mit dem Körper in dieser und bringt Tänzer aus vielen Ländern zusammen. In diesem Brief geht es sehr viel um Bürokratie – im Projekt selbst allerdings viel mehr um Fragen, die bisher nicht oder viel zu wenig gestellt werden ...
Daniel Stoevesandt,
Institutsleiter Goethe-Institut Alexandria
Institutsleiter Goethe-Institut Alexandria






