Deutsche Kulturpolitik im Ausland mitgestalten

Sie arbeiten für das Goethe-Institut im Ausland im Bereich der kulturellen Programmarbeit. Was bedeutet das für Sie? In der Programmarbeit im Goethe-Institut zu arbeiten, bedeutet die deutsche Kulturpolitik im Ausland mitgestalten zu können. Wir erarbeiten gemeinsam mit lokalen Partnern Projekte im Dialog, die eine lokale, innerregionale oder auch überregionale Reichweite haben können. Besonders gut gefällt mir dabei der Kontakt mit den interessanten Menschen: Künstler und Kulturschaffende aus den verschiedensten Bereichen, Tanz, Theater, Musik, Bildende Kunst, Film und Literatur.
Wie sind Sie zum Goethe-Institut gekommen?
2004/2005 war ich im damaligen Traineeprogramm des Goethe-Instituts.
Welches waren Ihre bisherigen Stationen?
Als 2005 habe ich als Sprachleiterin des Goethe-Instituts Afghanistan begonnen und wurde dort 2006 Institutsleiterin. Ab 2008 habe ich als Netzwerkkoordinatorin Subsahara-Afrika den Aufbau der neuen Institute in Tansania und Angola und Verbindungsbüros in Kigali, Ouagadougou und Kano im Rahmen der Aktion Afrika unterstützt und die Kulturgesellschaften der Region betreut. Seit 2011 bin ich Leiterin der regionalen Programmarbeit Subsahara-Afrika am Goethe-Institut Südafrika.
Welche Erfahrungen haben Sie an den verschiedenen Orten Ihrer Arbeit beim Goethe-Institut gesammelt? Was war schwierig, was war besonders beeindruckend?
Meine Arbeit in Afghanistan war sicherlich eine Lebenserfahrung, die mich sehr geprägt hat. An einem Ort zu arbeiten, an dem während der Taliban-Zeit unter anderem Musik, Theater und Tanz verboten war, und dort die Kulturszene mit Großprojekten wie dem Nationalen Theaterfestival wiederzubeleben, wird mir unvergesslich bleiben. Der Wissens- und Kulturdurst der jungen Menschen haben mich sehr bewegt. Schwierig waren die Lebensbedingungen vor Ort, darunter die ständigen Sicherheitsmeldungen, aber auch der fehlende Ausgleich zur Arbeit.
In meiner jetzigen Stelle als Leiterin der regionalen Programmarbeit Subsahara-Afrika amGoethe-Institut Südafrika begeistert mich die regionale Auseinandersetzung mit der künstlerischen Vielfalt des afrikanischen Kontinents. Schwierig ist es, die Afrika-Klischees in Deutschland aufzubrechen, ob es nun Exotik oder Bilder von Katastrophen sind. Deshalb freut mich, dass die Bundeskulturstiftung in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Subsahara-Afrika in den Fokus rücken möchte und ab 2013 gezielt Kooperationen zwischen deutschen und afrikanischen Institutionen unterstützen wird.
Welche Belastungen bringt das Leben als Entsandter mit sich?
Wie oft im Leben gibt es eine Kehrseite der Medaille. Bei den vielen Reisen und wechselnden Dienstorten, die das Leben sehr bereichern, ist es wichtig, das Privatleben nicht aus den Augen zu verlieren. Eine Familie zu gründen ist dabei nicht einfach, aber machbar.
Welches Projekt beschäftigt Sie im Moment am meisten?
Zur Zeit beschäftigt mich unser diesjähriges Exzellenzprojekt New Imaginaries.Johannesburg, das die Existenz von öffentlichem Raum und seinem Zugang in einer Stadt der Parallelwelten – Johannesburg - hinterfragt und einen Überbrückungsversuch durch künstlerische Interventionen wagt. Wir veranstalten drei Festivals: ein Festival des Gehens, das die Stadt zur Ausstellungsfläche macht, ein Game Art und Medienkunstfestival und ein Performancefestival entlang der öffentlichen Transportlinien Johannesburgs. Zu allen drei Festivals kommen Künstler aus ganz Afrika, um ihre Arbeiten im öffentlichen Raum zu präsentieren.
Lien Heidenreich-Seleme,
Leiterin der kulturellen Programmarbeit mit Regionalauftrag am Goethe-Institut Südafrika
Leiterin der kulturellen Programmarbeit mit Regionalauftrag am Goethe-Institut Südafrika









